Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 36. (8.9.1883)
- Date
- 1883-09-08
- Page
- Seite 142 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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t »baigriffe in Tage gefördert hat, aber auch ebenso ii 1 nicht unbedeutender Amatil Männer hellaehenden G «istea, nervigen Denkens, rüstigen Schaffens, Männer nit Geist, Hera und Gemäth. Moses b. Esra und Jihuda Halle wi, deren religiöse Gedichte eine Zierde ä 1er Reinheit sind, beide kannten die Welt, sie kurnten die Empfindungen der menschlichen Brust, 8i s liehen Worte diesen Empfindungen, wovon man in' Deutschland gar keine Ahnung hatte. Nicht minder offenbart sich ein bedeutender Unters< ihied awischen den Dichtem der maurisch-spanischen S )hole und der französisch-deutschen Schule, in der I sarbeitung ganz nationaler Stücke. Bei den .erzählendm Piutim hielten sich die maurisch-spanischen relig iösen Dichter an die Bibel allein, die deutsch-franzö- 8 sehen hingegen verflochten viele Hagadoth hinein. I!in Blick auf Jehuda Hallewi's Behandlung der Purim- (beschichte (unter dem Namen מי כמוך bekannt), ver-!liehen mit der ähnlichen im deutschen Ritual, be- 1 tätigt das Gesagte. Bei den Gebeten um materielles Wohlsein, bemerken wir ein leises anständiges Auftreten, während wir bei den deutsch-französischen j )ichtem ein stärkeres Pochen auf traditionelle Momente reroehmen. So z. B. können die Gebete um Thau lind Begen als Belege dazu dienen. Die neuere und neueste hebräische Litteratur hat 1 luroh den Einfluss des aufgeklärten und milden Zeitfeistes sich gefügt und allgemeinen Verhältnissen sich!ugewendet, indem sie das düstere Gepräge der Schöne leit in Ausdrücken trauernder und wehmüthiger Geühle von ihren Schöpfungen abstreift.?Schloss ־folgt.) « Das Jordan-Canal-Project durch die Wüste von Jericho. Von Dr. J. Sepp. — (Schloss.) Wenn dieser irdische Heimgarten oder Himmelgarten seine religiöse, ja mythische Verklärung erreichte; wenn bei den Ländern am See Tiberias und in Jericho einst Königspaläste bestanden, dazu ein Bischofssitz: warum ist all die_ Herrlichkeit vergangen? Weil nur die Hitze sich gleich blieb, 80 dass die wenigen* Be-, wohner unterhalb zu Bicha schon durch ihre dunklere Farbe erkenntlich sind, wie sie den Juden auf Madagascar anhaftet. Traf doch Buckingham 1816 eine Araberfamilie mit förmlichen Mohrenkindern. Sollte heute diesem Thalgebiete gar nichts mehr abzugewinnen sein?-Aus der Ebene Batiha östlich vom Jordan- Einflüsse ins Galiläische Meer bezieht noch immer Damaskus sein Frühgemüse, und das jüdische Opferfest wäre vierzehn Tage nach dem Frühlingsneumond zum Opfer der Primiz oder der Erstlinge der Gerste gar nicht möglich gewesen, hätte man nicht den Schnitt im einstigen Baalsgarten bei der Mondstadt Jericho gleich frühe, wie in Aegypten vornehmen können, so dass von da aus in feierlicher Procession über den Oelberg die ersten Garben zum Tempel eingebraeht wurden, gehörte doch das Feld selber zum priesterliehen Fiscus. Noch Gottfried von Bouillon pflöckte" im ,Garten Abrahams“ einen Palmzweig. Was aber, früher der fleissigen Menschenhai möglich war, lasst zieh bei den heutigen Mitteln där Technik ungleich leichter wieder hersteilen. Der Biese Og heisst zwar König von Basan, dem Lande der Basalte, und 8011 in einem Grabbette von Eisensteinen geschlafen haben, übrigens von einer Grösse gewesen sein, dass er neben der Arche Noah herging. Aber nicht in einer neuen ogygischen Fluth 8011 der ehedem so gesegnete Erdstrich untergehen, auf welohen Moses vom Berge Nebo aus und die Kinder Israel nach dem Wüstenzuge beim Jordan-Uebergange zuerst ihr Auge warfen, sondern der alten Fruohtbarkeit 8011 er zurückgegeben werden. Statt des phantastisohen Mittelmeer-Canals durch die Ebene Hadadremmon oder Megiddo liegt nichts näher, als — um vieles wohlfeiler, einen ebenfalls 30 bis 35 engl. Meilen langen Jordan-Canal von der verfallenen Brücke Dschisr Damieh (früher Adarna) an, gleich ober der Furth, welohe aus dem Ostlande nach Samaria oder der Hauptstadt (Sichem-Neapolis) fuhrt, in der Breite von nur zehn Meter durch die Jericho-Wüste zu fuhren! Der geweihte Jordan stürzt vom Ausfluss aus dem See Genezaret auf eine Strecke von kaum dreissig Stunden, aber noch so weit hin- und hergeworfen in hundert Katarakten über 650 Fuss bergab dem Todten Meere zu. So lange die Welt steht, ist darum nie ein Schiff von oben bis unten gefahren, und die obengenannten unglücklichen Beisenden haben ihre Kupferboote mit Hülfe gedungener Fellahs nur mühsam an Seilen hinabb&lancirt, nicht ohne dass das leere Fahrzeug mehrfach um schlug oder der erste Versuch misslang. Bei so hohem Gefälle ist nichts leichter, als eine Ueberleitung des Süss wassere auf die Ebene, die mit weit leichterer Mähe wieder in einen Pflanzenboden wie früher sich umwandeln liesse, als irgend in anderes Projeot durchführbar ist. Den bettelarmen Arabern, welche mit etwas Lattich und fünf oder sechs dünnen ungesäuerten Broden von doppelter Handbreite (dem Vorbilde der kirchlichen Oblaten) den Mittagtisch bestreiten und sonst nichts zu essen haben, wäre mit dem Verdienste bei dieser Ausgrabung die grösste Wohlthat erwiesen. Sie arbeiten gern und mit ungewöhnlicher Tragkraft, nur die paar Mittagstunden aussetzend von Sonnenaufgang bis zum Untergang des Tages für einen Franken, die Aufseher sind zufrieden mit einem Beschlik oder Schilling, also unsere Mark. Ich kann, wie kaum ein zweiter, aus Erfahrung reden, denn ich habe Monat lang bis zu anderthälb־־ hundert Mann mit Ausgrabungen anderer Art, nämlich bei der ältesten christlichen Kathedrale zu Tyrus, beschäftigt. Das Wasser wurde in Krügen auf Eselsrücken herbeigeschafft und nie gab es eine Unzufriedenheit, nie einen Streit; ■eine aufrichtige Trauer fing bei der Ein- Stellung der Arbeit an. Fast alle Beisenden, die vom gewöhnlichen Kamelpfade abgehen und nicht etwa in Gesellschaft mit Stange oder einer amerikanischen Karawane reisen, klagen über räuberische Anfalle. Ich habe nach ein paar so bitteren Erfahrungen es bald herausgehabt, dass nur der äusserste Hunger zum Angriffe führt und, allzeit reichlich mit Lebensmitteln vorgesehen, jede bedenkliche Lage überwunden, ipdem ich den armen Menschen mit einem Stück Brod zu meinem Gaste machte. Die Araber sind die Germanen der Süd weit. Sie sind seit Saladin in der Kultur weit zurückgegangen, oder, sagen wir, die Franken, die Europäer, haben seitdem Biesenschritte in all§n Mitteln der Cultur und Civilisation vorwärts gemacht. Das nahe Morgenland sehnt sich, ähnlichen Aufschwungs theilhaftig und aus der socialen Barbarei herausgerissen zu werden. Man muss diesen Leuten Schaufel, Pickel, Schubkarren in die Hand geben, sie haben letzteren gar keine Vorstellung, begreifen aber leicht den Vortheil, und es machte mir Spass, wie sie so einen Karren, amerikanisches Fabrikat, mit dem Namen Chamor, ״Esel“ belegten. Das übrige ist Sache der Ingenieure.