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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-09-01 · No. 35. (1.9.1883) · p. Seite 139

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 35. (1.9.1883)
Date
1883-09-01
Page
Seite 139 (sequence 3)
Language
German
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— 189 — Je genauer man Rülf ans seinen ־Werken, Thateh und Ansehauungen kennt, desto verwunderter ist ™*ף über seine Vorschläge zur Heilung der grassirenden!Anti• semitenpe8t. Hs ist ja leider Alles wahr, zum Erschrecken und zum Entsetzen wahr, was dieser geistvolle und fiir die Ehre seines Glaubens erglühende Mann über das Golus, Awdus und Risohus aus der Tiefe seiner bitter gekränkten Seele sagt. Wahrlich, jede Zeile dieser drei erschütternden Capitel lässt uns den Mann erkennen, der dort am äussersten Punkte des deutschen Reiches die verfolgten, gehetzten und geplünderten russischen Juden in ihrem tiefsten Elend aus ״erster Hand“ erblickt und erhalten hat und dem auch Stöcker und seine Rotte den bisherigen Trost geraubt haben: bei uns ist es doch anden. Ja auch der Stärkste und Muthigste kann verzweifeln bei dem Gedanken, welch eine Unsumme von Rohheit׳ und Bestialität selbst in den cultivirtesten Staaten Europas zurückgeblieben und wieder erwacht ist, aber fühlbar brennende Wundeu, sichtbar klaffende Schäden durch Utopien heilen zu wollen, das kann bloss ein vom Uebermass der Leiden getrübter Verstand wollen. Les eztremeSp8e toucheut- oder אה2ה und שנאה stören in gleicher Weise das ruhige Urtheil. Die banditenhaften Plünderer von Argenau und Neustettin, v on Kiew und Odessa, von Pest und Zala-Egerszeg haben als Losungswort den Ruf ihres Oberpatrons, dea christlichen Hofpredigers in Berlin: ״Hinaus mit den Juden, nach Palästina“ und Rülf in der Zerrissenheit seiner Seele kommt auf denselben Gedanken als einziges HeilmitteL Von der Existenz eines jüdischen Staates — Gott sei bei uns! — erwartet der Autor, dass sich die Betyaren in Ungarn werden abhalten lassen, zu ramben und zu stehlen, und Stöcker in Berlin zu hetzen und Gift zu säen. Utopien nicht als Utopien!! Wer soll die Türkei zwingen, Palästina herauszugeben? Wer wird sich entsohliessen, nach Palästina auszuwandern? Können die russischen, rumänischen und ungarischen Exulanten einen Staat bilden? Werden sie sieb nicht naoh drei Tagen des Zusammenwohnens wegen einer verschiedenen ״Minhag“ zerfleischen? Wer wird die Staatseinkünfte verwalten, Lehmann-Mainz, der dann in Beilagen zum ״Israelit“ — der natürlich zum ״heil. Reichsanzeiger“ avancirt — in bekannter uncontrollirbarer Weise den Rechenschaftsbericht niederlegt, oder ein Anderer? Wird Rabbi Salanter gestatten, eine politische Depesche am Sabbat zu befördern? Wird er die Schwerter, mit denen Rülf die Antwort auf barbarische Dickschädel — selbst kriegerisch wird der sonst 80 sanfte Memeler Rabbiner — schreiben will, nicht erst wollen kaschern? Wir wollen nioht weiter fragen, denn in den bittersten Ernst mischt sich uns imwillkürlich die Satyre des ganzen überspannten Planes. Nein, lieber Freund, 80 wenig Sie trotz allen Grimmes jemals aufhören werden bis in das innerste Mark hinein ein Deutscher zu sein, Deutschland und seine Kultur zu lieben, so wenig werden russische, rumänische und ungarische Schnorrer —■ ein Reicher geht ja nicht naoh Palästina — jemals einen jüdisohen Staat gründen. Ich will Ihnen etwas sagen: Für den zu allen Zeiten mit erneuerter Heftigkeit emporlodemden Judenhass giebt es absolut kein Heilmittel. Wissen Sie, was die Leute am Abhang des Vesuvs in Ischia und Sicilien machen, wenn ihnen ein Ausbruch des Vulkans oder ein Erdbeben hoffnungsvolle Fluren und Cultnren verödet haben? Noch auf den rauchenden Feldern weiden neue Hütten errichtet und mit frischer Kraft wird auf’s Neue gepflanzt, gesät und geerntet. Sie ׳ kennen Israels Mission auf Erden, Sie wissen, warum j uns Gott dazu bestimmt hat, ״unter den Völkemf zu Wohnen und zu leiden. Wir dürfen uns von unserer weltbeglückenden Aufgabe, Gesittung und Hnmanität zu verbreiten, nicht durch die Ausbrüohe - der Hassvulkane und nioht durch die socialen Erdbeben abwendig machen lassen. Auf eben verödeter Geistesflur haben wir die Arbeit aufs Neue zu be» ginnen, bis wir das uns von Gott gesteckte Ziel erreicht haben und ״Gotteeerkenntniss die Erde erfüllet wie Wasser bedeckt den Meeresgrund“. C aro-Pilsen. Mandel, Jules. Ueber Tödtung der Schlaohtthiere nach israelitischem Ritus. Wien 1883. Alfred Hölder. (Schluss.) e) Wir lesen: Das Fleisch der durch Fall verletzten und gequetschten Thiere ist nicht haltbar. Wir bestreiten dies nioht; indess bezieht sich dies wohl zunächst nur auf die verletzten und gequetschten Körpertheile, nicht auf das Fleisch des ganzen Körpers, Uebrigens ist ja eine solche Verletzung und Quetschung auch bei den durch andere Methoden der christlichen Metzger zu Fall gebrachten Thiere nicht ausgeschlossen.» Ferner sind geradezu von Religions wegen, sowohl um des Thierschutzes wie der rituellen Vorschriften für Schlachtweise und Fleischschau willen, bei uns solche Methoden des Niederwerfens nur anzuwenden, welche Verletzungen und Quetschungen verhüten. f) Das Blut des gehetzten Wildes soll vergiftend wirken. Es ist dies möglich, wenn man an die Art der Hetzen für das Wild denkt; unbegreiflich bleibt aber, wie man eine solche Hetze mit der Behandlung der Schlachtthiere vergleichen kann. Der Herr Ver• fasser erkennt dies auch an, zieht aber dennoch die gleichen Schlüsse und überträgt die Folgen der Hetz- ]agd auf die — Schlachtbank Merkwürdig bleibt noch, wie der Herr Verfasser übersieht, dass auch das von christlichen Metzgern in das Schlaohthaus geführte Vieh der gleichen Beängstigung nicht entgeht und von den Folgen der Todesangst, deren Gefahren es schon instinktiv durch den Blutgeruch wittert, ergriffen wird. g) Der Schuss, sagt man, tödtet das Thier, und doch soll noch Blutentleerung, Blutabfluss möglich sein. Es ist bekannt, nach dem Eintritt des Todes hört die Blutcirculation auf. Indess scheint auch der Verfasser nicht an den vollständigen Tod zu glauben. Das Thier ist todt, sagt er, und liegt rbhig da, ohne Bewegung, oder es bewegt sich, aber diese Bewegungen sind günstig und erwünscht, denn sie unterstützen, den Abfluss des Blutes. Alles dies — Bewegung, Blutabfluss, und doch ist das Thier todt? Wie widerspruchsvoll, — und wie eigentümlich! Naoh dem Schüsse sind die Bewegungen erwünscht, nach der Schlachtung in jüdisoher Weise sind sie Zeichen des noch nicht vollendeten Lebens und Andeutungen eines schmerzliohen Todeskampfes. Ist dies eine objective, unparteiische Beurteilung, oder liegt darin nicht vielmehr der Beweis einer animossen oder doch - oppositionellen Gegnerschaft? Lächerlich, wenn nioht ironisch klingt deshalb auch der Rat: wir •(dien schlachten, nachdem das Thier durch einen Schuss getödtet worden ist. Die Antwort darauf ist Schwei-, gen. Indess erklärt sich die Verschiedenheit der Erscheinungen, dass das Thier in Folge des Schusses ins Gehirn das eine Mal plötzlioh niederfallt und regungslos liegen bleibt, weder Augen noch Glieder bewegt, das andere Mal aber die ״erwünschten“ Bewegungen zeigt, dadurch, dass die Kugel nioht immer den gleiten Weg nimmt. Wenn sie in das Hintergehirn und Rückenhat sie die motorischen Nerven Muskel be wegnngen - reguliren. gelähmt sein, und das Thier liegt bewegungslos da. Daraus folgt jedoch nicht, dass auo 1 ' -a

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