Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 35. (1.9.1883)
- Date
- 1883-09-01
- Page
- Seite 140 (sequence 4)
- Language
- German
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) ittei iuuntliehe KynpfindmigiHyven gelähmt sein werden, d 1■ Bewusstsein geschwunden nna der vollständig* Tod e ■gttntea ist. Im anderen Falle, wo die motorischen Nerven unberührt geblieben oder nicht volistindig ge• Et worden sind, werden die besprochenen Bewe* en ein treten. Wer aber zeigt der Engel den Weg, len sie nehmen 8011? Wer zeigt nns die Stelle,״ welche getroffen werden muss, nna wer vermag sie mjit Sicherheit zu treffen? I h) Es ist richtig, dass die pathologischen Kenntjuhee der ־Vorzeit manches als Krankheit der Thiere erkannten, was keine oder doch keine gefährliche ist,, und umgekehrt Anderes nicht als Krankheit erklärten, die ־Wissenschaft der heutigen Zeit als eine geliehe Krankheit erkennt, 80 dass sogar die polizei- 1 Fleischschau den Genuss des Fleisches von einem 1e1r Thiere verbietet. Wir erinnern wieder an die sqkenannte Perlsucht der Lange, welche der jüdische Rjtus nicht als Grund für die Verwerfung des Fleieohee erklärt, oder nach der Meinung Späterer doch nur aus Ekel, während die wissenschaftliche Forschung nicht blos einen Anfang, sondern die fortgeae Entwickelung einer gefährlichen Lungenlose erkennt. Auch die Anschauung, dass Krankan denen das Thier nioht innerhalb eines Jahres staube, nicht gefährlich seien und keinen Grund für Verwerfung des Fleisches abgeben, dies wie Anderes beweist, dass wir in der rituellen Beurtheilnng von Krankheiten, wie deren Symptome, noch eine unvoll־ kofimene Erfahrungswissenschaft vor uns haben. Acate Krankheiten verlaufen schneller und chronische bedüroft eine längere Zeit zur Zerstörung des Lebens, manche Vorschriften des Schlachtrituals, wie in; auf Beurtheilnng der Krank heiten für die Fleischscheinen demnach auf den früheren Standpunkte darj Veterinärwissenschaften zu rohen, und der religiöse Ghärakter dieser Vorschriften hatte zur Folge, .dass sich die fortschreitende Wissenschaft daran, als an ein Noli me tangere, nicht wagte und aus heiliger Scheu nichts daran veränderte. Wir kommen dabei auch auf die mosaische Begründung der Schlachtvorschriften zu sprechen, die anen der Verfasser berührt. Sie galtei als Offenbarung oft nur dem Principe, nicht der Ferm nach, und die Begründung durch mosaische Bi )elworte gilt dann nur als traditionelle Stütze für da 1 allgemein als gültig anerkannte Princip. Wir körnen ee nur bilHgep, dass der Akt des Schlachtass allsi ein religiöser festgehalten werde, weil {die -W ihrang der Humanität gegen die Thiere und die Währung der Gesundheit für die Menschen als religi£96 Grundsätze festzuhalten sind, "während die Bairebungen f&r den Thierschntz and die Einrichtoi gen der Fleischschau ausserhalb Israels sehr neaen D§ iunfs und heute noch durchaus nicht abgemein eingefihrt sind. Dann aach, weil nicht jede Neuerung ־*fit altbewährte Einrichtungen und Gewohnheiten en 8011, wenn ee auch wahr ist, dass sähst ff löse Ueberiieferangen sich nicht vor dem Einecht wissenschaftlichen Fortschritts verschliessen!יס und dürfen. Drittens aach, weil die Umgebung des! Schlachtens und der Fleischschau mit einem religjPaea Charakter^ •die Menschen bei dem Sohlachtakt vor] Verrohung und Verthierung bewahrt und die Begten ihres Amte nicht mit Gleichgültigkeit, sonderb mit religiöser Gewissenhaftigkeit wüten lässt, und sie sogar vor Bestechung schützt, der sie.oft. aas! gesetzt sind, am sie widerrechtlich zu veranlassen, kra ikes Vieh für gesund zu eiklären. i) Die Bemerkung des Verfassers, dass es lächerlieh sei, Gott bei so kleinlichen Handlangen anznrnfen, das Sohl achten sei, da Gott viel zu gross •sei, um wie sich für so kleinliche Angelegenheiten zu interessiren, ist selbst zu läoherlioh, um widerlegt zu werden. Wer betet, flucht nioht, in dem Augenblicke, wo der Meuaöh Gott anruft, ist er vor Sünde und Rohheit geschützt, die er offen oder verborgen gegen Thiere und Mensehen begeben könnte. Das Bewusstsein von der Nähe Gottes, den der Mensch angerufen hat, giebt gerade dem Schlachtakte, welchen er vollzieht, den erwünschten religiösen Charakter. Zam Schatze gegen Verrohung, wie ans sanitären Gründen ist aach die alsbaldige Bedeckung and Wegschaffung der Blutspuren religiös angeordnet; diese sollen dem Anblicke und Auge des Menschen entzogen, aus seiner Umgebung entfernt werden. Auch bei diesem Akte wiiu Gott angerufen. Wer wird dies kleinlich nennen? Will man sich denn vermessen, Gott mit dem kleinen mensohliehen Stabe za messen, so erinnern wir an das Wort Göthe’s im Tasso: ״Gross ist, wem das Grosse nioht za gross und das Kleine nicht zu klein ist“. Alzey. Dr Rothschild. Notizen. 1. Zu der gediegenen Recension, die der als geistvoller Kritiker bewährte Dr. Immanuel Deutsch hinsichtlich der Schrift des Dr. Oscar Bähr ״Das Gesetz aber falsche Zengen nach Bibel und Talmud“ in Mo. 32 des Litt.-Bl. geliefert hat, gestatten wir ans folgernde Notiz: Die Erkl&mng As Ibn Esra za & M. 19, 16 in Bezug auf סרה scheint nns corrompirt zu sein. Derselbe wollte ,T® weder ״direct mit Götzendienst identificiren“, noch auch ״auf den Götzendienst exemplificiren“. Beides wäre gezwungen and unannehmbar. Die Erklärung muss statt כמו ע׳ץ rTlD heissen: ®כ!“HP ד׳ס >- e. (oder ,TO DTO) ,TO nttj ־OP ,TO. Ihn Esra erblickt in der gedachten Thoraste) le eine Brachvlogie; dies geht aas seiner Erklärung zu lT־C “CT ־O im 5. M. 13, 6: 1* תחסר מדת דבר וכדar und deutlich hervor. Brandenburg a. d. HaveL Dr. Philipp Kroner.*) 2. In einer calturgeschichtlichen Plauderei über die Erfindung des Pulvers (.Nord und Süd“ Juni )883) bemerkt Karl Braun- Wiesbaden, dass er in der .Chronik der Stadt Augsburg“, welche der gelehrte Clemens Jäger in der Mitte des 16. Jahrhundert« verfasst hat, die Notiz gefunden, dass ein Jude, Namens Typsiles, 1353 in Augsburg das Pulver erfunden habe und von Augsburg aus habe die Pulververbreitung ihren Weg durch Deutschland und das übrige Europa genommen. Karl Braun sagt dann weiter, dass Schriftsteller des 16 Jahrhunderts jedesmal ihrem Bericht Aber Kanonengieeserei die Notiz beifügen, dass ee griechische Juden oder jüdische Griechen seien, die das ganze Institut, nämlich den Geschützguss und die Pulvervemreitung, leiteten, and so dem Erzfeinde der Christenheit — den Türken — die Kriegsand Zerstörungswerkzenge lieferten. Daran reihen sich dann einige Bemerkungen, welche ich nicht mittheilen will, denn sie wären Wasser anf die Mühle unserer heutigen Antisemiten. Soweit der liebenswürdige Karl Braun. Wir wollen nur bemerken, dass K. Braun nicht der Erste ist, der diese Entdeckung gemacht hat. Bekanntlich hat Stöcker in seiner ersten Bierrede aie Frage aufgeworfen: ״Kennt einer von Ihnen den Typeiles, der das Pulver erfunden hat? ausgehend von einem bez. Satze in Dr. Berliners Schrift: ״Ana dem innern Leben der deutschen Juden im Mittelalter.“ 3. Gerhard Bohlfs giebt in Petermann’s Mittheil ungen (1383 S. 311) einen Ueberechlag der Juden in Afrika und kommt zu einer Qesammteiffer von 220,800.. Davon entfallen anf Algerien (1881) 35,665, Aegypten ca. 8000, Tunesien 60,000, Tripolitanien 5000, Marokko (hoch gerechnet) 62,800 (früher gab Bohlfs seifet deren 200,000 an). Abeasynien ca. 50,000, die europäischen Colonien im Süden und Westen etwa 1000. Das Kaplaud zählt 1875 ihrer 538, der Oranje-Freistaat 1880 nur 67. 4. R£nan hat das IL Bändchen des Corpus insciiptionmm, welches die phönicischen Inschriften aus Aegypten, Griechenland, Malta, Sicilien, Sardinien a. s. w. enthält, der Akademie der Inschriften vorgelegt, und zugleich angekündigt, dass nächetsiis die erste Lieferung der aramaeischen Partie des Werkes, welche der Marquis v. Vogü6 bearbeitet, erscheinen werde. — Die jüngste Nummer des Journal ״Asiatique“ brachte einen interessanten Aufsatz von Herrn Clermont-Gannean: Die Siegel und Stempel der Israeliten, Phönicier und Syrier. (TJn. isr.) *) In unserer Notiz S. 132 ist nicht ״Hartherzigkeit,“ sondem: Mangel an Mitleid in Parenthese za setzen. Kr. rörtlich er Bedacfeur Dt. Bahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolf f, Magdeburg. Verlag von Bobert Friese, Leipzig. i