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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-08-25 · No. 34. (25.8.1883) · p. Seite 134

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 34. (25.8.1883)
Date
1883-08-25
Page
Seite 134 (sequence 2)
Language
German
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TKxtms•'.— nicht di« meine — in ihren Schoss aufgenommen hat. Ueber den Wortlaut der Bagdader Ausgabe des Pri ex ha-chajjin habe ich bis jetst nichts ■u ermitteln vermocht, obwohl ich mich an mehrere grosse BibUothaken gewendet habe. Hoffentlich brauchen wir zur Widerlegung nicht bis *um Erscheinen der nächsten Broschöre Rohlings *u warten. Der angeblich «wanaig mal gedruckte Gau naöl Mendels existirt •11er Wahrscheinlichkeit nach überhaupt ,nicht; ausser in Rohlings Enunciationen. Sollten meine fortgesetzten Bemüh angen zu bestimmteren 1Resultaten fuhren, so werde ich Sie gern davon benachrichtigen Auf wund eigener Prüfung kann ich seit einigen Tagen über die wichtigste Stelle des Sepher ha-liqqntim ' {Blatt 256) artheilen: sie liegt vor mir in dem von der jerusalem. Zeitschrift ״Habazeleth“ (22. Februar 1883) gebotenen Abdruck. Natürlich steht in der kabbalistäohen Auslegung der nach Prof Rohling messianischen Stelle Sprüche 30, 19 kein Wort über das Vergiessen des Blutes von Jungfrauen, geschweige denn das Vergiessen des Blutes einer christlichen Jungfrau; das Blut, von dem dort die Bede, ist nicht dam bethaloth (sanguis virginnm) sondern dam bethulim (sanguis virginitatis). — Auch die Rommentirang von 1. Sam. 17, 25 (in der Vulgata 1. Könige 17) im Sepher ha-liqqntim hat Dr. Justns (S. 94 seiner Broschüre) gänzlich missverstanden. Desgleichen habe ich mich überzeugt, dass aas der von Rohling and nach ihm von Szaley angezogenen Stelle des Sohar II, 119 a weder die Blatbeschnldigung noch sonst etwas der Ethik des Judenthums Nachtheiüges gefolgert werden darf / Mit hochachtungsvollem Grosse Ihr Lic. Dn' Hermann L. Strack, a. o. Prof d. Theol. in Berlin. Berlin W, 11. Anglist 18£3. Sehr geehrter Herr College! In Ergänzung meiner Zuschrift vom 30/31. Juli theile ich Ihnen mit, dass von dem Gan naöl Mendels auch M.-Steinschneider, Ad. Neubauer und S R Driver nichts wissen. Weder das Bach noch auch nur eine Spur seiner Existenz ist in Oxford oder in Cambridge anfznfindeh. Ja selbst eine nach Lemberg, wo das Bach doch gedruckt sein soll, gerichtete Anfrage ist resültatlos geblieben. So bin ich denn überzeugt, dass das Bach überhaupt nicht existirt. Es wäre freilich sehr zu wünschen, dass es gefunden würde, denn nur dann wird sich Rohling positiv widerlegen lassen. — Von Pri ez ha-chaijim sind einige Handschriften in der Bodlejana zu Oxrort; aber Driver und Neubauer sind nicht im Stande gewesen, in ihnen die Stelle zu finden, welche Justus in der Bagdader Ausgabe Blatt 33 gefunden*' haben will und — leider! — nur in deutscher Ueber- Setzung mittheilt! In Erwägung, dass der Sinn der von ans kontrollirbaren Stellen aus dem Sepher haliqqutim und dem Sohar durch Justus und Rohling völlig falsch wiedergegeben ist, zweifle ich nicht, dass auch in Bezog auf das in Bede stehende kabbalistische Buch mindestens — ich will mich gelinde aasdrücken — ein grobes Missverständniss seitens der beiden katholischen Herren vorliegt Mit freundlichem Grosse Ihr _ H. Strack. Das Jordan-Canal-Project durch die Wüste von Jericho. Von Dr. J. Sepp. Palästina ist dem Hebräer die erste, dem Gbristen und Moslem die zweite Heimath. In England selbst hat sich unter dem Pro tecto rate der Königin mit den Grossen des Reiches an der Spitze eine Gesellschaft zur Erforschung des gelobten Landes gebildet, und ausgerüstet durch den Palest ine Exploration Fand haben die Capitäne Wilson, Werren, Stewart, Drake und die Lieutenants Conder und Kitchener die Terra sancta aufs genaueste vermessen und daraufhin die sorgfältigste Karte bearbeitet. Sogar die Fundamente des Salomonischen Tempels sind bei 53 Fass Tiefe aufgedeckt und die Inschrift auf dem Grundstein mit phönicischem Charakter, das älteste Denkmal in Alpbabetschrift, enthüllt, wenn auch nicht sicher entziffert. Unter der Obhut des Dekans von Westminster, Sir Stanley, der, durch seinen berühmten Namensvetter, d«n Afrika^Beisenden, überflügelt, gleichwohl nicht in Vergessenheit tritt, wurde auch — Kapharnaum, ״die Stadt Christi“, ausgegraben, aber die Resultatlosigkeit des Unternehmens in die Welt posaunt. Auf meinen höflichen Ein wand: hier seien allerdings die Pfunde umsonst aufgewandt worden, aber nur, weil man sich nicht vorher der richtigen Lage versicherte,. weil man Kapharnaum, das ja den alten Namen nicht mehr trägt, an falscher Stelle gesucht habe, ich müsse das besser wissen — erwiderte mir Se. Hochwürden: man sei nach dieser Enttäuschung nicht sogleich zu einer neuen Expedition aufgelegt! — Jedenfalls hat dieser fehlgeschlagene Versuch nicht soviel gekostet, als der beantragte Canal Aufwand erfordern würde. Da es auf Seite der grossartigen Missionsanstalten weder an Fonds noch an Begeisterung fehlt, auch die Monarchen Enropa's der Reihe nach, und die Thronfolger fast ohne Ausnahme, ihren persönlichen Kreuzzag nach dem heiligen Lande unternehmen, so erlauben wir uns mit einem vorteilhafteren Vorschläge herauszurücken und den Plan zu einem Süsswassercanal vorzulegen, der mit leichten Kosten auszuführen, ja für Palästina vom grössten Segen wäre. Die Sehnsucht des Erdenpilgers nach seiner wahren Heimath oder einem besseren Jenseits sacht eine vorläufige Befriedigung hienieden durch den Uebergang nach dem ״verheissenen Lande“. Wo nur immer das Christenthum in alttestamentlicher Weise aufgefasst, und was für die Juden als prophetisch galt, der Glaube an ein irdisches Centralland, auf die ganze Menschheit übertragen wird, erwacht die Begierde zur Auswanderung dahin. So haben bereits Tausend Tempelchristen aus Württemberg den Wanderstab ergriffen und sioh zu Joppe, Chaipha und Jerusalem angesiedelt, auch sohon namhaft zur Hebung der Cultar unter den Landesbewohnem beigetragen. Aas Anlass der jüngsten Judenverfolgung in Russland haben dieserseits Verhandlangen mit der hohen Pforte stattgefunden, um eine Massenübesiedelung nach dem Jordan und den östlichen Landstrichen, dem alten Peräa, vorzubereiten. Aber was sollen derlei Niederlassangen auf einem Boden fruchten, der kein Wasser hat! Die Wüste vom Euphrat her ist immer näher gerückt und das Terrain zu beiden Seiten des — für Niemand wohlthätigen Stromes menschenleer und verödet, eben darum auch unsicher und dem Ueberfall räuberischer Beduinen von der Morgenseite her aus^e setzt, die im jüngsten Jahrzehnt sogar Chaipha erreichten nnd die Vorrathskammern der Deutschen aasräumten. Die erforderlichen Summen zu einer Meeresrinne von Chaipha bis an den Rand der Tiefebene der in den Hieroglyphen Aegyptens geschilderten Retenu öder Rodanim*), d. h. Jordananwohner, würden völlig ausreicben, um einen ähnlichen Canal durch die Jordanwüste über Jericho zu führen, wo die Asche eines nntergegangenen Volkes nur noch wenige ף Vielleicht das der Bibel? (Red.)

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