Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 34. (25.8.1883)
- Date
- 1883-08-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M., Magdeburg, hentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (in Abonnenten der .Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei erhalten das ״Jüdische Litteratnr-Blatt“ gratis. -ד Inserate werden mit der Expedition dieses Blattes sowie durch die Central-Annoncen-Expedition Berlin, Cöln, Hamburg, München, Zürich, Wien, Paris befördert. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Profes-or Strack Rohling. — Das Jordan-Canal-P.oject durch die von Jerichow. Von Dr. J. Sej>p. — Die jüdiscin über Wüste 16 Be- Paulus völkerung auf St. Thomas. — Shylock. Von Dr. Cassel. (Sclilags.) Litteraturberichte: Mendel, Jules. Ueber T&dtmig der Schlachtthiere nach israelitischem Ritus. ) Professor Strack gegen Rohling. ״״Berlin W., 30/31. Juli 1833. Herrn Professor Dr. Bacher in Budapest Sehr geschätzter Herr College! Mit wahrer! Entsetzen lese ich eben in der Zeitung, dass der Advokat Szalay in öffentlicher Gerichtsverhandlung zu Nyiregyhaza die Behauptung, dass die Juden sich zu rituellen Zwecken menschlichen Blutes zu bedienen pflegen, erneuert and durch Berufung auf Ohajim Vitals Sepher ha-liqqutim und den Sohar zu stützen gesucht hat. Das veranlasst mich, meinen sei׳; mehr als Monatsfrist gehegten Entschluss, in eingehender wissenschaftlicher Erörterung znm zweiten Male der gedachten Beschuldigung entgegenzutreten, beiseite za setzen undachon jetzt, wenngleich es nicht mit allem mir erwünschten Material geschehen kann, von neuem zu erklären, dass die in Bede stehendje Anklage {durch und durch unwahr ist und das speciell die beiden obenerwähnten Stellen so wenig Anlass zu solcher Beschuldigung bieten, dass nur eine seltene Vereinigung von Unwissenheit, verblendeten Hass und Böswilligkeit eine dahin gehende Deutung — Auslegung kann ich nicht sagen, eher Einlegung — erklärlich macht. Nun einige Mittheilungen zur Charakterisirung des Professors Rohling und seines Gehilfen Justus. Als ich am 26. Juni in einer Berliner Zeitung einen Brief las, welchen Professor Rohling am 19. Juni in Sachen der ״Blutbeschuldigung“ an den Abgeordneten Geza v. Onody gerichtet haben solle, hielt ich die Nachricht für eine plumpe Fälschung, der in Kürze der "Widerruf |folgen werde. Ein solcher blieb aus; statt dessen erhielt ich zehn Tage später au 5 Ungarn ein Schreiben, in dem ich von der Aufregung,, welche gedachter Brief daselbst hervorrufe, benachrichtigt und gebeten wurde, meine Stimme nochmals gegen die Blutbeschuldigung zu erheben. Noch immer konnte ich, zumal die Polemik der ungarischen Tagesblätter nicht in die Stille meiner Studirstube dringt, mich nicht entschlossen, den Brief für echt zu halten und ich ersuchte daher am 6. Juli den Professor Rohling um Aeusserung bezw. Mittheilung der von ihm gemeinten Stelle. Aus seiner Antwort vom 8. Juli ergab sich, dass er den Brief in der That geschrieben• Nach Nennung des Sepher ha-liqqutim und der Soharstelle H, 119 a fahrt er wörtlich fort: ״Diese und ״sonstige hätte ich schon im Urtext und mit Erklärung ״and Version veröffentlicht, wenn ich nicht aaf ein ״Werk wartete, das ganz über die Blutfrage handelt ״und von Rabbi Mendel, der vor etwa 20 Jahren als ״Rabbiner in Küssow starb, verfasst ist unter dem ״Titel gan naül (hortus clausus); es ist wohl zwanzig oder vier die Jaden, Äf ״mal aufgelegt, zuletzt noch vor drei ״Jahren. Dieses Werk des Mendel will ״aneifem, dass sie alle das Blut (!) in die Mazzan thun) ״Verf. spricht dabei umständlich, wie überall zwar wohl ״von den Orthodoxen gemordet wird, aber nur die ״Eifrigen gäben das Blut auch in die Mazzen; diese -m ״Eifrigen seien zahlreich in Ungarn, Galizien, überhaupt ״Polen; aber Verf. will, dass auch anderswo aie :_£*׳ ״Eifrigen zahlreich werden, desshalb schreibt er sein ' ״Werkchen (!)• Ich habe es leider nur vorübergehend (!) ״zur Disposition gehabt, da es mir durch ein Unglück- --w ״verloren ging (!!), nachdem ich eben nur den Inhalt ״in der Hauptsache ermittelt. Danach habe ich mir ״grosse Mühe gegeben, es wieder zu bekommen, aber ״— fruchtlos“. Darauf spricht R die Absicht aus, V׳.jr eventuell auch ohne das Mendel’sche Bach die ihm i״ ״bekannten Einzelstellen aus Vital, Sohar u. 8. w. im •, _ ״Original und mit Aversion und Erklärung zu publi-.- ,, י ״ciren“ und schüesst ״Veritas — sie allein macht :״ ״frei, sie allein )eitet mich!!“ Zwei am 10. und am 16. Juli von mir ״im Interesse ״der auch Sie, nach dem Schlüsse Ihres Briefes, ״leitenden Wahrheit“ an Itoof. R. gerichteten Bitten,' mir den Wortlaut der Hauptstelle; des Sepher ha-liqqutim sofort kopieren zu lassen, wurden ausweichend״ beantwortet. Inzwischen war mir der in Paderborn erschienene ״Judenspiegel“ des £>r. Justus .bekannt geworden. Da der Verf. in der Vorrede geschrieben: ״sollte einer ״über einzelne Punkte näheren Aufschluss wünschen, ״so wende er sich brieflich an die Veriagsh&ndlnng . .“, JT ersuchte ich ihn am 18. Juli um Abschrift; des Original- Wortlauts von Sepher ha-liqqutim zu 1. Könige 17 und Sprüche 30 sowie von Pri ez ha-chajjim, Bagdad ex Ausgabe Blatt 33. Bis heute bin ich ohne Antwort. Oder vielmehr: am 23. Juli schickte Prof. R an mich eine vom 20. datirtes meine Zuschrift; vom 16! be&nt- * wortende Karte: ״Soll alles geschehen, in Kürze nämlioh ״werden Ew. Hochwohlgeboren das Ganze gedruckt ״und commentirt etc. vor sich haben1*. Also ist Jastns '־ ein unter Rohlings Flügeln sich bergender wahrschein!־ lieh in Prag lebender gewesener Jude, den die römiaohe j 1:1