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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-08-11 · No. 32. (11.8.1883) · p. Seite 126

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 32. (11.8.1883)
Date
1883-08-11
Page
Seite 126 (sequence 2)
Language
German
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Schätzung, die der blossen Goldmasse ni^■ gezollt worden wäre. 86 Jahre' nach der Erstürmung von Damaskus landeten Wikinger, Nordlandsfahror, in Spanien. Dort mögen sie von dem Kleinod gehört und es vergebens gesucht haben. Da wurde vom ״Sucher des Gafasscs“ gesungen. Gaelen und Nordmannen schlossen' den Schwerterbund und Skalden und Barden tauschten ihre .Lieder. In derselben Zeit beugte sich das trotzige Räubervolk, vom scharfen Angelsachsenschwert gezwungen, dem Christenthum. Dieses trag di e,,Schüssel“ von Morijah’s Tempelhöhe herab in den Abendmahlsaal im Hause des Nikodemus, (wo sie eine ״Sederschüssel“ wurde. Anmerkung des Einsenders)^ noch ehe *Skalden und Barden Zeit gefanden hatten, die ״Schüssel“ in dem aus silbernen Nebel gewobenen Schleier ihrer Lieder zu verbergen. Die spätere Dichtkunst, Gujot von Provinee, Chrestien von Troyes, Wolfram von Eschenbach, legte eine wunderprächtige, farbenbunte und schimmernde-Hübe um das Kleinod, aber doch nicht dicht genug, um nicht aus den Falten das Gold der ״Go thenschüssel“ hervorblitzen zu lassen. ״Ich wollte meine Tochter lieber todt zu meinen Füssen und hätte die Juwelen in den Ohren; sie läge eingeeargt zu meinen Füssen anddie Dukaten im Sarge“. Jüdisohe Väter sammelten Schätze nur für ihre Kinder, deren Leben ihnen lieber war, als alle Juwelen. Eine Tochter, die zuerst diebisch und leichtsinnig ist, wie von Jessica erzählt ist , —«י• was ihrem Lorenzo z. B. nicht als besonders fehlerhaft auflallt, — dürfte nicht häufig in alten jüdischen Familien gefunden worden sein. Solohe Töchter wurden nicht viel erzogen. Romantisch und putzsüchtig waren sie gewiss auch — aber gehorsam ihren Eltern, die sie nicht bestahlen. Auch hat Antonio sicher keine jüdische Familie gesehen, wenn er ein ,Jüdisch Herz“ das ״härteste“ nennt, Shakespeare hat auch eine sonderbare Ansicht von der Bekehrung zum Christenthum, mit der Shylock gleichsam bestraft wird, als komme sein Herz, sein Glaube, sein Wille gar nicht in Betracht. Doch ist die Auffassung, dass gewalt- 8ame Taufen anzuwenden seien, nicht unhistorisch. Aber man darf doch nicht vergessen, dass der ganze Handel, der Hass Shylock’s und die endliche Entwickelung durch die Liebe der klugen Porzia doch nur das dramatische Gebilde darstellt für die Lehre, die offenbar werden 8011, dass der Buchstabe tödtet, aber der Geist lebendig mache. (Forts, folgt.) Shylock. Von Dr. P&nlas Cassel. (Fortsetzung.) Der Dichter redet dabei mehr für den Juden, als gegen ihn. Denn gegen das wilde, rachsüchtige Vorartheil hatte ja Shylock Recht 80 zu sagen. Freilich braucht des Dichters dramatische Kunst das Extrem eines Hasses gegen den Unterdrücker — wie er sonst den Hass eines Spartakus gegen seiden Herrn geschildert hatte — aber es ist nicht das Herz des Dichters, welches den Shylock so abscheulich darstellen will; vielmehr geisselt sein Genie die Zustände, die einen solchen Hass erklären können. Wahre Genies werden immer mehr den Hass hassen, als sie ihn malenkönnen. Das echte Genie selbst ist eine Liebe, 'die Fanatismus nicht begreifen kann, selbst wenn es über die Mode der Zeit nicht bervorragt. An und für sich zeigt der Dichter von jüdischem Leben keine lebendige Erfahrung. Er nennt einen anderen Juden Tubal. Der Name kommt unter den Juden niemals vor. Dasselbe ist mit dem weiblichen Namen Jessica der Fall, der möglicher Weise aus Jesee gebildet worden ist, oder eine Abbildung von Jeesie darstellt, welcher Name in Schottland für Janet vorkommt. An seltsamen Namen aus dem alten Testament fehlt es in alten englischen Taufbüchern nicht. Man findet Baschti, den Namen der alten -Königin von Persien, aus dem Buche Esther, Tamar (der Schwiegertochter des Patriarchen Judah) Seth, Sadrach, Shadrach aus dem Buche Daniel, Pharao*) und Andere. Wenn Schlegel in der Uebersetzung von Jessica den Bassanio sagen lässt ״Lorenzo und sein Heidenkind“, 80 ist das aes Uebersetzers Schuld. Shakespeares ״infidel“ bedeutet nicht ״heidnisch“ an dieser Stelle, sondern ungläubig, nicht christlich“.**) Der Dichter würde schwerlich einen jüdischen Vater gefunden haben, der wie sein Shylock sagen würde, *) VgL Chamock: Praenomina or the Etymology of the Principal Christian Names. London 1882, p. 108 etc. **) Doch lasst der Dichter wirklich Lancelot sagen zu J—sie«: What beaatifal pagan, wo aber pagan. auch nur das Ungtäubigsein ansdr&cken kann. Act II. sc. HL Ebenso irrt der Dichter, wenn er Shylock vor Lanzelot sagen lasst: What .seys that fool of HagaPs offspring“. Von Hagar. stammten Das rituelle Bad einer Proselytin. Ist für das rituelle Bad einer Proselytin religionsgesetzlich die Assistenz von Männern, die Anwesenheit des Rabbinat8collegiums erforderlich? Wir stellen diese Frage nicht auf, um uns in den darüber ausgebrochenen unerquicklichen Streit zu misoheu, sondern um zu coustatireu, dass die bezügliche Praxis verschieden ist. Auf der einen Seite wird die Frage bejaht und die Assistenz gefordert, auf der anderen Seite wird die Frage verneint und die Assistenz verweigert. Wir und Andere mit uns waren auch in' der Lage, Proselytinnen aufzunehmen. Waren wir Uebertreter des Gesetzes, wenn wir die Frage verneint und uns gegen die Nothwendigkeit der Assistenz erklärt haben? Wir für uns erklärten uns nicht blos gegen die Nothwendigkeit, sondern sogar gegen die Zulässigkeit. Wir möchten auch Andere zu Erklärungen darüber veranlassen, theils um den Schwachen eine Stütze zu sein, theils um gegen die Verirrungen und Anmassungen einer falschen Orthodoxie Front za machen, was in geschlossener Reihe zu thun schon längst Pflicht gewesen wäre. Der Talmud fordert nicht, dass das Collegium resp. zwei (nicht drei) Mitglieder desselben bei dem eigentlichen Bade׳ae8istiren und von dem Untertauchen (טבילה) sich mit eigenen Augen überzeugen, sondern es heisst ausdrücklich, dass sie aussen (מבחוץ) verweilen (Jeb. 47, 6). Auch Tur bleibt noch hierbei stehen. Schulchan Arach: freilich geht über den Talmud hinaus, führt die Assisten ten ins Badezimmer, um sich zu überzeugen, dass das, Untertauchen (טבילה) wirklich und in ritueller Form! stattgefunden habe. Der Ernst ist zwar gewahrt, diel Assistenten werden der Badenden nicht ansichtig, sie! müssen sich umgewandt haben, bevor sie wieder auftaucht; aber dennoch sagen wir: die formelle Pflicht J des Untertauchens ist geschützt, die moralische Pflicht j der Schamhaftigkeit ist verletzt worden; die Fornfj ist gewahrt worden, der Geist ist entflogen. Wir halteaj die Ismaeliten ab. ־Wenn Shylock so etwas hätte sagen wolle») j was bei den Jaden der Ursprung Lazelot’s andeutete so massW^ er ,von Eaan’s oder von Edom’s Stück“ sagen.!*j Auf die Geschichte der mit dem Kaufmann verbundene•. Sage von drei Kästchen gehen wir hier nicht ein. Nur Shyloc|| sollte aus Saulus entstanden sein.

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