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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-08-04 · No. 31. (4.8.1883) · p. Seite 123

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 31. (4.8.1883)
Date
1883-08-04
Page
Seite 123 (sequence 3)
Language
German
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der Hindtt. Vor einiger Zeit erlitt ein jttd. Kaufmann — David. — Schiffbraoh an dieser Küsle^ nahe bei ihrem Dorfe und der Zufall führte ihn zu ihnen. Ihre Gesichtszüge, wie ihre Sitten sagten ihm, dass sie Juden seien. Da er all’ seine Habe verlorep hatte und nioht hoffte, je wieder geschäftlich thätig jsein zu können, stellte er sich die Aufgabe, ihnen die Güte, mit welcher sie ihn aufgenommen hatten, damit zu vergelten, dass er sie die Religion ihrer Väter kennen lehrte. In seiner Schule lernten sie hebräisqh und die wichtigsten Ceremonien. Leider lebte er nur kurze Zeit. Eines Abends auf dem Wege zwischen zwei Dörfern hielt er an einer Mauer still, um seine- Amidah zu beten. Einige Soldaten des Habschi (des mohamedanischen Oberhauptes, der das kleine Gebiet Jingeoka im Süden von Bombay beherrschte) befragten ihn, wer er wäre. Da er nicht antwortete, und seine fremdländische Kleidung ihn ihnen verdächtig erscheinen liess, schlug der Eine mit seinem Säbel auf ihn los. Nun rief er, dass er der Kadi der Juden sei. Doch es war zu spät. Trotz aller Sorgfalt seiner Glaubensgenossen führte diese Wunde bald seinen Tod herbei Man begrub ihn im Dorfe Sarai und errichtete über seinem Grabe ein noch bestehendes Denkmal. Sein Andenken lebt noch unter den Beni Israel. Die Soldaten hatten seinen Sack an sich genommen, der ein Gebetbuch, Zizith und Tephillin enthielt, und ihn ihrem Fürsten übergeben. Dieser liess sich Sinn und Zweck dieser Gegenstände von 2 Schülern Davids — der Eine war der Sohn eines seiner zu den Beni Israel gehörenden, Offiziere — erklären. Da sie ihn vollständig zufrieden stellten, ernannte er sie zu erblichen Kadi’s ihrer Gemeinden. Ihre Nachkommen sind noch im Besitze einiger Vergünstigungen und von gewissen Steuern befreit. Von dieser Zeit datirt das religiöse Erwachen der Beni Israel. Ihre Kenntniss der heiligen Schrift danken sie sodann der Marathischen Bibelübersetzung, welche christliche Missionaire verfertigt haben. Im Ganzen haben sie 11 Synagogen, 3 in Bombay und eine in jeder dieser Ortschaften Rewdunda, Panooli, Pen, Alibug, Poenad, Ambepur, Borlai und Janna. Die älteste ist in Bombay. Sie hat Samuel Ezekiel 1796 erbauen lassen nach einem Gelübde, das er gethan, als er als Commandant des 6. eingeborenen wollte, starb er dort. Jetzt hat jede Synagoge ihr Sefer und die Gemeinde hat beträchtliche Fortschritte gemacht. Sie folgen dem sephardischen Ritus und wählen Vorbeter, Schochtim und Mohelim aus ihrer Mitte. Die Schechitagesetze kennen sie aus einer Ueberlieferung in Marathischer Sprache. Ausser Jibbum nnd Chalizah beobaohten sie alle jüdischen Bräuche. Trotz aller Mühe und allen Geldes, das die Missionäre seit mehr als 50 Jahren darauf verwendet haben, ist es ihnen nur einmal, vor etwa 12 Jahren, gelungen, höchstens ein Dutzend der Aermsten und Unwissendsten in ihre Netze zu locken. Jetzt wohnen die meisten Beni Israel in Bombay, wo sie seit 200 Jahren heimathsberechtigt sind. Einige sind in den Comptoiren der Kaufleute oder den Bureaux der Regierung Deschäftigt. Viele gehören den einheimischen Truppen an; sie sind gute Soldaten und erreichen oft den höchsten Rang, der Eingeborenen verliehen wird. Die Bewohner der Dörfer Roncon sind Landwirthe, Oelfabrikanten und Oelvefkäufer. Ihre Streitsucht und Missgunst hindert ihr materielles Vorwärtskommen. Früher gab es uiehrere reiohe Familien, welche noch vor 50 Jahren einen besonderen Stadttheil in ihren eigenen Häusern bewohnten. Die' Hauptstrassen dort tragen noch die Namen der hervorragendsten Beni Israel: Samuel Ezekiel und Isaak Ezekiel z. B. Drei Vereine bestehen in der Gemeinde, — der ״Verein der Ermuthigung“, weloher Büoher, moralische und religiöse Abhandlungen drucken lässt. Geldmangel lässt seine Thätigkeit ruhen, nachdem 12 Büoher hebräisch und marathisoh edirt worden sind. Der “wohlthätdge Verein“ soll die Armen unterstützen, jedoch steter Streit zwischen. Vorstand und Mitgliedern mindert die Zahl der Zahlenden. Sodann der ״jüdische Erziehungsverein“,. der eine Elementarschule erhält, wo hebräisoh, englisch und marathisoh gelehrt werden. Die Filiale der Anglo- Je wisch Association hat eine Schule, welche mit der genannten vereinigt werden soll Die Gemeinde der Beni Israel in Bombay zählt etwa 1500 Seelen.: Eins ihrer Mitglieder, Herr Joseph Ezekiel, ist Oberdirector der Schule David-Sassoon.* Er ist'ein sehr intelligenter und wissensreicher Mann, Mitglied der Universität Bombay und Examinator für Hebräisch beim Aufnahme-Examen. Die Form der jüdischen Grabsteine. Die Form der jüdischen Grabsteine, eine oben im Halbkreis abgerundete Platte, ״Judenplatte“ genannt, findet sich fast überall Widder. Diese Uebereinstunmung kann nicht zufällig sein. Zwar liess sich zur Erklärung hierfür einerseits die bei jüdischen Begräbnissen gebräuchliche und bis auf die Neuzeit, welohe auch hierin von der Cultur des Luxus beleokt wird, im Allgemeinen bewahrte Einfachheit anführen, andererseits der Glaube, dass Alles herkömmliche oder gar religiöse Anordnung sei, wovon man am wenigsten bei Todesfällen ab weichen mochte. Aber besser erklärt sich die Sache durch die Annahme von Nachahmung der Schlusssteine, welche in dieser Form vor die Grabgewölbe gesetzt wurden und die Inschrift tragen. So finden sie sich noch in den römischen Katakomben, wie eine kürzlich veröffentlichte Beschreibung derselben mich gelehrt hat. Von der Vorsetzung dieser Schlusssteine spricht auch das alte Rituale, als dem Schlüsse der Beerdigung und dem Anfang der Trauer (סתיטת הגולל)• Fälschlich glaubt man, wie ich gefunden, in manchen Gemeinden, zur Beobachtung ' dieser alten Vorschrift auf das frische, eben zugeworfene Gräb einen grossen' Deckstein wälzen zu müssen. Oder hat diese Sitte in der vormaligen Furcht vor Verletzung der jüdischen Gräber durch, frevelhafte Hände ihren Grund? Das Wort heisst auch geradezu ״Thüre“, ist aber vielleicht doch ursprünglich nur von grossen Thüren gebräuchlich, die gewälzt werden mussten. Mit dem üblich gewordenen Luxus bei Begräbnissen steht oft der unförmliche, aus ungehobelten weissen Brettern roh zusammengefügte, nicht mit Traggriffen versehene Sarg in Widersprach. Ich weiss zwar, dass Zugeständnisse und kleine Abweichungen von der allgemeinen und einfachen Sitte nur - gar zu leicht Uebergriffen und dem Luxus unaufhaltsam Thür und Thor öffnen Indess die Bewahrung des Anstandes wird religionsgesetzlich gefordert. Schwarz soll und darf der Sarg sein; man bedeckt ihn deshalb mit schwarzem Tuch. Unförmlioh muss der Sarg nioht sein, eine wohlgestaltete, dem Körper angemessene verjüngte Form“) darf er haben, nur nicht die mit hoch erhabenem Deokel, welohe im architektonischen Durchschnitt das christliche Kren■ zeigt. Handgriffe zum bequemen Tragen sind nicht _ 1 *) Die verjüngte Form lasst auch sofort das Kopf- und F ussende unterscheiden und . macht deren besondere Kenn- Zeichnung mit Buchstaben unnöthig, was oft zu Irrthümern, zu lauten Beden und Widerreden fuhrt und die Feierlichkeit des Begräbnisses stört

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