Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 31. (4.8.1883)
- Date
- 1883-08-04
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
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Mr^ohe «Ile Völker vereint, welche alle tranacen• dentalen Ideen erhalten nnd niemals die Hoffnung verloren hat‘. ,Nicht die Jaden haben Jesam gekreuzigt, alle Mensohen, die Manscheit hat ee gethan. Die Jaden nnd die Heiden von Jerusalem, Caifas and Pilatus 'waren die Werkzeuge. Die Ursache aber waren .die Sünden aller Menschen, derer, die gewesen'sind, die sind and sein werden‘. Nachdem 80 aal Grund der christlichen Sühnlehre die eine Stützedes JadenhasSes vernichtet ist, wird auch die andere zerstört, indem, gezeigt wird, dass IL B. M. 20, 5 hier nicht zutrefie and diesem Schriftworte Ezechiel 18 zur Seite stehe. — Hoffen wir, dass das Ende des 19. Jahrhunderts den armen Gehetzten endlich Ruhe nnd Frieden and Gleichstellung gewähren wird. Shylock. Von Dr. Paulas Cassel. (Fortsetzung.) In allen Formen, die die Sage hat, ist der Gläubiger ein Feind dessen, dem er borgt. Es bezeugt, dass die Erzählung des Gesta Romanoram, den man für die älteste hält, selbst schon eine matte Copie ist, da sie blos von einem ״Kaufmann‘ (Mercator) redet, der die Bedingung stellt, ohne dass man weiss, warum er dies thut, obschon er ganz hartnäckig auf ihre Erfüllung besteht. Die Allegorie, die dazu gefügt wird, deutet darum nach ihrer Weise ihn als den Diabolos um, der den Menschen wie Mephistopheles um seine Seele bringen will — Im Dolopathos ist der Gläubiger ein Vasall dessen, der von ihm Geld leiht und diesen bitterlich hasst, wed er ihn ehemals misshandelt und verstümmelt hat. Er will also die Gelegenheit wahrnehmen, sich zu rächen. In der Sage, die in Rom spielt, ist es ein christlicher Kaufmann, der durchaus das Pfund Fleisch haben will, über welches ein Jude quittirt hat. In den anderen Versionen wird die Fleischbedingung einem Jaden zu-. geschrieben, was dem Bewusstsein des Volkes, das jn den Juden den völlig systematischen Gegensatz religiösen und socialen Lebens zu sehen gewohnt war, entsprach. Aber was theoretisch allerdings so aufgefasst ward, entsprach nicht immer dem wirklichen Leben. Es ist nicht wahr, dass ein blos feindseliges Verhältnis zwischen Juden und Christen auch im eigentlichen Mittelalter während der Kreazzüge bestanden hätte. Viele Beispiele bezeugen das GegentheiL Das Volk war liebevoller wie die Gesetze, was zu anderen Zeiten umgekehrt ist. Das kanonische Recht hatte ־die grösste Mühe, den socialen Verkehr zwischen Juden und Christen zu lösen. Die berühmte Geschichte des Bocaccio von der Reise des Jaden nach Rom, in Folge deren er sich bekehrt hat, weil das Christenthnm, wenn es trotz seiner traurigen Zustände weiter, bestände, die Wahrheit sein müsse, setzt eben auch Freundschaft zwischen Juden und Christen voraus. Es ward von ihrem Hass am meisten da geredet, wo man ihnen am meisten weh gethan hatte, wie die Römür allerdings auch den Sclaven einen vollen Hass gegen ihre Herren um so mehr zuschreiben konnten, je mehr sie diese peinigten and schlagen! In England, wahrend ־Shakespeare dichtete, gab es nicht einen Juden. Der Dichter hatte niemals Einen gesehen. Die Jaden hatten am 9. October 1290 das Land verlassen müssen and kamen erst unter Cromwell zurück. Was der Dichter von ihnen sagt, weiss er nur aus der Tradition und der Litteratur, die vielfach feindlicher war, als das Leben und durch Verbreitung von volkstümlichen Legenden über Greuelthaten, welche die Juden vollzogen haben sollten, wie bei Chaucer in den Canterbmy Tales, die Kenntniss von den Juden noch mehr entstellten. In der Sage, die er benutzte, fand er den Juden als Geldmann; das Drama des Fleischhandels konnte nur aus dem Hass des Gläubigers erklärt werden. Diesen schildert es nun mit voller poetischer Kraft, weil er das psychologisch für nöthig hält. So crass dies geschieht, so leuchtet doch des Dichten genialer Blick hindurch — mit welchem er such die Gründe dieses Hasses in den Juden deutlich machen will. Shakespeare hatte auch keinen Römer gesehen, zu welchen Antonius im Cäsar sprach and schildert sie doch tiefer wie der Geschichte- Schreiber. Was er Shylock sagen lässt, um seinen Hass zu vertheidigen, hätte er besser nicht sagen können, wenn er unter den Juden zur Zeit Heinrich des Dritten gelebt, der ihnen so lange die Zähne ausziehen 11688, bis sie ihr Geld hergaben. Er sagt excentrisch — aber poetisch und sicher nicht anhistorisch: ״Er hat meinen Verlust belacht, meinen Gewinn verspottet, mein Volk geschmäht, meinen Handel gekürzt, meine Freunde verleitet, meine Feinde aufgehetzt Ich bin ein Jude. Hat nicht ein Jude Hände, Gliedmassen, Werkzeuge, Sinne, Neigungen. Leidenschaften? mit. derselben Speise genährt, mit denselben Waffen verletzt, denselben Krankheiten unterworfen, init denselben Mitteln geheilt, gewärmt und gekältet von eben dem Winter und Sommer als ein Christ? Wenn ihr nns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen? Sind wir euch in allen Dingen ähnlich, so wollen wir’s euch auch darin gleich than. Wenn ein Jude einen Christen' beleidigt, was ist seine Demuth: Bache. Wenn ein Christ einen Juden beleidigt, was muss seine Geduld sein nach Christlichem Vorbild? Nun: Bache“. (Fortsetzung folgt). Die Juden in Indien. 2. Die Jaden in C'ochin. (Schluss). Es scheint, dass die sieben, welche dem Schiffbrache bei Noagaum der Tradition nach entronnen sind, Gebetbücher und alles Aehnliche verloren haben, wodurch ihre Nachkommen, die keine Beziehungen zu Glaubensgenossen in anderen Ländern hatten, der Ueberlieferungen und der religiösen Bräuche verlustig wurden und in vielen Stücken die götzendienerischen Sitten der Eingeborenen annahmen. Das Krias-Schema blieb ihnen im Gedächtnisse und sie wiederholten es bei jeder Ceremonie; sie beobachteten die Beschneidung am achten Tage und hielten am Sabbathe sich vom Lichtanzünden und einigen Arbeiten zurück. Sie asseu nur Fleisch von rituell getödteten Thieren, beobachteten die Fasttage, besonders. Tischo beaw und Jomkippur. Die Bedeutung des ersteren ist ihnen bekannt. Am Schlüsse desselben aasen und essen sie eine Art Speise, welche mit Gemüse bereitet ist, weshalb sie diesen Tag den ״Fasttag der Gemüse“ nennen. Vor Beginn des Jomkippur nehmen alle Beni-Israel vom Amtesten bis zum Jüngsten ein Reinignngsbad und schliessen sich 24 Stunden in ihre Häuser ein, ohne mit den ״Heiden‘ in Berührung za kommen. Denn eine solche Berührung oder eipe Unterhaitang mit ihnen würde als Verunreinigung und Entweihung des Festes angesehen werden. (Sie halten צ1ם gleichbedeutend mit עצרה! Anmerkung der Red.) Deshalb nennen sie ihn ״das Fakten mit verschlossener Thür“. ' Da der Hindakalender das Mondjahr hat, setzten sie Feste und Fasten nach ihm fest. Ihre Sonder• gebrauche verhinderten ihr Versinken in die Masse