Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 31. (4.8.1883)
- Date
- 1883-08-04
- Page
- Seite 124 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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*uageschlossen, vielmehr 11m 8a nötbiger, weil ohne solche, wie die Erfahrung lehrt, der Saig auf hohen und engen Treppen fast nicht trän• portabel ist, ohne Gefahr an lausen, den Händen der Träger zu entrutschen. Diese Uebelstände haben sich eingeschlichen durch die frühere Gewohnheit, die Leichen ohne Sarg hinauBzatragen und auf dem Friedhofe zu waschen, anzukleiden und auf den nackten Boden des Grabes zu legen, wo sie mit Brettern umstellt wurden. ־,Auch widerspricht, es der religiösen Vorschrift nicht, die Todten frühzeitig zu waschen, zu kleiden und einzusargen, den Sarg aber erst spät zu schliessen, jedoch mit Schrauben, statt mit Nägeln, welche mit störendem und aufregendem Geräusch eingeklopft zu werden pflegen; den Sarg hat man auch am Grabe nicht mehr zu öffnen, es genügt das Bewusstsein, vorher seine Pflicht gethan zu haben. UnnÖthige Abweichungen und Heimlichkeiten sind zu vermeiden.*) Dr. Rothschild-Alzey. Recensionen. Die Rftthselweisheit bei den Hebräern mit Hinblick auf andere alte Völker. Dargestellt von Lic. Dr. Aag. Wünsche. Leipzig. Otto Schulze IL Querstr. 1883. 65־ S. 8. J Aus zwei Vorträgen ist diese . Schrift entstanden, welche alle Vorzüge des gelehrten Verfassers deutlich bekundet. Darum wollen wir weniger hervorheben, wie wir uns der weiten Gelehrsamkeit, der Akribie, der fesselnden Darstellung gefreut haben, als wo wir mit dem Verfasser nicht übereinstimmen. Den schwachen Punkt bat Herr Dr. W. selbst genau erkannt und deshalb in’s Vorwort die Verwahrung aufgenommen: ״Sollten Beurtheiler den Bäthselcbärakter dieser oder jener Erzählung beanstanden, 80 habe ich dem entgegenzuhalten, dass der moderne Begriff des R&thsels sich überhaupt nicht ganz und vollständig mit dem antiken deckt*. Aber wenn Ezechiel 17,1—10 ein Räthsel darstellt, warum ist die Vision von den morschen Gebeinen, Ezechiel 37, nicht dasselbe? Da müsste ein grosser Theil der prophetischen Bilder als Bäthsel aufgefasst werden (z. B. Jeremias 1, 11 ff, Zacharias 1,8 2,1—4,2 etc.) Ja selbst die Träume JoSeph’8 und Pharao’s müssten ihrer Form wegen zu den Räthseln gerechnet werden. — Das Taschlichmachen gab Anlass zu einer grossen Anmerkung (8. 19) in welcher als Sitte nachgewiesen werden soll, dass die Juden — ausserhalb Palästina’s — gern am Wasser gebetet haben. Die Beweisstellen scheinen aber alle wieder auf’s Taschlich zurückzugehen. Wenigstens, wenn Erez hoammim unrein war, war das Ufer der Flüsse nicht rein — und im Wasser haben sie doch nicht gebetet! Das Taschlich selbst ist, wie richtig bemerkt ist, im Wort und Wesen eine Darstellung (lebendes Bild) von Micha 7,19. Da dies zu unschuldig naiv erschien, haben die Alten allerlei hineingeheimnisst, wie die Erinnerung an die Sage, dass Satan Abraham vom Opfergange durch Wasserspiegelungen habe abhaltet wollen u. dergl. mehr. Auf Räthselspiele deuten sehr Viele der Zusammenstellungen hin z. B. 10 harte Dinge sind in der Welt geschaffen worden; der Berg ist hart, das Eisen schneidet ihn u. s. w. Baba Bathra 10 a. Pessach hagada. Wer weiss eins u. s. w. — Dankbar sind wir dem bedeutenden Kenner des jüd. Sohriftthums, dass er die Aufmerksamkeit auf diese *)Alle oben gerügten Uebelstände sind hier (in Magd eb arg) längst beseitigt. (Bed.) Materie hingelenkt und selbst auf Ibn Esra, Jehuda halevi aufmerksam gemacht hat. Die Arbeit ist gross und nicht des Einzelnen Aufgabe ist es, das Werk zu vollenden., Co bien z. Lewin. Der Antisemitismus in Frankreich. Frankreich hat jetzt nicht blos ein antisemitisches Tageblatt, sondern auch eine antisemitische Zeitschrift. Die redactionelle Sonst so hoch stehende Revue d. d. mondes veröffentlichte kürzlich einen tendenziösen Roman, worin ein schmutziger russischer Jude, ein armer Bettler, von einem wohlgesinnten Christen aufgenommen und gefordert, alsbald undankbar gegen diesen und seine christliche Mitwelt sich zeigt, hartherzig und schlau durch Betrügereien seine christliehen Mitbürger aussaugt und sich an ihnen erreichert, ja sogar seinen Wohlthäter durch unerlaubte Hab- und Gewinnsucht von Haus und Hof verjagt. Man sieht, das Uebel verbreitet sich und es ist zu I fürchten, dass nach und nach auch das französische | Volk vom Gifte des Antisemitismus angesteckt werde, i Denn das Volk ist überall leichtgläubig, glaubt gern ׳ das Böse von den Mitmenschen und hält namentlich das für wahr, was gedruckt zu lesen ist. Ich sehe es zu deutlich, wie man christlicherseits trotz der gegenteiligen Gerichtsverhandlungen immer noch ganz oder theil weise an der Wahrheit der Anklage von der rituellen Blutschuld der Juden in Ungarn glaubt. Man sollte deshalb in Frankreich die wilde Saat nicht aufschiessen lassen, sondern frühzeitig das Unkraut jäten und ausroden, damit es nicht wuchere. . Diese Pflicht haben Juden, haben gute Christen, hat die Regierung. Man säume und zögere nicht, gegen die Ausstreuung einer 80 verderblichen Saat, welche die Grundsätze der Humanität, wie die Principien des! auf Gleichstellung und Gleichberechtigung aller Bürger gegründeten Staats, namentlich des republikanischen Staats, sofort mit Wort und That einzuschreiten. Wenn die Revue auch früher schon judenfreundliche .Artikel gebracht hat, so rechtfertigt sich damit nicht die heutige Gesinnungslosigkeit, welche Artikeln von so schmutziger Farbe und so tendenziöser Judenfeindlichkeit Aufnahme gestattet. Die Gefahr mag ja augenblicklich noch nicht gross sein; im Keime kann eine Krankheit noch leicht erstickt werden, welche durch Versäumnisse später unheilbar wird; ein kleines Feuer kann leicht gelöscht werden, unbekämpft greift es schnell um sich und zieht Alle in’s Verderben, auch solche, welche sich sicher wähnten und für ungefährdet hielten. Wofür haben die französischen Juden von Staatswegen ein Centralconsistorium? Wofür haben wir alle eine Alliance israelite universeile? Wir appelliren an die Prevoyance der Regierung. Dr. Rothschild-Alzey. Notizen. 1. Wie der engt Historiker Lofties in seiner jüngst erschienenen ״Geschichte Londons“ erzählt, ist das Convertiten-Aayl (für getaufte Juden) daselbst unter Leitung eines Juden erbaut worden. Derselbe Schriftsteller hebt den Umstand hervor, dass die jüdischen Häuser in der City aus festem Material (Stein, Ziegel) errichtet waren zu einer Zeit, wo die übrigen Einwohner dieses Stadttheils zum Bau ihrer Häuser blos Holz verwendeten. Es ist nnr zu verwundern, dass, der Historiker den wahren und einzigen Grund nicht angieht Dieser ist, dass die Juden des Mittelalters damit wohl nnr der, bei• Volkstumulten etc., üblichen Einäscherung ihrer Häuser Vorbeugen wollten. Berichtigung. In der Kecenaion des Stem’schen Opusculums No. 211, ist S. 116 a Z. 19 v. o. nach den Worten ״der sexualen Ehepflicht“ hinzuznfügen: ״hinsichtlich der Fort- Pflanzung und Vermehrung des Menschengeschlechts (',3H1 "HW• Vide Jebamoth 61 b.“ Hp. Rk. Verantwortlicher Hedacteur Dr. Rahmer, Magdeburg,. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.