Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 29. (21.7.1883)
- Date
- 1883-07-21
- Page
- Seite 114 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ימיו' W.1־■ iWIIJJHIfWT ־1 '■ Herkunft: gelitten -haben, ist zu beschreiben unmöglich*. Auf der Insel worden sie nicht in’s Seminar aafgenommen and nioht ordinirt. In anderen Diöoesen mussten sie die Weihe erlangen. 1739 worden Mehrere, die in Frankreich Canonici des heiL Antonius geworden waren ond in ihrer Ordenstracht naoh Mallorca kamen, ▼om G-ouvemenr aasgewiesen. D. Bemardo Nadah y Crespi war der erste Bischof, der Abkömmlinge der de la Calle in Mallorca zu Priestern weihete. Aber mit seinem 1818 erfolgten Tode hörte das wieder auf. Ja, auswärtig als Priester Fongirende liess man in Palma nicht einmal predigen! Und doch haben diese Bedrückten nie für die Aufhebang der Klöster gewirkt. Im Gegentheil, ״ihre Religiosität, ihre gute Führung und pietätvolle Gegfn nn ng ist auf der Insel bekannt und sprichwörtlich geworden8. 1848 verordnete der Bischof, dass sie wenigstens als Externe in’s Seminar durften aufgenommen werden. Diese Vergünstigung aber wurde wieder illusorisch gemacht, indem 1866 bestimmt wurde, dass nur Interne zur Priesterweihe zagelassen wären! Una historia triste (eine traurige Geschichte) nennt unser Buch die Erzählung der Leiden dieser Unglückliehen, die nicht einmal das erhebende Bewusstsein der Juden haben, dass sie für eine Jdee, für ihre Religion dulden. Und wahrlich, unsagbar traurig ist es, all’ den .Schimpf und die Schande, all’ den Druck und den . Hohn, all’ die vernichteten Hoffnungen und das zertretene Lebensglück durch die Jahrhunderte zu sammiren! Der süsse Poebel, dem es seines Ehnds Labsal ist, dass es noch Elendere giebt, denen er all’ das-vergelten kann, was ihm von den Reichen and Mächtigen angethan wird, beehrte die Aasgestossenen mit einer Fülle von Schimpfnamen, in erster Linie Judios, Hebreos, aber auch Chuetaa, de la Calle, Tomadix u. dergl. Aber das Entsetzlichste ist — Herr Taronji giebt hier Jagenderinnerangen, Selbsterlebtes und Erzählungen seiner Verwandten steigen vor ihm auf — dass alle politischen Revolutionen die armen Judensprossen Blut und Thränen gekostet “haben. ״Es schien fast, dass sie die Ursachen aller Fehler der Regierung wären“. (Schluss folgt.) ׳ Shylock. Von Dr. Paulus Cassel. (Fortsetzung.) Im Pecorone (einem älteren italienischen Geschichtenbuch) wird die Sache seltsam erzählt: In Florenz ist ein reicher Kaufherr mit drei «Söhnen. Bei «einem Tode giebt er den Aelteren alles Vermögen; den Jüngeren sendet er nach Venedig za seinem Freunde, seines Sohnes Pathen, der, weil er ohne Kinder ist, ihn als Sohn und Freund herrlich aafnimmt. Gianettiao, so hi688 der junge Mann, macht Seereisen und verbringt dabei das Vermögen seines väterlichen Freundes im Dienst eines koketten Weibes, die mit Schlauheit ihre Verehrer ausplündert. Als •er zum dritten Male die Seefahrt unternimmt, hat Ansaldo, der Vater, schon nicht Geld genug, um die Kosten auszustatten. Er borgt sie deshalb. Es ist nicht anzunehmen, dass Shakespeare grade diese Erzählung direct sich zum Muster nahm. Es ging zwar auch hier die Sache in Venedig vor, allein die Namen sind schon anders, die beiden Freunde heissen hier Bindo und Ansaldo; der Sohn, der das Geld braucht: Gianettino. Bei Shakespeare ist kein Sohn des Freundes, für welchen der Andere borgt. Antonio borgt und bürgt für Bassanio. Auch Bassanio liebt, aber doch mit venetianischem Verstand. Denn Porzia ist reich und er hat sein Vermögen verloren. Es ist nicht blos ein Liebeshandel, sondern auch eine nioht unerlaubte Spekulation, durch eine reiche Frau seine Lage za verbessern, zu welcher Bassanio Geld braucht und Antonio ihm Geld leiht. Leider hat der reiche Kaufmann nicht so viel baar — aber er glaubt sicher genug zu sein, um Geld borgen zu können. Und er thut es. Was aber dabei hauptsächlich wichtig ist, im Pecorone wie bei Shakespeare verlangt der Geldmann, bei dein sie borgen, einen Schein, wodurch sich Antonio verpflichtet, falls er nicht zur rechten Stunde, am bestimmten Ort die geliehene Summe wiederzählt, ein volles Pfund aus seinem Fleisch sich schneiden zu lassen, ״aus welchem Theil von Eurem Leib ich will“. An und für sich ist diese Forderung sehr seltsam. Shylock borgt dem Antonio nicht das Geld, damit er das' Fleisch haben könne, sondern weil er \hm zutraut, er werde bezahlen können. Er nimmt seine Bürgschaft an, nicht als eines Mannes von vielem Fleisch, sondern von vielem Credit, der Dichter lässt selbst erkennen, dass der Gläubiger auoh nichts besonderes hat, wenn er das Fleisch empfangen hat: ״Ein Pfund von Menschenfleisch, von einem Menschen Genommen ist so schätzbar, auch so nutzbar nicht Als Fleisch von Schöpsen, Ochsen, Ziegen.“ Aber es ist eben darin nur das Merkmal einer allgemeinen Lebre ausgedrückt. Es erscheint daher überall in ähnlichen Berichten; Gregonio Leti erzählt im!!eben Sixtus V.*) eine sonderbare Geschichte, von einer Wette, welche ein Jude Ceneda mit einem Römer Secchi gemacht habe, er wolle sich ein Pfund Fleisch aus seinem Leibe ausschneiden lassen, wenn es wahr sei, dass Admiral Drake San Domingo erobert habe. Secchi wettete dagegen 1000 Scudi — Ein ähnliches Histörchen wird aus Konstantin Opel erzählt, wo Fleisch gegen Geld als Pfand gesetzt wurde. — Im Meistergesang von ״Kaiser Karls Recht“ wiederholt sich dieselbe Bedingung. — Im Dolopathos kann auch der reiche Herr nur unter der Bedingung Geld aufhehmen, dass er ein Pfund Fleisch von seinem Leib im Fall der Nichtzahlung verpfändet. Die litterarischen Forscher waren noch nicht einig, die Heimath und die zu Grunde liegende Idee an diesen Berichten festzustellen. An eine Verbindung mit der Sage von der Heilung des Aussatzes mit Blut, wie die Brüder Grimm ehemals vermutheten, ist nicht zu denken. Es handelt sich da nur um Blut, nicht um Fleisch. Das Blut wird dort gegeben aus Liebe. Hier soll das Fleisch genommen werden aus Hass. Dort soll geheilt, hier verwundet werden. Ziemlich sicher glaubte Benfey**) zu sein, den Ursprung in buddhistischen Erzählungen gefunden zu haben — aber mit grossem Unrecht. Ihre Idee hat gar nichts Gemeinschaftliches, ja vielmehr Gegensatzliches. Die Geschichte ist folgende. Indra, der Gott, woflte einen mitleidigen König prüfen und verwandelt *) VgL Schudt, Jüdische Merkwürd. I., II. 191. Der Admiral ward darin Franciscns Drago genannt. In der Geschichte aus Constantinopel wird das Gewicht des Fleisches auf 2 Unzen (4 Loth) bestimmt. * **) Pantschatantra 1, 392.