Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 29. (21.7.1883)
- Date
- 1883-07-21
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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No. 29. Jüdisches Litteratur- Jäkrg; 1 Zir BelMektug «Uw J14ratb» and lide« beinfeid«■ Iitter1rl««hM Er- •ekelaiafn «af d*a der Philo- 009hie» Beschickt«, Ethnograph!«, Theo- Ugio, OrlutiU», Exogne, Homiletik, Mtargik, Pldagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. fftLayde&uty, 21. afwti 1883. Bicher der elaeehlirffea Llnermter.selehe der Bedaetlo■ ngeoaadt werde■, •■40■ 1» dleeeat Blatte •legehead• ln^eihm• Bel Elmeeod■■( tob awel BeeeHlou•. Bxeaiplmre■ erfbljl dual)*■ hone Gratli-lBMrtlOB. Das ״Jtdlscbe Lltteratur-Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift" (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8t Mark kostetj) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit M Pf. für die gespaltene Petitzeile berechnet und von der Etxpedition dieses Blattes sowie durah die Central-Annoncen-Expedition von G. Im Danbe « Ce., Frankfurt a. M., Magdeburg« Berlin, Cöln, Hamburg, München, Zürich, Wien, Paris befördert. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Die Neuchristen auf djer Insel Mallorca. Von Dr. Lewin in Coblenz. (Fortsetzung.) — Shylock. Von Dr. Paulus Cassel. (Fortsetzung.)! Litteraturbericht. Unbeschränkte Volksvermehrung oder Sind viele Kinder ein Segen? Von J. Stern. Notizen. Die Neuchristen auf der Insei Mallorca. Von Dr. Lewin-Coblenz. (Fortsetzung). Drei Jahre lang zog sieb der Process hin, bis die Folter ihr Werk gethan und die Elenden genug eingestanden hatten, dass am 7. März 1691 36 Schlachtopfer execatirt werden konnten. Die Höhe der Confiscationen war nicht mehr zu ermitteln. Herr Taronji mäht sich ab, die Schuld von der Kirche abzuwälzen und dem 17. Jahrhundert aufzubürden. Aber er selbst 8teilt es in helles Licht, wie sogar die behauptete Schuld der Angeklagten aus der minutiösesten Darlegung des Processes nicht ersichtlich wird, dass vielmehr die mündliche Tradition voll bestätigt wird: Ihr Verbrechen war ihr Reichthum. Was aber hinfort an den Nachkommen jener Unglücklichen, an denen gesündigt wnrde, welche es ihre Ehre wussten, dass sie von den Schlachtopfem und nicht von den Henkern abstammen, das haben allein verschuldet die gehässigen Verordnungen der Inquisition und die 3 letzten, ״Reflexionen“ betitelten Theile des Buches, welches der Jesaitenpater Qarau als Brandfackel 1691 hinausgeschleudert hatte. Da ist alles Mögliche geschehen, Schimpf auf die Nachkommen der Gerichteten zu häufen, sie als Geächtete darzustellen. Garau nennt die einzelnen Familien, die Taronji, Bonni, Valls, Fuster, Pomar, Aguilo, Cortes, Miro, Marti u. s. w. und drüokt ihnen das Kainszeichen auf, indem er behauptet, 68 bestände gegen sie eine natürliche Aversion, welche berechtigt sei. Garau ermahnt, sich von ihnen fern zu' halten, ihnen keinen Zutritt zur Gesellschaft zu gestatten und sie von allen Ehren anszuschfiessen. Das ward buchstäblich ausgefubrt. Auch ohne dass es geschriebenes Gesetz wnrde, selbst 1m Widerspruche gegen die Gesetze derJKirche und des Staates, stimmten stillschweigend alle mallorcanischen Gemeinwesen’’ darin überein, die Leate de la Calle zu keinem Amte, zn keiner Ehre, in keine Innung zuzulassen. Man spürt bis auf den heutigen Tag den verderblichen, mächtigen Einfluss einer geheimen Hand. Staat und Gemeinde dürfen ihnen weder Rechte noch Vortheile gewähren. Die niedrigste Mö^chscorporation, die gemeinsten Zünfte nahmen sie nicht auf! Wenn man1 ihnen den Zutritt zu'Heer und Flotte offen liess, 80 geschah es, um ihnen eine Last mehr aufzubürden,' denn höhere Stellen durften sie nicht erlangen. Ja, ohne bedeutende Schwierigkeiten, zu überwinden, konnten sie in Mallorca nicht einmal Matrosen, Bäcker, ja nicht einmal, was als die niedrigste Beschäftigung gilt, Fleischer und Fischhändler werden. In kirchlicher Beziehung war die Zurücksetzung der Neu- Christen noch viel älter — und vielleicht berechtigter. Unser Buch selbst nennt eine Vertheidlgnngsschrift gegen den Erzbischof von Toledo, D. Juan Martine« Siüceo — 1552 — der E8tat\toa de limpieza verfasst hatte, durch welche allen Nachkommen von Jaden, und Mauren geistliche Aemter untersagt wurden.*) Diese, ans dem 16. and 17. Jahrhundert stammenden, Statuten verboten auch den Söhnen and Enkeln der durch die Inquisition Bestraften den Zutritt za den' Universitäten and anderen Unterrichtsanstalten. 1776 hatte die Universität von Palma ihre Statuten geändert und ohne gesetzliches Recht alle Bewohner de la CaUe vom Eintritt ausgeschlossen, während der Stifter dieser Universität Don Carlos IL einen dieser Neuchristen zum erblichen Landalkalden und einen zum Münzwart gemacht hatte. Gegen diese Beschlüsse wurde beim Könige Protest eingelegt. (Darüber Näheres weiter unten). Aach als die Schranken der weitliehen Gesetze gefallen waren — die der Sitte be^• stehen noch — dauerte die Abschliessung von geistliehen Aemtem fort. ״Was die Geistlichen meiner *) Dieses, Papst Julius IIL gewidmete, Buch heisst: Apologie por el Linage Hebreo von Fr. Enrique Maurk, Guardian del Convento de San Francisko de Reims. Doctor en Sagrada Teologia y Catedratico de Escritnra en la Universidad de Paris en 1552.