Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 27. (7.7.1883)
- Date
- 1883-07-07
- Page
- Seite 106 (sequence 2)
- Language
- German
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v Palmeeaner den Jaden nicht günstig gesinnt, welohe zwischen el Temple, Calatrava and Call wohnten.־ Die Jaden worden daroh den Levantehandel reich and brachten bedeutende Capitalien nach der Insel, welche ein Handelaempor im Mittelländischen Meere ward. (Fortsetzung folgt.) Collectanea. Von Dr. Kroner, Babbiner in Brandenburg a. d. H. IX. ׳ Der «*plitterrlchter. Der brannte, zam geflügelten Wort gewordene Aa88praoh vom Splitterrichter findet sich Matth. 7,5; dann aber auch im Talmad B. Batra 15 b. Arachin 16b. E8 fragt sich non, wem die Priorität dieses Spraches zuzuerkennen sei. Zunächst erscheint es ans nothwendig, den Wortlaut and die getreue Ueber- Setzung der beiden Citate festzustellen. In den vorhandenenTäknudaasgaben lautet die Stelle B. Batra 15b : מאי דבתיב דהי בימי שפוט השופטים חד ששופט אח שופטיו אמר לו טול קיסם מבין עירך. אסר לו טול קודד. טבק עיניך אמר לו כספך היה לסינים אמר א סבא־ מהול כמים. ־- Die Schriftstelle: Es war in den Tagen des Bichtens der Bichter deutet auf ein Geschlecht, das seine Bichter richtet (השופטים ist hier also objectiv gefasst). Sagt der Bichter: Nimm -״היסס (nach.der landläufigen Erklärung 8. v. a. Splitter) ans Deinen Augen, so wird geantwortet: Nimm Du .קורה' (nach gleichm&ssiger Erklärung s. v. a. Balken) aus Deinen Angen. Sagt der Bichter: Dein Silber ward za Schlacken, so wird ihm erwidert: Dein Getränk ward vermischt mit Wasser. Die Stelle Arachin 16 b laatet: אמר ח טרפון תמה אני אם יש בחר לזה שמקבל תוכחה אם אמר לו טול קיסם מבק עירך א״ל טול קורה מבין עיניך. אמר ר׳ אלעור בן עורי־ תמיהני אם יש בחד הוד, שיודע להרחה —> Babbi Tarphon sagt: Es sollte mich wundem, wenn es in dieser Zeit Jemanden gäbe, der Zarechtweisung annimmt. Sagt einer: Nimm etc. (wie oben), Babbi Elasar b. Asarja aber sagt: Es sollte mich wundern, wenn heute Jemand zu ermahnen verstände. — Dies heisst nach Bä8chi: wenn er seine Zurechtweisung in zarter Weise vorzabringen verstände. (Bei genauer Prüfung des Talmudtextes ergiebt sich, dass das Wort עירך inoorrect ist und שניך heissen sollte. Letztere ,Lesart"1haben auch En Jacob, Jalkat und Bifj sowie der Aruch s. v. קיסם. Dieses Wort würde nun Zahnstoch er bedeuten, wie es auch Beza 4,6 (קיסם לחצוץ בו שדל) heisst. Diese Lesart erscheint am so empfehlenswerther, wenn man erwägt, dass, wenn Jemand auf einen in seinem Auge sitzenden Splitter aufmerksam gemacht wird, er gewiss nicht säumen werde, denselben zu entfernen, ohne die brüske Antwort zu geben, welche im Matth, angeführt ist. Ferner ist das Bild vom Balken vor den Augen unglücklich gewählt, da die. Lage eines Balkens vor den Augen unmöglich Jst. Verständlicher aber wird die fragliche Antw'ört, -wenn wir annehmen, dass קורה bisher unrichtig vocalisirt gelesen wurde, was bei dem unvocalisirten Text ja leicht möglich ist. Wir lesen nämlich nicht ,ק1ךד Balkan, sondern קורה — Spinngewebe, Jesch. 59, 5 u. 6. Dasa im Talmud קורה, mit Femininendung, im Jesch. aber קור, maskulinisch, gebraucht ist, kann nicht auffallen, da. die Talmudisten gern Substantiven, bei denen von einem natürlichen Geschlecht nicht die Bede sein kann, die Endung des Femininums (pro neutro) gegeben haben, wie ich dies in m. Coli. V. Litt.-BL Nr. 11 d. J. klar naohgewiesen. Sonach hiesse die betr. Stelle:טול קיסם מבין שניך, טול קודד. מבין עיניך und wäre zu übertragen: Nimm den Zahnstocher aus Deinen Zähnen — Nimm das Spinngewebe vor deinen Augen fort. Letzteres will sagen: Dein Blick ist ja verschleiert. Jetzt erscheint uns die Matthäus-Stelle in einem ganz anderen Lichte Der griech. Text derselben lautet: Titoxptxi, fxßaXe itpötov -ri)v Soxiv Ix toO ifd-aXpoö aou, xal x6xe 51aßXd<J>«S ixßaXelv xö xäp^o? ix xoö d^DaXpoO toü 456X900 aou. Der griech. Copist hat offenbar die falsche Lesart טול קיסם מבין עיניך statt מבין שניך vor sich gehabt und ferner, höchstwahrscheinlich verleitet durch die Femininendung des קורה =■ Gewebe, קורה «= Balken gelesen. Correct sind aber die drei Worte: xal zizt 8taßX£4׳>e13 d h. (nach der sog. Berlenburger Bibel u. A) alsdann wirst Du recht sehen können. In diesem Passus findet unsere Conjectur eine wesentliche Unterstützung. Nachdem der auf eine Nachlässigkeit Hingewiesene gereizt erwidert: Deinem scharfen Blick entgeht ein 80 winziger Gegenstand wie ein Stocher nicht, wohl aber entgeht ihm der Balken vor Deinen Augen, schaffe doch erst diesen fort! — ist entschieden die weitere Bemerkung unangebracht: ״alsdann wirst Du recht sehen können“ Es war ja von Gesichtsschwäohe garnicht die Bede, vielmehr war die Gesichts schärfe des Mahnenden dem Ermahnten lästig. Augenfälliger tritt die Absicht des Ermahnten hervor, sich reinzawasohen: sein ungerufener Freund sehe nicht gut, da er ein Gewebe vor den Augen habe, welches seinen Blick verschleiere und daher einen Stocher wahrzunehmen wähne, der garnicht vorhanden. Der Schlusspassus des griech. Textes: Du wirst recht sehen können, um mir den Splitter herauszuziehen — erscheint ganz unberechtigt, da der Ermahnende sich doch garnicht erboten, den Splitter herauszuziehen, vielmehr dem vermeintlich Leidenden gesagt hat: Nimm Du Dir den Splitter aus Deinem Auge. Aus alldem erhellt nun deutlich, dass die Bedaction des griech. Textes, durch die falsche Lesart עיניך statt שניך und die irrige Auffassung des קורה veranlasst, unsere talmudische Stelle in der vorliegenden Form bearbeitet und erläutert hat. Sonach ist zweifellos dem Talmud die Priorität des Ausspruchs zu vindiciren. Litteraturberielit. Recensionen. Ziemlich, Dr. Bernhard. Göthe und das alte Testament. Vortrag, gehalten im Verein Merkur zu Nürnberg. Nürnberg, 1883. Verlag der Fried. Kornsehen Buchhandlung. Das Schriftchen beginnt: ״Es ist jedem Göthekenner hinlänglich bekannt, dass der Altmeister der deutschen Dichtkunst in seinen Werken eine innige Vertrautheit mit der Bibel, insbesondere mit dem alten Testament bekundet. Wie sollte denn auch ein so universeller Geist, wie der unseres Dichterfürsten, gerade das Buch der Bücher nicht eingehend gekannt haben? Wichtiger sind die Fragen: Wie hat Göthe das alte , Testament beurtheilt? Welche Stellung hat er zu demselben eingenommen? Welchen Gebrauch hat er von demselben gemacht? Nach den bekannten üblichen Bezeichnungen ״der Atheist Göthe“, ״der Heide Göthe“,