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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-07-07 · No. 27. (7.7.1883) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 27. (7.7.1883)
Date
1883-07-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. 27. - Jüdisches äs Litt er at ur - Blatt.׳ Zur Beleichtiif •Iler Jadeatham und Ji4m betreff•*«!«• lltterarlache* Er* eck«t***g«a uf d«*1 Gebiet« der Philo• Hpkle, Gwehifhte, Etkiagrapbt«, Theolegi•» örie*t«JU, Exegeae, Homiletik, LlUrglk., Pidagoglk. Heraasgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahuier. 9Ttag<?e-6wr^, 7. 3ufi 1883. Blchar dar «Uitliliglgea Llttaratar.walrfc* dar Redactlo. aagaaaadt wardaa, fladaa la diaaa■ Blatt« aiafcokaada Baaprcah^ag. Bat Bianadaag tob ■wal Bacaa*t.a•• Exaaiplaraa erM|t elaaallge kana Sratla-laaartiaa. Das ״JBdlsche Lltterstar-BlsH« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Bachh&ndlangen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark• Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich heil allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 2( Pf. für die gespaltene Petitzeile berechnet und voji der Expedition dieses Blattes sowie durch die Central-Annoncen-Expedition von 9. L. Daube « Co., Frankfurt a. M., Magdeburg, Berlin, Cöln, Hamburg, München, Zürich; Wien, Paris befördert Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Die Neuchristen auf der Insel Mallorca. Von Dr. Lewin in Coblenz. — Collectaaea. Von Dr. Kroner in Brandenburg a. d. H. Litteraturberichte. Ziemlich, Dr. Bernhard. G&the und das alte Testament. Vortrag, gehalten im Vereip Mercur zu Nürnberg. — Zu meiner Recension der 18. Lijefer. der Bibi. rabb. | Notizen. — Druckfehler-Berichtigung. Nachdruck nur mit Trolle! Quellenangabe gestat et. Oie Neuchristen auf der Insel Malloita.*) Von Dr. Lewin-Coblenz- Als König Alfons von Spanien am 10. Majrz 1876 die Insel Mallorea besuchte, wurde ihm ein gedieht überreicht, welches Spaniens Könige als die Begründer und die Vertheidiger der Freiheit feierte, und dessen Schlussverse lsuten: En esta tierra, que los cielos daran, ן Aun hay esclavos que infelices callan; | Aun hay parias, Sennor, cuyo derecho Mallorca desconore alucinada: O Rey! por el honor de vuestro Nombre. ] Dadles la libertad, la luz del alma!! In diesem Lande, das vom giild’nen Himmel hell umstrahlet, Tragen noch jetzt unglückliche Sklaven schweigend din hartes Lo Parias, o Herr, deren Menschenrecht Mallorca, die blendende, nicht anerkennen will! O, König, gm der Ehre Ihres Namens willen Geben Sie Freiheit, der Seele Licht! Wer sind die Sklaven, die Parias, die in solch’ kläglichen Weisen Freiheit erflehen? Juden sind’s — doch nein, Juden wollen sie nicht sein. Hebräer Lojps; *) Ein werther junger Freund, welcher oft Spanien bereist, hat die Güte gehabt, mir als Erinnerung an anregende Unterhaltung, als Beantwortung aufgeworfener Fragen, als Ejrgänzung seiner, nur mit halbem Glauben entgegengenommenen Schilderung, ein Buch zuzuseaden, welches in Palma 1877 erschienen ist unter dem Titel: De Jose Taronji Pro. Estado Religio so Y Social de la Isla de Mallorca. Polemica contra las preoeppationes de clase. Capitulos para la historica del pueblo Bsjlear. Es wurde dadurch das Unglaubliche bewiesen. — Nobh heute dulden und leiden, werden geschmäht und zurück gesetzt, Nachkommen jener Armen, welche 1445 gezwungen worden sind, das Christenthum anzunehmen. Und all das X!eid und all die Schmach wird ihnen angethan, weil ihre Väter ״ Judep“ waren. Das ist das gelobte Land der Stöcker und Consorten; Das ist ihr ideales Urbild. Um 80 eher wird obiger Auszug zpitgemäss erscheinen und es angemessen sein, dass auch einige Notizen des geehrten Spenders des Baches, dem ich hierdurch vcjn Herzen meinen Dank abstatte, aufgenommen werden. sind sie, vom jüdischen Stamm Entsprossene — Judenchristen, denen keine Milde and keine Liebe ist geschenkt worden, deren Lehen seit Jahrhnnderten nichts Anderes bietet, als eine fortlaufende Kette von Schmach und Entehrungen. Doch wir wollen ans von dem tragischen Pathos der spanischen־ Jaden-: sprossen nicht anstecken lassen, wir wollen hübsch kühl und nüchtern bleiben and das allgemein Interessirende der grausen Martyrologie entnehmen. Seit 1435 (cfr. G-raetz VIII S. 186 ff) wohnen aufder Insel keine Jaden. Alle haben sie damals aas Angst vor dem Tode das Christenthum angenommen, nachdem eine Tisza-Esslarer Tragikomödie abgespielt worden war. Ihre Nachkommen freilich, — denn der Verfasser der uns vorliegenden Schrift gehört ebenfalls zu diesem Märtyrergeschlecht, wenn er auch mit. sauersüsser Miene nur halb und halb es zagesteht — meint neben der Unfähigkeit, die steten Verfolgungen zu ertragen, als Gründe des Glaubenswechsels noch namhaft machen 'zu dürfen: Ueberzeugung und das Bestreben, der Vorrechte der Katholiken theilhaft za werden. 3 Synagogen hatte die jüdische Gemeinde in Palma gehabt. Sie wurden 1435 in Kirchen umgewandelt; höchstwahrscheinlich nehmen die Kirche de Santa Fe bei der puerta del Campo, die Kirche des Himmelfahrtsklosters, sowie das ehemalige Kloster der Mönche de la Misericordia (der Platz, auf welchem jetzt die Balearische Bank sich befindet), ihre Stelle ein. Deshalb wurde von-jeher angenommen, und 1737! von den Deputirten der Betreffenden ohne Bedenken zugestanden, dass die Bewohner der umliegenden Strassen (de la Calatrava, del Call und de San Bar-־ tholome) die Nachkommen jener getauften Jaden seien! Das sollte freilich in Spanien am wenigsten hervorgehoben werden, da eine so bedeutende Anzahl von Spanier in directer Linie von Juden herstammt, dass nicht allein, im Tison d’Espana die Noblesse als veijüdet nachgewiesen wurde, sondern, dass selbst Cesar Cantu meint, die Spanier hätten im Allgemeinen eine jüdische Physiognomie. Die seltsame (Jeschichte der christlichen Judensjfrossen anf der Insel scheint in einer altge wurzelten Antipathie ihre Wurzel za haben. Denn schon im 14. Jahrhundert waren die

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