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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-06-30 · No. 26. (30.6.1883) · p. Seite 103

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 26. (30.6.1883)
Date
1883-06-30
Page
Seite 103 (sequence 3)
Language
German
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׳• ,ff7■. in England unter dem Vorsitze des Herzogs ^Von Malboroagh eine kleine Gesellschaftgebildet. Liegen die Verhältnisse dort günstig, so sollen die Aufm innen nach dem Mittelländischen Meere hin fortgesetzt, ai idemfalls das Project fallengelassen werden. — Wir bemerken dazu nur folgendes: Der Kanal von Haifa nach dem Jordanthale hätte eine Länge von 40 englischen (circa 8,49 deutsche) Meilen und sein höchster Punkt unweit des alten Jesreel (heute Zeräin) käme etwa 70 Meter hoch zu liegen. Der zweite Kanal vom Todten zum Kothen Meere aber würde mindestens 110 engl. (23,01 deutsche) Meilen lang und sein höchster Punkt, die Wasserscheide unweit von Ain Ghaiandel, soll nach Vigne 240 Meter über dem Meere liegen. Die technische Möglicheit davon zugegeben, so erhielten wir einen Binnensee, welcher das ganze Jordinthal von irgend einem Punkte im Süden des Todten Meeres an bis fast zum Südufer des Meromsee’s erfüllte. Die englische Gesellschaft will ״die spärliohei Bewohner des Gebietes“ mit einer Million Pfund S1 erling (20 Millionen Mark) entschädigen. Aber ein Blick auf die neue englische Aufnahmekarte von West- Palästina und die dort eingetragene blaue Linie, ־ velche alles Land unter dem Meeresspiegel einfasst, zeigt, dass dieser See Orte von so historischer Bedeutung wie Kapemaum, Magdala, Tiberias, Skythopolis (I leis an) und Jericho verschlingen würde. — Wir vernögen darum das Project nicht ernst zu nehmen, aber es sollte uns freuen, wenn bei diesem Anlasse der Wadi Araba aufgenommen würde! Litte 1*at ur bericht. Recensionen. Semiroth 1641 chaj. (זמירות לאל חי), Synagogengesänge für Solo, Soli und Chor mit Orgelbegl 5itung (ad libitum) von Max G. Löwenstamm, weiland Obercantor an der Synagoge in München. I Zu beziehen durch den Selbstverleger Franz Löwenstamm, Wien I. Nibelungenstrasse 3, durch C. A. Andre in Frankfurt a. M., Falter & Sohn in München. Preis 3 Mark. Heft. Josef sowie wen- ״Gesänge dem Gotte meines Lebens“ nennt verklärter College, Herr Obercantor M. G. Lö stamm in München seine mit rastlosem fjleisse, entschiedenem Talente und reicher Phantasie gesammelten Original-Compositionen. Ein frischer [Geist, voll Energie und Kraft, aber auch voll Innigkeit und ׳ Zartheit der Empfindung durchweht die ganze, von der Kennerhand des würdigen Sohnes, des Herrn F. J. Löwenstamm, Kapellmeister und Professor in Wien, in dem reichen Material gehaltene Blumenlese, von welcher vorerst Lieferung I. (Freitagabei d-Gesänge) erschien. Anlage, Stilisirung, Durchfü tirung des zum Ausdruck kommen sollenden Gedanken! 1 sind gleich gross und bedeutend und der auftner rsame Kunstkenner sowohl als auch der andächtige Beter — wenn dieser nicht gerade ein עם הארץ ist, — werden freudig überrascht sein von der in grossen und treffenden Zügen ausgeführten Tonmalerei. Lis in die einzelnen Details lässt sich das getreue Bild jedes Textgedankens verfolgen, so dass ich an ma liehen Stellen (so besonders S. 12 Taet 13) fürchtete, durch »des Gedankens angekränkelte Blässe“ ein Zurücktreten des lyrischen Schmelzes wahrzunehmer, besonders bei ausgeprägt poetischen Texten (לכד, ן ידי und Psalmen). Aber meine Befürchtung musste schon beim nächsten Tact schwinden angesichts der überaus reichen und geradezu mit verschwenderischer Pracht ausgestatteten Melodien. Das reiche Kunstleben der bayerischen Metropole — die ״erstarrte Musik“ dar dortigen Baudenkmäler und Gemäldegallerien, wie die lebendige der daselbst befindlichen Musterbühne und der Concertsäle — hat dem von Natur aus sehr begabten, tüchtig geschulten Cantor, der seinem Berufe mit Leib und Seele ergeben war, einen solch verfeinerten und edlen Geschmack verliehen, dass wir mit Bewundern und Staunen sein musikalisches Schaffen weiter verfolgen. ~~ Wir begegnen hierbei dem echten, duroh eifriges Streben und tiefes Verständniss zu einem hohen Grad von Vollkommenheit gelangten ״Chasonus“. Man merkt es aus den wenigen Nummern der 1. Lieferung, dass Löwenstamm eine Kraft allerersten Banges gewesen, deren ausübendes wie schöpferisches Talent gleich hoch stand. Grosse Sorgfalt hat L. auch der Grammatik und Accentuirung des Textes angedeihen lassen, wofür wir ihm ganz besonderen Dank schulden. Sehr anerkennenswerth ist die in-, struktive Anbringung der zahlreichen Aspirations- Zeichen. Einmal werden hierdurch die Textphrasen dem Sinne nach richtig auseinander gehalten, dann aber und insbesondere wird dem Cantor dadurch ein werthvoller Wink gegeben, mit dem Athem richtig Haus zu halten. Wer selbst singt, weiss diesen Factor eines correcten Vortrags zu würdigen. Desshalb ist es gut, durch sichtbare Zeichen daran erinnert zu werden,י die physische Quelle des Gesanges — die Lunge — zur richtigen Zeit leistungsfähig zu machen. Nach diesen allgemeinen Bemerkungen sei mir gestattet, die interessantesten Einzelnheiten einer näheren Erörterung zu unterziehen. No. 1. Ma towu — erschlie8st uns in anheimelndem Präludium die Pforten des Gotteshauses und fuhrt uns mit ehrfurchtgebietendem Emst in die Gott geweihten Hallen. ״Ewrecho lifhe adonoi ösi! — ein Chorsatz, in welchem der Tenor dominirend einleitet, um als Sinnbild männlicher Kraft und Entschlossenheit Alles in der Anbetung des Schöpfers mit sich fortzureissen, dooumentirt von ־vornherein die könntlerische Auffassung und demgemässe Bearbeitung der Chöre überhaupt. Ein inniger Herzenserguss des von dem Wesen und Sein seines lebendigen Gottes durchdrungenen' Beters ist das silberhelle Terzett: An4ni beemes jischecho, das der Chor in entsprechender Illustration wiederholt. Beachtenswerth sind die beiden Zwischenspiele für Lechu nerannenoh (S. 6), in welchen eine interessante alttraditionelle Weise kunstgerecht durchgeführt wird. Von ganz erheblichem musikalischen Werth sind die beiden Lecho dödi in As- und O-dur. Eine Fülle der schönsten und erhebendsten Melodien, der wirkungsvollsten Recitative enthalten diese für den Cantor besonders lohnenden Piecen: ״Raw loch sch4wes beemek habochoh, vehu jachamol olajich' chemloh“. (S. 9) ist im modernen fast Wagnerischen Recitativstil mit tiefer Empfindung erfunden und interpretirt characteristiseh die rührenden Textworte. Man lebt eben nicht ״ungestraft“ in einer Stadt,, in welcher Wagner’s unleugbare Verdienste um die Musik geehrt und cultivirt werden. Die dramatische Beliebtheit der synagogalen Musik im Gegensatz zu dem enggeschürzten Choralsatz lässt manchen Cantor mit der Kunst WagnePs, die meist mythologische, ja an’s Religiöse streifende Sujets behandelt, mehr oder weniger sympathisiren, mag er von seiner Person denken, ~־•y-׳׳1 - ״ י ־׳

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