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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-06-30 · No. 26. (30.6.1883) · p. Seite 104

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 26. (30.6.1883)
Date
1883-06-30
Page
Seite 104 (sequence 4)
Language
German
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ma er will Es ist dies auch ganz gerecht and ▼ernünftig, da wir der anqaalincirbaren Eigenschaft des Fasses wegen den köstlichen Inhalt desselben ananerkennen ans nicht versagen dürfen'. Es würde hier za weit führen, die einzelnen Schönheiten in den beiden Leeho dodi besonders aafzoföhren; nur möchte'ich düs Augenmerk des Senners noch auf die vorzügliche Orgelbegleitung lenken. Harmonisirang, Fortschreiten der einzelnen Stimmen, Modulationen mit kunstgerechter Vorbereitung und Auflösung, gut angebrachte Orgelpunkte zeugen von fachmännischem Yerständniss und Sonnen. Tow Lehodos (Psalm 92) beginnt in ansprechendem Chorsatz, um mit ״Xis immachtanni adonoi“ in ein den Tenor hervortreten lassendes Soloquartett überzugehen. Kit ״bemaaseh jodecho" fällt der Chor in« gut wirkendem Wechselgesang ein und schliesst mit einem stimmungsvollen ״arannen“ ähnlich wie Lewandowski seinen E-dur-Tow lehodos an derselben Textstelle — ohne im Ganzen den grossen wahrhaft klassischen Stil des Lewandowski’schen Tow lehodos zu erreichen. Dagegen fagt wieder Psalm 93 (Adonoi moloch) als bedeutendere Tonschöpfung hervor und nicht minder ist der im feierlichen Es-dur erklingende Chor: Mi chomocho der besonderen Beachtung werth. Eine wahre Perle Löwenstamm’scher Phantasie ist der von echten alttraditionellen Beminiscenzen durchwobene ״ Wajechulu", der gewiss von jedem Cantor dankbarst entgegengenommen und beim Publikam eines jener Lieblingskinder werden wird, ohne welches die Weihe des Freitagabend sich nicht genügend legitimiren kann. Ein ״Haschkiwenu“, der aus Versehen dem ״Wajechula“ nicht voran sondern nachfolgt, ist aus ähnlichen Gründen für den Cantor eine lohnende Einlage. Als Schlussgesang folgt ein mit grossem musikalischem Verständniss und inniger Gefühls wärme bearbeiteter ״Adon Olom“, der uns noch einmal eine angenehme Uebersicht über das überaus anerkennenswerthe Schaffen des dahingegangenen Meisters bietet. Jh dem herrlichen Andante: ,jBejodo afkid rachi“ glaubt man sein Schlummerlied, mit welchem er sich selbst in den ewigen Schlaf eingesungen, zu hören. ״Stumm schläft der Sänger“ — aber seine Lieder erschallen durch die weite Welt so lange es ein das Schöne, Echte und Gute schätzende Judenthum giebt. lieber den musikalischen Werth der Sgmmlung sprechen sich Generalmnsikdirector Dr. Tranz Laohner, HofcapeUmeister Scheinberger und Professor Dr. Eduard Hanslik, der 'geistreiche Musikreferent der ״Neuen Freien Presse" in einzelnen dom Werkchen beigegebenen Empfehlungsschreiben sehr lobend aus, während der in weiten Kreisen rühmlichst bekannte Oberlehrer Joseph Singer in Wien das Werk auch in Bezug auf seine liturgischen Vorzüge warm empfiehlt. Danken wir schliesslich noch dem Herausgeber, Herrn F. J. Löwenstamm, Capellmeister in Wien, für die überaus sorgfältige und zweckentsprechende Xedigirung und noble Ausstattung des Werks. Hechingen, im Januar 1883. L. Levi. Notizen. 1. Herrn Dr. David Frankel-Breslau für den gefälligen Hinweis auf die von der gewöhnlichen gleichfalls abweichenden Lesart der — mir nicht vorliegenden — Halberstädter Machsoredition (No. 22 d. BL) bestens dankend, möchte ich ebenfalls am der «jninissima veritas willen“ bemerken: ad. 1. So anerheblich, wie Herr F. annimmt, ist die Variante א&ץ לבבי in erwähnter Edition denn doch nicht. Diese Variante heisst entschieden nur: ״Verhärte mein Herz!“ Denn das Piel אטץ mit dem Object לב deutet überall, wie מחן הלב* nur auf Herzenshärtigkeit. S. 5 M. 2,80; 16,7; II. Chr. 36,13. Correcter ist dis Lesart der Dvhmfnrter Ausgabe, die ich am Schloss meiner bez. Artikel (No. 16—17) wörtlich anführte. Hieraus ist sattsam ersichtlich, dass es mir nicht anf Geltendmachung der ״Priorität“, sondern anf Feststellung der richtigen Lesart ankam. Dass, und wie diese von mancher Seite noch bestritten, die absurde und blasphemische dagegen aufrecht erhalten wird und wie nothwendig daher jene Fesstellang erscheint, wolle Herrr F. aas einer, dieselbe anfechtende Notiz und meiner Entgegnnng, die beide hoffentlich bald zum Abdruck gelangen,*) ersehen. ad. 2. Ich habe lediglich die falsche Heidenheim'sche TJebersetzang des כ?יזי bemängelt, zugleich aber selbst bemerkt, dass im Heidenheimschen Biur zu dem Anfang de- Jozer für den ersten Pessachtag gleichwohl בשלים gans richtig aufgefasst sei**) Brandenburg a d. H. Dr. Ph. Krön er. 2. Beau In den Katakomben des heiligen Peter und Marcellinus nahe bei dem Maasoleum der Helena ist ein Glas gefunden worden, welches den aufgemalten Grundriss des grossen Tempels von Jerusalem zeigt. Nach Herrn G. B. de Bossi war noch keines der aafgefandenen Gläser 80 schön und so kostbar, wie dieses. Die ״philologische Zeitung“ giebt folgende Beschreibang der Zeichnung: Der Tempel ist auf einer Anhöhe dargestellt, mit einer Fat^ule zu vier Säulen, deren Nordseite mit einem siebenarmigen Leuchter geschmückt ist. Zu beiden Seiten des Tempels erhebt sich eine alleinstehende Säule, während der Vorplatz durch einen vergitterten Portikus abgeschlossen ist. Stofen fuhren zum Tempel, man bemerkt einen Tisch, auf welchem der siebenarmige Leuchter, heilige Gefässe und andere jüdische Insignien sich befinden. Etwas entfernt vom Tempel bemerktman zwei kleine Kuppeln, welche von Palmenbäumen geschützt sind. In ihnen will der Herr de Bossi Mausoleen sehen. (Was durchaus den Vorschriften des jüdischen Gesetzes zuwider wäre. Bed.) Zwpi griechische Inschriften schmücken den Tempel, von denen eine lautet: ״Das Haus des Friedens“. Das Glas ist dem Museo sacro des Vaticans übergeben worden. 3. Herr Le Blant, der Director der französischen Schule in Rom, lenkt in einem Schreiben an die Akademie der Inschritten die Aufmerksamkeit der Gelehrten auf die Fresken, die jüngst in Pompeji za Tage gefördert sind. Eine derselben stellt — darüber sind alle einig — das TJrtheil Salomo’s vor. Drei groteske Personen mit dicken Köpfen, drei Bichter sitzen zu Gericht: gor ihnen liegt ein Kind auf einem Hundeklöppel, das ein Soldat mit einem gewaltigen, breiten Säbel za zerschneiden sich anschickt. Eine Frau hält das Kind, während eine andere weinend kniet und die Hände zu dem Vorsitzenden emporhebt Neben diesem Gemälde ist eine Nillandschaft, von Pygmaeen bevölkert, die mit Krodillen und Flusspferden kämpfen! Gelehrte Italiener meinen, dass das Hans einem Heiden ans Alexandrien gehört habe, der in seiner Heimath etwas von der biblischen Geschichte aafgeschnappt hatte. Auch Herr Le Blant schliesst sich dieser Ansicht an und macht bemerklich, dass einige bibL Erzählungen, die Geschichte von Jonas, Lot, für die Heiden Stoff zum Spotten boten. Schon ein Mal ist die Darstellung des Salomonischen Urtheils vom verstorbenen Longpörcer auf einem Agatstein, der wahrscheinlich dem Orient entstammt, nachgezeichnet worden. (Un. isr.) 4. Vor einigen Wochen hat die hohe Pforte den Ministerialbeamten Hamdi Bey nach Mesopotamien in die kleine Stadt Urphah, welche das ״Ur“ der Bibel sein soll, geschickt, um archaeoiogische Untersuchungen vorzunebmen. Auf dem Hügel Tel Nimrad will dieser selir alte Gebäude, Säulen etc. gefunden haben, die von Sachkundigen beschrieben und photographisch abgenommen werden sollen. *) Wir können dieselbe erst in nächster Nummer bringen. **) In dem betr. Artikel, No. 2 1 d. BL S. 79 a, ist zu lesen: z. 19 כעד statt כעך; z. 21 sangen statt sagen. Ferner muss es S. 100 b Z. 40 Berach 34 a statt 34 b heissen. K. Briefkasten der Ftedaotion. Herrn Baer in Berlin. Sie irren, wenn Sie auf einen parlamentarischen Gebrauch verweisen, wonach ״nach Schluss“ noch ״zur Sache“ das Wort ertheilt werde; nur zur Frage- Stellung, geschäftlichen Behandlung und zu persönlichen Bemerkungen kann dann gesprochen werden. Ihre ״Notiz“ geht aber darüber hinaus. Sie folgt demnächst retour Verantwortlicher Bedacteur Dr. Bahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verläk von Bobert Friese, Leipzig.

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