Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 26. (30.6.1883)
- Date
- 1883-06-30
- Page
- Seite 102 (sequence 2)
- Language
- German
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Tosfeth auf sehr sinnreiche Weise anfechten, indem sie mit Hilfe einer geometrischen Anschaanng beweisen, dass dies zwar annäherungsweise, aber keineswegs vollkommen richtig sei Nun stimmt auch in der That 1 */, — 1,4 bis auf die erste Dezimalstelle mit V21,41 — ־ . . ., welche Zahl mit der Seitenlange eines Quadrates zu multiplizieren ist, um die Zahl der L&ngeneinseiten der Diagonale derselben zu erhalten überein. Die Qemarah macht von ihrer Annahme, dass die Diagonale eines Quadrates l1/, mal grösser ist, als seine Seftenlänge, auch an anderer Stelle einen für die Geschichte der Mathematik־ vielleicht nicht uninteressanten Gebrauch, ln dem mit ״Baba Bathra“ überechriebenen Theil des babylonischen Talmuds finden wir folgenden Satz: E) . . . . ״In jedem Dreiecke ist die Summe. zweier Seiten grösser als die dritte“. Der Beweis dieses Satzes wird auf folgende Weise geführt: 4 Ellen. 4 Ellen. ~ Laut Lehrsatz, dass ein Quadrat, dessen Seite 1 EHeist, eine Diagonale vtm“i% Bllen hat,: ist ׳die Diagonale des obigen Quadrates, dessen Seite 4 Ellen hat, 5*/, Ellen lang; dazugegeben die 2 Ellen lange Seite des dieker gezogenen Dreiecks, giebt 71/, Ellen; die Diagonale des Rechtecks hingegen, dessen eine Seite 6 Ellen, die andere 4 Ellen hat, ist 7 Ellen lang. Da diese aber zugleich die dritte Seite des Dreiecks bildet, so ist der Satz bewiesen. ׳ e * Es wäre an diesem Beweise so Manches auszusetzen, doch verdient er immerhin näher beachtet zu werden. Die Juden in Indien. v-״ .- - Oie Juden in Coehin. (Fortsetzung). Die schwarzen Juden haben fast kein Tröpfchen semitischen Blutes in ihren Adern und sind meistentheils Nachkommen von• Eingeborenen, weiche in Folge der den Juden 379 der christL Aera durch den König von Malabar zugebilligten ]Eiechte zur jüdischen Religion sich hatten bekennen dürfen. Sie besitzen zur Zeit 7 besondere Synagogen, von denen mehrere von weissen Juden erbaut und ausgestattet worden sind trotz der oben erzählten Unthaten der schwarzen Juden. Unter dem Protectorate der Holländer wurde Schemtob Kuschthiel eine unbeschränkte Oberherr-' Schaft über die schwarzen Juden übertragen. Er durfte soviel er wollte einsperren lassen, um den Frieden und das Einvernehmen in der Gemeinde zu erhalten. Das war auch die einzige ihnen ertheilte Strafe. Die weissen Juden vergalten ihnen vielmehr Gutes wie Böses, indem sie ihnen zwei Synagogen und ein jetzt in Rainen liegendes Beth-hamidrasch schenkten. Zwei andere Synagogen wurden auf Kosten von Ezechiel Rabbi und Moses Aschkenasi erbaut, eine in Thrithoor (1792 durch Tippoo Sultan zerstört) und die andere in Mootum, jetzt ebenfalls ein Schutthäufen. Ueberall waren auf den Mauern der Synagogen Platten mit den Namen derer, welche zu den Baukosten beigetragen hatten, doch haben die Schwarzen undankbar die meisten zerstört nach Ankunft der Engländer 1795. Ueber die Thür det Synagoge Cochins, deren Bau 1401 begonnen worden ist, findet sich folgende Inschrift: טכת תל,0א על rü וכר לחרבן ותשלם הכתל pשחר על ל יד־ יעקב דוד כחיאל, חצי הבנק במנוחת נפשו וחציו ברוך לד נ״ע*>; ,Schwarz auf weiss, ein Andenken der Zer- Störung, die Wand ward fertig am 28. Teweth 5561 (13. Januar 1801) durch Jacob David Kochiel, die Hälfte des Baues für die Ruhe seiner Seele, und die andere Hälfte fiir Baruch Levi, er ruhe im Paradiese“. Es handelt sich also nur um eine Reparatur, den Neubau einer baufälligen Wand. Die Sitten der schwarzen Juden sind gleich denen der weissen, nur sprechen sie das Hebräische weniger korrekt. Sie haben weder wirkliche Chasanim, noch Kohanim oder Levijim. So sehr wünschen sie letztere, dass sie einen armen aus Persien eingewanderten Cohen ganz zu unterhalten sich verpflichteten, wenn er eine Frau aus ihrer Gemeinde heirathe. Die Sterblichkeit ist unter ihnen ganz bedeutend, besonders Pocken und Cholera decimiien sie, was wohl ihr Gewerbe verschuldet, denn sie handeln mit gesalzenen Fischen und FeUen, welche ihre Hütten übelriechend machen. Der Unterricht ist bei ihnen sehr veraachlässigt, doch finden sich von Zeit zu Zeit einzelne. rabbinische Gelehrte. Als Unterscheidungsnamen haben sie'־in jüngster Zeit '״ Mähüdi “ ־gewählt;' von einem der Orte, wo die Juden Anfangs wohnten und Poselyten annehmen durften. Gekleidet sind sie wie die Eingeborenen, nur dass sie eine kleine Mütze statt des Turban tragen. Pomphaft benennen sie ihre Gemeinde: ״Die sehr heilige Verbindung der vereinten 7 Synagogen der Hauptstadt von Coehin“. Freilich besitzen sie sieben Synagogen und sind viermal zahlreicher als die weissen Juden. Ihren Friedhof haben sie gemeinsam mit den Meschuchararim und den Jelide Bajis an der Seite des, den weissen Juden gehörigen. In letzter Zeit hat die Zahl der Juden in Coehin sehr abgenommen. Man zählte circa 1200 schwarze, 300 weisse Juden, 96 Meschuchararim und 25 Jelide Bajis. (Fortsetzung folgt.) Der Palästina-Kanal. Ueber ihn berichtet der ״Globus“: Der Plan ist folgender: einen Kanal von 200 Fuss Breite und 40 Fuss Tiefe von Haifa am Vorgebirge Karmel durch die Ebene von Jesreel nach dem Thale des Jordan zu graben, und einen zweiten vom todten Meere südlich zum Golf von Akaba, dann ergössen sich die Wogen des Mittelländischen Meeres in den Jordan, setzten dessen Thal unter Wasser, und dieser See böte Raum für die grössten Schiffe. Dieser schon in den dreissiger Jahren auftauchende Plan hat zunächst aber den Haken, dass man über die physischen Verhältnisse des Gebietes zwischen dem Todten und dem Rothen Meer des Wadi Araba, nicht ganz im Klaren ist, und um dies wissenschaftlich untersuchen zu lassen, hat sich *) Die Uebersetzung im ״Arch. isr.“ ist Jhier etwas mehr als ungemein.