Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 25. (23.6.1883)
- Date
- 1883-06-23
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
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- Rashi 2× ep/1002670
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י ׳ Nur scheint ee, als ob sie zwischen Umfang und Fläckß einte Kreises kefemn üntertfchied wussten, und dAdJjfrh düieelben Beri^mngen, die sie f&r ffifetfliiphe fandeetj auch auf Kteinanfang ausdehnien Die auf die obenerwähnten Warte Rabbi Jochanans am genannten Orte folgende Stelle bezeugt dies ganz dentlicb. - Die Gemarah stellt folgende Frage: B) . . .. . »Um wie viel ist ein Quadrat mebr, ־ als ein Kreis? um ‘/4; nun dann wären ja 12 genug?!“*) Darauf wird erwidert, dass Rabbi Joohanan nicht einen dem Quadrate eingeschriebenen, sondern einen diesem Quadrate umschriebenen Kreis gemeint habe and dieser stehe zum Quadrate in dem Verhältnisse r׳ (3 •*> 7c): 2, denn: C) . . . . ״Ein Kreis, der einem Quadrat eingeschrieben ist, ist um */« kleiner, als das Quadrat;-ein Quadrat, dass diesem Kreise wieder eingeschrieben wiiji, ist die Hälfte jenes Quadrates“. Nun wissen wir, dass diese Sätze (für 7c «* 3) für die Flächen der genannten Figuren wohl ihre Richtigkeit haben, keineswegs aber für die Umfänge gütig sind. Es erscheinen sonach die Worte Rabbi Jochanans noch keineswegs durch C gerechtfertigt und daher die Frage B, welohe auf die Worte Rabbi Jochanans repliziert and sich sowohl auf Umfang als auf Fläche beziehen kann, noch immer unbeantwortet: Nachdem aber der Gemarah die Antwort C, die sich nur auf Fläche beziehen kann, genügte, so bezeugt dies klar, dass die Gemarahisten zwischen Fläche und Umfang keinen Unterschied wussten. * ״ ’ Aach der berühmte pomment&bor Raschi hat Umfang mit Fläche verwechselt. Erst die Baleh- Tosfeth erkannten die Thatsache, dass sich von Umfang auf Fläche nicht schliessen lasse und zwar erklärten sie sich dies damit, dass sie einen Kreis mit dem Durchmesser 4 Ellen und ein Quadrat mit der Seitenlänge 3 Ellen nahmen. Der Umfang ist in beiden Figuren (für 7c — 3) derselbe 12 Ellen, während die Flächen verschieden sind. (Schloss folgt).* Bemerkungen und Erklärungen. נשמה יחרה •1 Der Glaube an eine Doppelseele, welche dem Israeliten am-Sabbath innewohne, gründet sich nicht auf die midraschartige Deutung von שבת דנפש (Bez. 16a) sondern knüpft sich nur daran. Der Glaube war vorhanden, lernte im Volke, unbewusst, ohne die Begründung zu kennen נשמה יחרה לא אח־עינהס), die Deutung von ״ שכת ר נפשhat man geruht, den Sabbat beendigt, weh’, dass dann die Seele entflieht“ (siehe Raschi das.) ist nnr eine scheinbare Begründung, ist *) Nach Babbi (auch Babbi Jedohah Haonassi genannt) soll eine 8uoca mit einer Basis *־on Form eines Quadrates ~16 EDen im Umfange haben. (Es ist zu bedauern, dass Herr Dr. Kahler die Arbeiten des Herrn Dr. Zackermann ״über das Mathematische im Talmud“ nicht kennt; Dr. Z. beleuchtet in eiiMmhMsdater und gründlichster Weise all« Talmudetellen mawwmatiaehea Inhalts. Bed.) eine Anlehnung an das Schrift wort, welche man suchte. Wafc ist denn die Bedeutung and wirlfhoheJBegrfintrabg dieses Glaubens? Dies« liegt in dem Wesen und in den wirksamsten Folgen des Sabbats, ik der Aas- Schliessung aller weltlichen Beschäftigung und materielkn Bestrebungen in That und Gedanken, in dem Gegensatz zu den Werktagen der Woche und in der Feinhaltung alles materiellen Erwerbes und aller leiblichen Arbeit, in der ausschliesslichen Besohäftigung mit geistigen Dingen und idealen Bestrebungen, in dem Suchen nach religiöser Belehrung und Erhebung, welche zwar an den anderen Tagen der Woche nicht ausgeschlossen, aber für den Sabbat ausschliesslich Vorbehalten ist. Dies führte zu der Idee, dass am Sabbat Israel eine höhere geistige Natur eigen sei als an anderen Tagen, aber bewirkte auch in ihm eine höhere geistige Kraft und Erhebung, Neigung und Begeisterung. Das ist die Bedeutung von. der ״Doppelseele*, welche den Israeliten am Sabbat inne wohnt; nicht eine zweite Seele ist damit gemeint, sondern eine höhere geistige Kraft', eine ideale Erhebung und Begeisterung. Mit dem Aufgeben dieser ausschliesslich geistig-religiösen Beschüftigung am Sabbät, mit der Rückkehr zu den ausschliesslich materiellen Bestrebungen der Woche flieht diese Doppelseele, ibid. נשמה יתרה נותן הקבה באדם בערב שבח ולמוצאי שבת נוטלק אותו הימנו. Man hatte für dieses Gefühl höherer Begeisterung am Sabbat, für diesen Glauben an das Inwahnen einer Doppelseele keine äusserlicheu, greifbaren Beweise, dieses Gefühl und dieser Glaube beruhten vielmehr auf einer unbewussten, innerlichen Beziehung zu Gott. Auch dies deutet jene stelle an: ,כל מצור! שנתן הק״בד לישראל נתן לדם בפרהסיא חק משבת שנתן להם בצנעא שנ־ ביני ובין ב״י אות היא לעולם. 2. אהל מועד Sonderbarer Weise hat sich auch bei Israel dafür die Uebersetzung: ״Stiftzelt“ eingeschlichen. Diese ist von Luther eingeführt und beruht auf christlicher Anschauung und Einrichtung. Nach alt-christlicher, meistens katholischer Einrichtung ruhen die Kirchen, Capellen, Hospitäler auf frommen Stiftungen; die Kirche will Eigenthümerin und Herrin derselben sein und ihre Einrichtungen nach eigener Weise und Anschanung verwalten. Sie will unabhängig sein von Staat und Volk und sucht deshalb Capitalien au sich zu ziehen, um geben zu können, statt nehmen zu müssen. Daher nannte man Kirchen und Hospitäler ״Stifte“ und sagt: in das Stift (Kirche) gehen, in das Stift (Hospital) aufhehmen. Nach dieser Anschanung und nach diesem Sprachgebrauch übersetzt Luther: Stiftzelt. Die richtige und entsprechende Uebersetzung ist ״Versammlungszelt“ und entspricht der späteren Bezeichnung der Juden für die Versammlungsorte zu gottesdienstlichen Zwecken בית הכנסת Synagoge (<5uvaY0rp7). Denn יעד das Stamm wort, heisst: bestimmen, nämlich einen Ort oder eine Zeit; daher מולד ein bestimmter Ort, eine bestimmte Zeit, ein fester Ort (Festort), eine feste Zeit (Festzeit). Man könnte darum auch wie ״Festzeit“, ״Festzelt“ übersetzen und hätte damit gleichzeitig' die Versammlung als eine zu gottesdienstlichen Zwecken bezeichnet. Die Bezeichnung ״Kirche“ ist auch ohristlich, sei es dass man diese von xopiaxi{ (xtipioc ״Herr“, womit man Jesus meinte) oder von circus (maximus) — die Römer lasen kirkus, — dem Ort der ersten gotteedienst^ hohen Versammlungen der Christen in Rom ableitet.