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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-06-16 · No. 24. (16.6.1883) · p. Seite 95

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 24. (16.6.1883)
Date
1883-06-16
Page
Seite 95 (sequence 3)
Language
German
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Classe, wie die Meschuchararim, mit dem eine 1 Unter• schiede, dass weder ihre Voreltern noch sie 8e bst sioh freigekauft haben. Sie dürfen, weder Zizitli noch Tephillin tragen und nicht zu Kinjan zählest. Ihre Todten werden ohne Gebete auf einem Bijette zu Grabe getragen. Sie gesellen sich zu den Freigelassenen, ohne sich deren Privilegien zu erfreuen, (bas ist eine Copie des Bildes, welches die Sclaven des Alterthums geboten haben!) ץ (Fortsetzung folgt.) Collectanea. Von Dr. Kroner, Rabbiner in Brandenburg a. d. H. vni. Anah und die Jemim. ' In No. 20 des Litt.-Bl. ersucht Herr Dr. Lernberger-Baia um Ansichtsäusserungen über sedine Auffassung der Iliasstelle II. 8511 Diesem Ersuchen sei unsererseits in folgenden Notizen entsprochen, die für die frag! Zusamfnenstellungdes ענה mit den ״Enetern“ und die entsprechende Deutung der ״ Jemim “ als Maulesel nicht ganz bjelanglos sein dürften. Dass ע im Griechischen wie noch in der jüd. Currentschrift dem e gleich — nicht selten dem e gleich erscheint, bezeugen הושע ,Qarfi, =* ,Expdv, לברי 'Eßpato; u. m. a. bei den LXX. עגה mit den ״Eneterü“ zusammenzustellen, regt noch ganz besonders der Umstand an, dass das Epitheton XÄoto; (-dichtbehaart, rauh) in der bedeutungsvollen Umschreibung der Person des|Paphlagonenkönigs: Xdaiov Kfjp an שעיר, in dessen ätymologisoher Bedeutung und verwandtschaftlicher Beziehung zu ענה erinnert. Dass צא& auch nicht selten im intelleotuellen Sinne (= erforschen, erfinden, verstehen) gebraucht wird, sehen wir Koh. 3,11, 7,27jff, 8,17; Rieht. 14, 12,18 wird es vom Lösen des Räthsels gebraucht. Mit Hinblick auf den Wechsel von ה und י (הדה, ילך הלך ■TP u. a. B.) liesse sich Jemim- Hemim vielleicht mit dem auf hebräische W4ise pluralisirten griechischen ijp׳. (au) halb vergleichen und mit dem •f! ׳ 1ן. -ovo; (eigentlich H a 1 b esel)j unserer Iliasstelle identificiren. Von פרד ist es übrigens wahrscheinlich 80 zu unterscheiden wie rjptovo? voh oupeuj. Hiemeben ist hervorzuheben, dass in unserem Genesiscapitel 36 noch ein Ausdruck vorkoipmt, der in einem griechischen Worte wiederkehrt: פילנש itAXXaS lat. pell ex. Ewald und andere bedeutende Forscher; zählen פילגש zu den vielen Ausdrücken, die überhaupt in den semitischen Sprachen, wie sie uns geschichtlich erscheinen, keine Erklärung mehr finden, Weil sie theils vonj fremden Völkern schon in den frühesten Zeiten ihüen zugebracht sein mögen, theils aus einer dunklen Urzeit stammen, wo das Semitische noch mit anderen Sprachstämmen, besonders dem Mittelländischen, enger zusammenhing, wohin vor Allem Thier- und Pflanzennamen gehören. So hänge z. B. עקרב zuletzt nicht blos mit dem griech. ßxop7:׳o;, sondern auch mit dem deutschen crab, Krebs,' Sanskr. carcada lat. cancer zusammen. Das Epitheton iypixepa׳. bezeichnet diej Vjptovoi nicht als ein natürliches, wildlebendes! Thiergesehlecht, wie einige Erklärer meinen, sondern nach Hehn, Culturpfl. und Hausth. 2. S, 114ff.;)03, jals auf der Weide, in freien Heerden aufgewachsen, noch ungezähmte. Auf die etwaige Bemerkung, unsere Notiz über Jemim sei lediglich ״moderne Hypothese“, würden wir erwidern, dass auoh wir sie als Hypothese ansehen, dass wir sie aber entschieden nicht als moderne bezeichnen können. Wir führen diesbezüglich nur den doch gewiss nicht ״modernen“ Midrasch rabba c. 82,1 7 an: כלאים אימתי נבראו בימי ענה הה־׳ד הוא ענה אשר מצא את הימם במדבר. ר׳ יהודה בר סימק אמר המיונם רבנן אמרו הפיקו חציו חמור וחציו סוס.(* Ist המיונם etwa nicht VjpEovos, הטיסו etwa nicht ifjptau? 1 Die Scriptio defectiva des ימם sowie die Ableitung des ענה von עון ענה beiwohnen und עדן H. ״sündhalt sein“ mit Hinblick auf das talmudische ענה פסול היה לפיכך הביא פסול לעולם (Pessachim 54a),—wie *Evexof in unserer Iliasstelle ja auch als Spitzname erscheint — diese und ähnliche Momente für unsern Gegenstand in Betracht zu ziehen, möchten wir den דורשי חמורות anheimgeben. Aus einem Vortrage Renans. Renan hielt seinen Vortrag ״die ursprüngliche Einheit von Judenthum und Christenthum und ihre allmälige Trennung“ in dem überfüllten grossen Saale Herz. Der Redner beglückwünscht die Gesellschaft der jüdischen Studien, dass sie auch Nichtjuden aufnehme. Uebrigens hat die jüdische Litteratur die Bibel zur Grundlage, welche nicht allein die Lehren des Judenthums enthalte, sondern auch das Buch der Humanität ist und deshalb die Aufmerksamkeit aller Gebildeten auf sich zieht. (Selbst bei den Lappen ist sie das Familienbuch geworden). Nach Renan ist die Idee des Christenthums — die Loslösung der Idee des Rechts von den Formen — im ersten Capitel des Jesajas, also 750 Jahre vor Jesus, ausgesprochen worden. Diese in den sybillinischen Büchern entwickelte Idee hat das Judenthum geschaffen und theilt das Christenthum mit ihm mindestens bis zum Ende ■ des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung. Die ersten Christen hielten sich für vorzügliche Juden. Die Apokalypse ist ganz jüdisch. Erst mit Paulus beginnt die Trennung. Da kommen zwei Strömungen auf, in der einen ist der jüdische Ursprung deutlich, die andere, gnostische, verleugnet das Judenthüm," dessen Gesetze sie als abergläubische behandelt. Die Trennung führt zur Trennung. Der Redner zeichnet die mittelalterlichen Verfolgungen der Juden, denen man im Trugschlüsse das Monopolisiren des Geldhandels vorwirft, nachdem man jedes andere Gewerbe ihnen verboten hat. Die französische Revolution emanzipirte die Juden, die sich dieser Wohlthat, dieser That der Gerechtigkeit so würdig zeigten. Der moderne Geist ist der Triumph des Judentbums. ״Die Welt hat, indem sie sich den Ideen •.'.er Freiheit, Duldung und Gerechtigkeit zugewendet hat, sich judaisirt!“ Die Zukunft gehört dem Judenthume, welches von den Schlacken befreit, die ganze Menschheit vereinen wird. (Man sieht über das, was Schlacke ist — dürfte noch einige Uneinigkeit der Ansichten herrschen! Red.) Aüs den vielen schönen Sätzen' heben wir den einen hervor: Das Schicksal derer, die für die Menschheit arbeiten, ist: bestohlen und dann geprügelt zu werden! •*) Ueber diese Stelle haben wir Ausführlicheres in uns. ״Hebr. Traditionen“ etc. p. 47 geschrieben. (Red.)

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