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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-06-16 · No. 24. (16.6.1883) · p. Seite 96

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 24. (16.6.1883)
Date
1883-06-16
Page
Seite 96 (sequence 4)
Language
German
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litteraturbericht. ׳ Recensionen. Dr* Wünsche, Ang. 1. Bibfiotheo^ Babbinica, u. 8. w. 18. Lieferuog. Schluss von Midrasch Schemos. Babba. 2. 19. Lieferung. Schluss von Midrasch Debarim Babba. (Schlnss). Bei den Schlnssliefernngen gehen einige Bernerkungen über Charaoter und Abfessungszeit der Midraachim Schemoth und De barim Babbah voraus,.. in welchem die. sprachlichen and stilistischen Eigenheiten, sowie die Ableitungen etc. kurz berührt und auf die Ansichten von Zunz das Alter der Midraschim featgeetellt wird. Was die Abhängigkeit dieser Midraschim von anderen anbetrifib, so dünkt ans dies als ein sehr schwieriger Punkt, der noch sehr genauer Prüfung bedarf. Als eine recht schätzenswerthe Zugabe ist in beiden Lieferungen ein -Verzeichniss von Quellen und Parallelen •au begrüssen. Allerdings ist dasselbe noch unvollständig und könnte um Vieles vermehrt werden. Im Allgemeinen möchten wir eine Bemerkung im Interesse der Sache nicht zurückhalten. Uebersetzungen sollen für-die da sein, welche die K6nntnis8 des Urtextes sich nicht aneignen können oder wollen, und dennoch Inhalt und Geist eines Sohriftwerkes kennen lernen wollen. Uebersetzungen sind und müssen demgemäss auch Erklärungen sein, indem sie das Fremdartige, im Ur- ־ texte für den Kenner ganz Verständliche, dem Geiste der Uebersetzangssprache naher bringen. Wenn man bedenkt, dass die Leser dieser Uebersetzung zunächst nur Deutsche s^in werden, dass der Urtekt selbst für den Kenner manchmal Dunkles in Form und Inhalt bietet, die ganze Art der midraschischen Exegese und der auf sie gestützten Pointen dem deutschen Geiste der Gegenwart fremd ist, 80 wird man wohl nicht ohne Bedenken fragen: Wird diese Uebersetzung, welche nicht selten das Fremdartige des Midrasch unerklärt lässt und dem nicht ganz so begeisterten Leser, wie es der ehrwürdige Verfasser ist, darum als sonderbare oft ganz unerklärbare Gedankenzusammenstellung erscheinen wird und muss, wird sie nicht vielleicht dem Judenthum und den Juden Quelle von Widerwärtigkeiten werden? Nur Eins kann trösten, der Verständige wird in solchen Fällen vielleicht fragen und Vieles ist ja, doch wiederum so klar, dass er nicht zu fragen braucht. Aber — so schwierig auch diese Aufgabe ist — würde es sich nicht emfehlen, wenn der Herr Verfasser so übersetzte, dass er Leser leichter auch den Midrasch versteht und seine Pointe erfasst? Wenn ,diese Uebersetzung auch freier wäre, vieles Erklärende mit einschöbe, der Sache würde es nützen. Ebenso wäre es wtinsehenswert h, wenn ausführbar, wenn diel Berichtigungen von Fürst und Straschun nicht hinten nachgedruckt werden, da dieselben doch an nicht wenigen Stellen ein richtigeres Verständniss schneller herbeiführen’würden. Möge es dem fleissigen und unermüdlichen Verfasser gelingen, sein grosses und schönes Werk zu vollenden und damit das richtigere Verständnis der jüdischen Gedankenwelt dem deutschen Volke zu er- «ohliessen. Erfurt. Kroner. Notizen. Die Aussprache des Hehr&ischen, welche in diesem BL jüngst besprochen wurde, zeigt nicht blos bei den Vokalen Abweichmigen, sondern auch bei den Consonanten. Solche Abweickungen datiren inaess schon von Alters her und zeigen sich auch anderswo. Die abendländische (griechische) Anaspräche des Syrischen weicht auch von der orientalischen ab; «Um Arabische hat nur drei Vokalzeicben, aber anch die Anaspräche dieser ist nüancirt, und die abendländischen (nordafrikanischen) Moslemin sprechen anders ans, als die heimischen Araber. Die portugiesische Anssprache des Hebräischen ist die südpalästinensische, der arabischen zuneigend; neben dieser bestand ein nordpalästinensischer Dialekt, welcher sich dem syrischen anschloss. So haben viele hebr. Wörter mit Kamez im Syrischen o. Die spanischen Juden stammten aus Süd- Palästina oder schlossen sich den Maaren an, auch in Philosophie and Grammatik. Indes» ist Kamez doch wohl nicht das reine o, als solches hätten die Grammatiker es auch nicht dem Patach gegenüber grappirt, sondern gleicht einer dunklem Aussprache des a, einer Mischungvon a and o, ähnlich dem englischen all und dem norddeutschen Hafer, welches wie Hofer, eigentlich Haafer klingt. Unser abendländisches Ohr und Organ ist den orientalischen Nüancirungen nicht immer gewachsen. Wir unterscheiden darum auch schwer das aspirirte 3 von ß und ן; die Aspiration von j und ך unterscheiden wir gar nicht, and doch ist eine solche, wie im Arabischen vorhanden, wo נ in j und sch und ל in s übergeht, ähnlich dem aspirirten fl- Letzteres ist auch nicht das reine s, wofür es ja anch noch andere Laute giebt, nämlich 1D3C®, wie das englische th, auch ein aspirirtes t bezeugt. Auch der g und ch Laut ist mehrfach vorhanden. Der d and t Laut geht in der Aspiration leicht in 8 über, z. B. )OB צנא> OdtXaoaa, \b4Xarta, wissen, Witz, besser, better (niederdeutsch), ten, zehn, dens, Zahn. Also ist auch die portugiesische Aussprache des ת als th nicht ausschliesslich richtig, sondern s dialectisch. Wir können auch die Ansprache der ch (Kehl-) Laute nicht richtig nüanciren, denn dazu gehört anch זןי welches wir lautlos lesen, obgleich es ein hörbarer Kehllaut ist, wie dessen'Aussprache in Gomorrha beweist. Wie Kamez nicht rein a, so ist Zere nicht rein e und Segol nicht e, sondern ae z. B. פלך, wo a etymologischer Grundton ist, vergL מלכה, also Maelech. Segol heisst darum auch פתח ט־ול• Zere ist je nach Abstammung der Wörter ai oder ei z. B. בית baith (diphtongisch) von JV5 ebenso בין ai, arab. bain, aber י® דבלי! Umlaut aus i, wie Caesar, Kaiser,. Cholem ist au, יום arab. jaum, a nach u umlautend, und dann, diphtongisch wie langes gedehntes o lautend; vergl. öuüaa, Otöjia and das französische an, auch süddeutsch ock. Daher ist Kamez chatuf das schnelle kurze o dem Cholem gegenüber grappirt Bei dem au des Cholem überwiegt aber auch bald das a wie קול arab. Kala, bald das u z. B. מפלך entsprechend der Form 30, מש3ל flectirt TO'30, Dip flectirt קומי. Bei ו klingt wohl u durch, ohne dass v verloren geht Die Bezeichnung v gilt anch ursprünglich für a. ו ähnelt demnach als va vielleicht dem englischen w (Döbblju). Wir können demnach bei der Anssprache des Hebräischen unser Organ nicht forciren, denn wir sind trotzdem nicht sicher, überall das Richtige za treffen. Die Franzosen and Engländer lesen ja anch das- Lateinische ihrer Sprache gemäss. Indess bleibt Einigkeit anch in der Anssprache des Hebräischen wünschenswert!!; nur wird diese auf dem Wege schriftlicher Auseinandersetzung und ohne religiöse und administrative Centralisirang schwer zu erreichen sein. R.—A. Die Handbibel Dr. Martin Luthers, welche als kostbarstes Stück der Sammlung im Märkischen Museum zu Berlin aufbewahrt wird, stammt ans Wittenberg und zwar aus der Bibliothek des Theologen Professor Lommatzsch. Von ihm ging sie 1865 in den Besitz des bekannten Sanitätsrathes Lutze m Cöthen für 9000 Mark und eine Jahresrente über, und aus seinem Nachlass erwarb 6ie am 27. Januar 1877 das Märkische Provinzialmuseum. Die Bibel ist die grosse Baseler lateinische Ausgabe vom Jahre 1509 ״cum pleno apparatu“ and von Dr. Luther, der sie zu seinem Studium für seine Bibel-Uebersetzung benutzte, von vorn bis hinten durchgearbeitet. Seine charakteristische, knorrige Handschrift begleitet nicht blos den Text und die Commentare, sondern füllt auch die inneren Seiten des Schweinsleder-Deckels. Das Titelblatt ziert gewisse rmaaaen als Abschluss seiner Bibelstudien der Spruch: ,Wo dein Wort, Herr, mich nicht tröstet, so verginge ich yn meinem elende. 1542. Mart. Luther D. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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