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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-06-09 · No. 23. (9.6.1883) · p. Seite 90

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 23. (9.6.1883)
Date
1883-06-09
Page
Seite 90 (sequence 2)
Language
German
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«ohlieaaen, das Binsste er hinausposaunen in die ganze ־Welt, damit AM» es hörten and darüber richteten. Den sogenannten Scheidebrief theilte er allen mit, die nar za seinem näheren Bekanntenkreise gehörten und selbst in Briefen an solche, denen er das erste oder gar einzige Mai schrieb, konnte er nicht eine ( Anspielang auf diesen anglückseligen Zwischenfall unterdrücken. *) Kurz, es nagte an ihm unaufhörlich, verbitterte sein GemüLh, liess ihn an der ganzen Menschheit verzweifeln, dass er zum Mindesten aus Furcht vor ähnlichen Erfahrungen keine neue Beziehungen mehr anknüpfen wollte. Vergebens suchten ▼erschiedene Freunde ihn versöhnlicher zu stimmen; sie erreichten damit nur, dass er noch mehr seinem Unnmthe in den heftigsten Schmähungen Luft machte, welche wir einem Bappoport gegenüber anch nur andeatungsweise nicht wiederzugeben vermögen und auch am liebsten vom Herausgeber bei den Kraftstellen nur durch Punkte angedeutet gesehen hätten. **) Sogar ein Gedicht verfasste er, durch welches er das bei der Berufung R&ppoports nach Tarnopol angestimmte begeisterte Lied widerrief Reggi o, Land&u, Schorr, Jost, Zanz, sogar im Aufträge Rappoports selber dessen Schwiegersohn Hirsch B o d e k, alle boten ihre Ueberrednngskünste dem Unversöhnlichen gegenüber aufj Alles umsonst. Man hätte wirklich annehmen können, dass der Bruch uhheilbar sei und für die ganze Lebenszeit fortdaaem werde! Doch nein! Hier erkennen wir wieder den bedeutenden Menschen, der zwar den menschlichen Schwäohen nicht minder, vielleicht noch mehr wie der unbedeutende unterworfen ist, aber doch sich immer wieder in seiner Grösse offenbart. Eines schönen Tages hat Luzzatto den soeben erschienenen fünften Band des Kerem Chemed empfangen und die darin enthaltenen Aufsätze Rappoports ziehen zuerst seine Aufmerksamkeit auf sich. Er liest und immer mehr leuchten seine Augen, die Geistesblitze seines grossen Gegners bringen die Eisrinde zam Schmelzen, welche sich nm sein Herz gelegt, die glühenden Empfindungen der Liebe und Hochachtung, welche darin vor 12 Jahren beim Lesen der ersten Rappoport'schen Aufsätze erwacht waren und ihn getrieben hatten, denselben durch seinen ersteh Brief Ausdruck zu geben, sind in seine Brost in der alten Gluth wieder eingekehrt und wieder drängt ~es ihn, ihnen durch Worte Luft zu machen. (Schiaas folgt). Ueber Sch’ma und ברוך שם 1. Das Sch’ma, die jüdische oonfessio, enthält einen ebenso allbekannten, wie wichtigen Satz, und doch scheint das genaue Verständniss desselben noch nicht festgestellt oder doch nicht durchgängig verbreitet zu sein. Ich denke dabei nicht an die traditionelle Auffassung, sondern an die in Büchern und Schulen übliche Uebersetzung. Diese lautet ge¬ *) Man vergl. den einzigen Brief an Mecklenburg p. 647. **) p. 621. 629. 636. 643. 65». 658. 673 u. a. w. wöhnlich; ״Der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig*. Sie muss lauten: ״Der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig“. Nicht blos die eine Lehre: ״Gott ist einzig* soll hier zam Ausdruck kommen, sondern auch: ״der Ewige (Jehovah) ist unser Gott;* beide Lehren sind dem Judenthum characteristisoh. Nicht bilden die drei Wörter -ד.' אלהיט ך das Subjeot zu Töt, sondern zu ה' אלהיט wie zu זל אחד ist jedes Mal die Copnla ״ist“' zu ergänzen, so dass hier zwei Sätze zam Ausdruck kommen, der eine über die wahre Gotteserkenntniss, der andere über den Monotheismus. Die Lehre: ,ה ist Gott fasst ebenso sehr auf historischer Entwickelung der jüdischen Gotteserkenntniss, als auf biblischer Offenbarung. Moses erkennt schon vor der sinaitischen Offenbarung den höheren Begriff von 71 im Gegensatz zu שדי; dies gilt als Bezeichnung der überwundenen Stufe früherer, patriarchalischer Gotteserkenntniss (Exod 6,3). Die Deutung des Gottesnamens und Gottesbegriffs durch אהיה אשר אהיה ist nicht minder ein neues Moment höherer jüdischer Gotteserkenntniss, und derselbe Gedanke liegt auch dem Offenbarungsaus8pruche des Dekalogs אלהיך TI אנכי zu Grunde; auch hier im אנכי, wie im אהיה, wird Gott über die blos begriffliche Erkenntniss erhoben und als persönliche Existenz aufgefasst, nur dass ausserdem durch אלהיי־ im Dekalog Gottes Waltung und in dividuelle Providenz mit zum Ausdruck gebracht ist. הי der jüdische Gottesname und Gottesbegriff, steht also im vollständigen Gegensätze zu den Göttern der Völker. Gott (הי) ist das ewige Wesen, der ewig Seiende, (ens), der Unbestimmbare (אהיה אשר אהיה), der aber wohl in seinem wirklichen Dasein Erkennbare, der Schöpfer und Herr der Welt, der mit Allmacht und Weisheit Alles in’s Dasein riet, und der in Liebe und Gerechtigkeit überall vorsorgende und waltende Gott ist, das ist jüdische Lehre, jüdische Dogmatik. Im Gegensatz dazu stehen die Götter der Heiden, die nichtig sind, die kein wirkliches, sondern nur ein Schein-Dasein haben wie alles Geschaffene, das erst in’s Dasein gerufen wird und wieder aus demselben verschwindet; Götter mit thierischen und menschlichen Gestalten, Eigen- und Leidenschaften, die wie die Thiere und Menschen blutdürstig und rachsüchtig sind. ה' אלהעו heisst also und schliesst das Bekenntniss ein: Dieser ewige Gott der Liebe ist unser Gott. Dieses Bekenntniss war zu allen Zeiten für Israel characteristisoh und muss es bleiben. Auch in Eliah’s Zeiten ruft Israel den Baalspriestern gegenüber ה־ הוא האלהים. Hieran reiht sich die zweite Lehre הי אחד. Auch die Einigkeit ist ein Grundzug des jüdischen Gottesbegrifft; er folgt aus der Ewigkeit Gottes. Gott, der von Anfang an war, ehe etwas geschaffen worden, durch den selbst Alles erst in’s Dasein gerufen worden ist, kann nur der Eine sein. Der jüdische Gottesbegriff muss monotheistisch sein. Dem polytheistischen Heidenthum widerspricht diese Lehre, nicht aber der Wissenschaft. Die Lehre von der Monas oder UrzeOe drückt denselben Gedanken nur materialistisch aus. Auch im Dekalog ist die Lehre vom Monotheismus ausgesprochen, nämlich im ersten Gebot die Lehre : ״Der Ewige ist Gott“ und im zweiten: ״Es giebt keinen anderen Gott“. Das Tetragramm (Ihwh) bildet selbstredend keinen Eigennamen für Gott, etwa in dem Sinne eines jüdischen Nationalgottes, sondern drückt eben den Begriff des ewigen Seins aus, ist also nicht Eigenname sondern Begriffsbezeichnnng. Mag die ursprüngliche Anssprache desselben Jahn, Ju oder ähnlich an den allgemeinen übliohen Gottesnamen der Heiden anklingen, wie Ju-piter, Dzu oder ■״י■ L::r

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