Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 22. (2.6.1883)
- Date
- 1883-06-02
- Page
- Seite 87 (sequence 4)
- Language
- German
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ייממן^וייייי״יייז״ד יי*ו — 87 Juden keine Ursache zu Klagen. Unter dem 3( hutze Hollands zählte die Gemeinde bald vermögend^ nnd einflussreiche Mitglieder. 1669 kamen Ezekiel Rabbi (von Aleppo) und bald darauf David Rabbjf und Jehaia Pinto, von Bagdad Schalom Cohen und von Smyrna Isaao Aleguah nach Cochin. 1676, als Gilmer Yosberg Gouverneur war, verheiratheten sich in (Bochin vier Kaufleute aus Amsterdam: Moses Pereira von Pava, Jacob Hargues, Abraham Burt und Isaak Mocat. Sie berichteten an ihre Freunde in Amsterdam Njäheres über die jüdisohe Gemeinde in Cochin, Hessen von dort Gebetbücher, einige Exemplare des Schplchan Aruch und 4 Gesetzrollen kommen. Dies wir der Anfang einer fortlaufenden Correspondenz zwischen den Gemeinden von Amsterdam und Cochip und bedeutender geschäftlicher Beziehungen zwischen den Angehörigen Beider. (Fortsetzung fo%t). - [ Litteraturbericht. Recensionen. Homadrich, (המדריך) eine methodische Zusammen- Stellung von Mischna- und Gemaratexten aus den verschiedenen Talmudtraktaten für den ersten Unterricht im Talmud, zur Einführung in das Talmudstudium. 2 Hefte. Von den Brüdern Abraham Singer, Rabbiner in Palota und Benjamin Singer. Pressburg 1881. Im Selbstverläge der Verfasser.! Das Talmudstudium erfordert heute eihe viel geschicktere Anordnung als dies in früheren Zeiten nöthig war. Dasselbe setzt gar viele Kenntnisse des biblischen Schriftthums voraus, eine Vertrautheit mit den Sitten und Anschauungen der Alten, besonders mit der Art der Herleitungen und Schlussfolgerungen — mit einem Worte eine reifere, entwickeltere geistige Ausbildung, die selten bei unserer Schuljugenl angetroffen wird. Und doch 8011 dieselbe auch in das Studium des Talmuds, dieses Grundschriftthums unserer Religion, eingeführt werden. Soll dies gelingen, so muss der erste Unterricht in demselben nach methodischen Grundsätzen, nach geschickter Auswahl der Talmudstücke vor sich gehen. Der Rabbiner Herr Abraham Singer und dessen Bruder haben uns die Mittel und Wege hierzu angegeben. Eine herrliche Zusammenstellung der für den ersten Unter ■icht im Talmud passenden Texte aus der Misohna und der eichtem uns. \or Gemara, begleitet von einem kurzen, m hebräisch geschriebenen Commentar liegt Die Auswahl ist gut getroffen, denn die Stü3ke enthalten reoht sinnreiche und anziehende Lehren, Sprüche Gesetzeserläuterungen u. A. m., 80 dass di9 Jugend auch hier von Stufe zu Stufe, von leichten zu s< hwerem Sätzen aufsteigen lernt. Solche Arbeiten zur Popularisirung des Talmud sind in unseren Tagen um so willkommener, je mehr von Aussen her der Tämud als ein Sammelwerk der greulichsten Lehren ve: schrieen wird. Mögen vor allem die Unsrigen, unsere Juden selbst, sich mit der Kenntniss des talmudischei 1 Schriftthums vertrauter machen, das ist das beste Mittel, tun nicht in dem Kampfe gegen unsere Gegner Bchmählich zu unterliegen und eine Beute iirer Machinationen zu werden. ״Da liegt das Buch, ül»erzeuget euch, ob in diesem Grundbuch unserer Religic n Feindliches gegen unsere Nebenmenschen gelehr wird!“ Nicht an die christlichen Mitbürger ergeht d eser Ruf, sondern an uns selbst, an unsre Juden, ven denen viele erst durch die Christen — freilich in un iebsamer Weise — an den Talmud erinnert wurden. ־Wir würden den Herren rathen, die betr. Artikel in der ״Hamburger’sohen Real-Encyclopaedi•*, Abtheilang^ n zu lesen, aber noch aindringlieher ist unsere Mahnung zur Anschaffung dieser talmudischen Chrestomatie für unsere Jugend, um diese wieder der Quelle zuzuführen, ־ wo das Wasser des Lebens so frisch und lebendig rieselt. Die Verfasser geben im ersten Bande die Talmudstellen über Religion und Cultas; im zweiten folgen die von den Gesetzen and Pflichten des Menschen gegen Menschen u. A. m. Wir bitten die Gebrüder Singer, in ihrem Vorhaben fortzufahren, nnd an die Eltern gebt unsere Mahnung, diesen ״Homadrich* für ihre Kinder zum ״Führer durch das weite Gebiet des Talmud“ arizuschaffen. R. Erklärung. Aus Litteratur-Blatt No. 20 erfahre ich, dass die ״Deutsche Reichspost“ gegen meinen Artikel ״Spinoza“ in Bräll’s Monatsbl. sich ansspricht; sie betont nach altgewohnter Anschauung, dass Spinoza ans jüdischem Fanatismus verfolgt worden sei. Der Correspondent d. Bl. fügt demnaoh die Bemerkung hinzu, dass jüdische Schriftsteller sich der Vorsicht nnd Akribie befleissigen sollen, um unseren Gegnern keine Veranlassung zn Missdeutungen zu geben. Wir haben die Rechtfertigung über nnsere abweichende Ansicht bereits früher gegeben in unserer Schrift: ״Spinoza. Zur Rechtfertigung seiner Philosophie nnd Zeit, Leipzig, Erich Koscimy 187?;“ (jetzt Heidelberg, Georg Weiss, in dessen Hände der K’sche Verlag übergegangen ist). Ausser Spinoza wurde auch damals Descartes (Cartesius) wegen seiner freisinnigen Philosophie von der Kirche verfolgt nnd zum Widerrufe veranlasst, den Spinoza freilich, verweigerte. Auch die Verfolgung des freisinnigen Mjaimonides in früheren Jahrhunderten wurde von deil Kirche betrieben. Dass es nicht auch Dunkelmänner in Israel gebe, wollen wir nicht leugnen, aber fanatische Verfolgung kam nicht vor. Bekannt ist auch, dass selbst Jesüs nicht von den Juden verfolgt wurde. Und wenn die ״Deutsche Reichspost“ von Geschieht«- fäl^chang unsererseits spricht, so beweisen gerade die neueren Forschungen über die Acten Jesa christlicherseits, dass die Kirche die Geschichte and Entwiokelang des freien Denkens za Ungnnsten der Jaden gefälscht hat. Indess gedenken wir der ״Deutschen Reichspost“ sobald uns die betreffende Nafnmer zugekommen sein wird, an einer anderen Stelle zn begegnen. Dr. Rothschild. Notizeil. 1. Zu der Frage ob nach Jüdischem Eherecht der Unheilbare Wahnsinn als ein Ehescheidungsgrand gelte, ist in No. 20 des Litteraturblattes ein verneinendes Urtheil de» k. Oberlandesgerichts Bamberg vom 23. Mai 1881 abgedrackfc'. Dieses Urtheil ist jedoch bei der Revision durch׳ den k. obersten Gerichtshof zu München vernichtet und die Frage somit in letzter Instanz hejaht worden. Letztgenanntes Urtheil ist schon vor Jahresfrist in den ״Blättern für Reohtsanwendung“ (herausgegeben vom Senatepräsidenten Herrn von Hettich) Band 47, Seite 138 ff. _veröffentlicht worden und. hat. wie ich höre , seitdem bei bayerischen Gerichten schon mehrfach Anwendung gefunden. Der Umstand, dass bei Wahnsinn eines Mannes die Uebergäbe eines גט vollständig ausgeschlossen ist, wird in dem Urtheil der höchsten Tnatenz un Hinblick auf § 47 dee Civilstandgesetzes (״Wenn nach dem bisherigen Rechte auf beständige Trennung der Ehegatten von Tiach und Bett za erkennen sein würde, ist fortan die Auflösung des Bandes der Ehe aassasprechen“) als irrelevant bezeichnet. Ein Urtheil nach jüdischem Eherecht, wonach die Ueber gäbe des CJ irrelevant ist. "7J,