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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-06-02 · No. 22. (2.6.1883) · p. Seite 86

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 22. (2.6.1883)
Date
1883-06-02
Page
Seite 86 (sequence 3)
Language
German
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86 ־-L . I /״. ™ Jemand eine Bemerkumz gegen •inen der hervorragenden MUpner dar lNLh«V«1 Janrhnnderte macht, den 4r gaa■ basoadarti’ hoctihäli, oder Eins* denjenigm. in Sühnt■ nimmf^ gggen den er «inen Widjwwillen ge£eart hat. Konnte er doch einmal' in gereister Stimmung an Bappoport schreiben: ״Von dem Tage an, da Du in Deinen Briefen eine Lanze für Ihn Eera~za brechen begonnen, hab% ich in meinem Herzen gedacht: Wer um nicht rechtschaffene Menschen ein Wort־ einlegt, wenn er selbst ein einsichtsvoller and kein thörichter Mann, so ist schwer anzunehmen, sein eigenes Herz rechtschaffen sei, nur wollte ich, da ich zur Liebe and zur günstigen Beurtheilang nage, mich darauf nicht stützen“. *) Nor solche Eigenart konnte ee dahin bringen, dass ein von der glähendsten Liebe zam überlieferten Judenthum erfüllte and strenggläubige Mann, wie Lazzatto es war, sich die heftigsten Angriffe selbst von denen zazieheh konnte, die diese Gesinnung and Gläubigkeit mit ihm theilten. So seltsam es aach klingen mag, gerade sein Eifer, ich möchte sagen sein Uebereifer für «das reine, ursprüngliche, durch keine äasseren Einwirkungen, durch keine . fremden Einflüsse irgendwie in seiner Eigenartigkeit zu beeinträchtigende Juden thum brachte ihn mit denen׳ in Conflikt, welche ganz denselben Standpunkt vertraten. Wie war dieses möglich? Nun, die Beligionsphilosophen des Mittelalters hatten die griechische Philosophie zur tieferen Begründung der jüdischen Glaubenslehre herangezogen, und Mainonides hatte sogar den ersten Traktat seines ״ berühmten Beligionscodex und seinen Mischnahcommentar von deren Einfluss nicht ganz frei gehalten. Das konnte ihm Lazzatto, bei aller Hochachtung vor diesem gewaltigen Geiste nicht verzeihen, nun schrieb er gegen ihn eine Abhandlung, die, da sie gegen den mit liecht gefeiertesten Mann des jüdischen Mittelalters gerichtet war, auf allen Seiten viel böses Blut machte und eine Menge von Gegenschriften hervorrief. Dieser Widerspruch reizte ihn nun noch mehr, den Gegensatz zwischen dem jüdischen und den hellenischen Geist, oder wie er es nannte, Judaismus und Atticismus, auf das Schärfste zu betonen and seinen ganzen Unwillen auf den letzteren in den kräftigsten Worten auazuschütten. In den Atticismus legt er Alles hinein, was sich nur in der Welt für Uebel findet, was ihn gerade besonders aufregt und verbittert, die Vorliebe für äusseren glänzenden Schein, Mangel an Gründlichkeit, Mangel an Uebereinstimmang zwischen Herz and Mund, die Sacht, aus der Herabsetzung Anderer Ehre zu gewinnen, von diesen Atticismus ist natürlich auch der von ihm auf das Glühendste gehasste Ibn Esra angesteckt, von ihm sind auch die meisten seiner Zeitgenossen afficirt; sie nennt er Schüler Ibn Esra’8, die da einen Altar bauen den Gützen Griechenlands und Ismaels, während er sich berufen fühlt, das sinkende Zelt dee Judaismus oder auch der Wahrheit wieder aufzuriohten und einen Altar dem wahren Gotte Israels za bauen, darum auf den Wegen von $psohi un^׳ Basohbäitn wandeln wolle, «nli^1eq>־die Wjj|e der Propheten und der grossen israelitischen Weven gewesen seien.*) Darin, meint er ig einem Bliefe an Leopold Löw, läge aach der Unterschied zwisohen seiner und der Forschung Anderer, bei diesen wäre die Kritik von Anssen her importirt worden, darum kennen sie keine Grenze and stürmen an gegen die• Grundvesten des Jndenthams, bei ihm aber wäre sie von Innen heraus erwachsen und auf Liebe zur Wahrheit gegründet. Darum könnte ihm kein Schaden daraus entstehen und seine Gläubigkeit durch keine Macht der Welt erschüttert werden. *) (Fortsetzung folgt). Die Juden in Indien. ד p. «15. Die Juden in Cochin. (Fortsetzung;. Einige Zeit nachher kamen die Portugiesen auch nach Coohin and Hessen den Jaden dieselbe grausame und tyrannische Behandlung zu Theil werden, welche sie aus Cranganor vertrieben hatte. Aaszugehen und mit den Eingeborenen zu handeln, wurde ihnen verboten, Zuwiderhandlungen mit Schlägen and Conflscation aller Habe bestraft. Die UnglüokUchen mussten schweigend bis 1662, — die Ankunft der Holländer, — dulden. Die weissen Juden empfingen diese mit offenen Armen, standen ihnen bei und verschafften ihnen Proviant, in der Hoffnung, die Portugiesen für immer aus Cochin za verdrängen. Die Holländer konnten sich jedoch nicht halten und die Portugiesen kamen wieder. Die schwarzen Juden, welche stets zu den Portugiesen gehalten hatten, denuncirten die weissen wegen ihrer Sympatliieen für die Holländer. Unter Anderem gaben sie auch an, dass in der Synagoge der Weissen ein Bach ״Sepher Hajaschar“ sich befände, welches einen Bericht über die Verurtheilung Christi enthalte. In Wahrheit war es die Genealogie der weissen Juden und enthielt die Beläge für die Abstammung der schwarzen von Bekehrten und der Mischmenge des Erew Raw. Dieses Zengniss ihrer niederen Herkunft gedachten sie damit zu beseitigen. Die Portugiesen hatten nur auf die Gelegenheit gelauert, um sich auf die weissen Juden zu stürzen. In der Nacht zündeten sie die Synagoge und deren Nachbarhäuser an, plünderten alle Wohnungen, mordeten was sie antrafen ohne Schonung. Mittellos waren die meisten Ueberlebenden entflohen, die am Orte GebUebenen hielten sich versteckt, jeden AugenbHck ein neues Gemetzel fürchtend, da ihre Erbfeinde, die schwarzen Juden, mit den Portugiesen vereint bUeben. Glücklicherweise vertrieben die Holländer unter dem Admiral Van Goverst am 8. Januar 1663 die Portugiesen. Die Sieger vergalten den weissen Juden, welche am ihretwillen soviel geUtten, indem sie ihnen beistanden und die schwarzen Juden zwangen, den angerichteten Schaden zu ersetzen.' Auf ihre Kosten wurden bis 1668 die Synagoge und die verbrannten Häuser wiedererbaut. Ein Festtag .wurde angeordnet, am Gott für die Erlösung von den alten Feinden, den Portugiesen und den schwarzen Juden zu danken und für das Wohl der holländischen Begierang wie des Baja von Cochin zu beten.***) Seitdem hatten die ף p. 700. 713. 738. 744 u. A. •*) p. 698. ***) Rabbiner war dama.!« Hyrnn Bellaüa.

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