Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 21. (26.5.1883)
- Date
- 1883-05-26
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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so einem guten Einvernehmen zurückkehrt. *) Ebenso natürlich ist ee unter diesen Umständen, dass in seiner Gunst oder Ungunst die Personen oft die Bolle wechseln, dass diejenigen, die ihn früher angesogen, jetst abstossen, und jene, denen er damals seine Abneägung ollen geseigt, ihm jetzt wieder sympathisch geworden sind. In welche Aufregung hatte ihn nicht am Beginne seiner Correspondenz mit Bappoport, wie wir oben gesehen, Jost versetzt, mit welcher tiefen ׳Entrüstung hatte er nicht von ihm gesprochen! Aber die Zeit — allerdings bedurfte es der sieben Jahre — hat ihn schliesslich ־־auch gegen diesen milder gestimmt, Jost kämpfte nicht mehr so scharf gegen das überlieferte Judenthum an und Luzzatto konnte deshalb leichter zur Erkenntnis» kommen, .dass er in anderer Hinsicht auch zum Segen für dasselbe gewirkt habe. Genug — im Jahre 1837 ist er mit ihm im Geiste schon soweit versöhnt, dass er neben einigen anderen deutsohen Gelehrten auch ihm seine Photographie durch Jacob Auerbach in Wien übermittelt, **) und im Jahre 1839 hat sich bereits eine allerdings von Jost eröffnet« recht lebhafte litterarische Correspondenz zwischen beiden Männern entwickelt. (Fortsetzung folgt). — Die Juden in Indien.***) Oie Jaden in C'ochin. Seit langer Zeit sind die Juden Cocinns in. zwei Klassen getheilt, welche unter dem Namen ״weiese und schwarze Jeden“ bekannt sind. Das vorher erzählte hat über die Herkunft der ״weissen Juden* berichtet. Die ״schwarzen Juden* nennen sich Nachkommen von aus Jerusalem zur Zeit ־des Königs Chiskija Ausgewanderten, sonach wären sie die ersten iüd. Ansiedler in Indien. Ihre Farbe wäre nach ihrer Behauptung durchaus weiss gewesen und nur die tropische Sonne hätte in. Jahrhunderte währender Wirkung die Schwärzung bewirkt. Freilich das ist wenig wahrscheinlich und durch nichts glaubwürdig fexnacht. Jetzt sind sie ebenso schwarz׳ wie die Gndus der ‘niedrigsten Kasten, wählend eine alte Familie von ״weissen Juden*, die Aschkenasi in Cranganor und Cochin, welche 39 Geschlechter in ihrem Stammbaume zählt (das wären 1070 Jahre! Ob’s wahr ist? Bed.) die weisse Haut der Voreltern unverändert bewahrt. Viel eher ist anzunehmen, dass die ״schwarzen Juden“ Abkömmlinge von Sklaven sind, welche den Juden gehört haben, denn Chiran Perramull hatte diesen erlaubt, aus 5 Kasten Neophyten anzunehmen. Diese Sklaven waren Juden und rm Gesetze unterrichtet worden. Man nannte sie לכדים, Sklaven. Nach dem Tode des Urenkels von Joseph Babban war gar nicht mehr mit ihnen auszukommen, obschon nach den Landesgesetzen .sie ohne ausdrückliche Erlaubniss ihrer Herrn Nichts unternehmen durften.. Joseph Hazhar, ein Crösus jener Zeit, dessen Ahnherr aus Jerusalem stammte, hatte eine grosse Anzahl solcher männlicher und weiblicher Sklaven, für welche er in Cranganor eine besondere Synagoge erbauen liess! Da sie immer zahlreicher *) Briete an Letteri», bes. p. 358. 384. 370. 377. 401. 502. ׳יי) p. 398. - ' Fortsetzung ans ״Wochenschrift“ No. 32—33. ' wurden, während die ״weissen Juden* in Folge der beständigen Weohselheirathen sich verminderten, hielt Joseph es für angebracht, sie von der Hauptgemeinde abzusondem. Sobald aber die Sklaven und anderen Proselyten die eigene Synagoge hatten, verlangten Sie von Joseph das Connbiuum, d. h. das Beoht, ihre Kinder, mit denen der ״weissen Juden* zu verheirathen. Joseph schlug es ihnen ab und bediente sioh dazu folgenden sophistischen Schlusses: ״Obschon ihr“, — sagte er — ״mit uns den einen, wahren Gott anbetet, waren d<S6h Eure Vorfahren Götzendiener und die Bibel gebietet ausdrücklich: Du darst für Deinen Sohn mchteine Frau nehmen von den Töchtern Kanaans“ J§ir empfahl ihnen dagegen mehr Unterwürfigkeit unter ihre Herren, die sie mit Wohlthaten überhäuft hätten. Das goss natürlich Oel in’8 Feuer und entflammte besonders einen grimmigen Hass gegen Joseph׳ Hazhar, der, um den Mordplänen der Sklaven aüszuweichen, Cranganor verliess und sich in Cochin niederliejss. Ausser den Sklaven gehört zu den schwarzen Juden der Erew Baw ״das Gesindel“, so Personen, welche wägen Irreligiosität ausgestossen waren, zurückgekehrte Abtrünnige, illegitime Kinder, Ehegatten una Nachkommen solcher Personen. Die Streitigkeiten zwischen beiden Klassen wurden so heftig, dass fast 5000 Menschen dadurch das Leben verloren. Endlich legte sich der Bajah von Cranganor in’8 Mittel und vertrieb die schwarzen Juden aus seinem Gebiete, denn ihre Streitigkeiten hatten ihn in einen Krieg mit einem Nacnbarrajah verwickelt. Das geschah 1344. Die Vertriebenen kamen nach Cochin, wo sie ein jetzt in Buinen liegendes Gotteshaus errichteten. 1401 legten sie das Fundament zu einer Synagoge, deren Weiterbau der Bajah von Cochin verbot. Erst 300 Jahre später, als unter dem Schutze der Holländer die weissen Juden sich in Cochin niederliessen, vollendeten David Kuschthiel und Baruch Levi den Bau und gaben ihn den schwarzen Juden! Die weissen Juden Cranganor’s lebten seit der Vertreibung der schwarzen ohne Klage bis zur Einnähme der Stadt durch die Portugiesen. Diese plünderten, misshandelten die Juden, machten ihnen den Fortbetrieb ihrer Gewerbe unmöglich, sodass diese lieber Cranganor nach 1450 jährigen Aufenthalte nach der traditionellen Angabe verliessen. Sie mussten viel umherirren, weil die Portugiesen sie immer wieder von ihren Niederlassungen austrieben. Endlich fanden einige ein Asyl in Goa, in dem Gebiete eines einheimischen Königs, die Mehrzahl jedoch in Cochin 1568. Admin, der Bajah von Cochin, war ihnen wohlgesinnt, gab ihnen einen Bauplatz für eine Synagoge und für Wohnhäuser in der Nähe des königl. Palastes Zu Häuptern der Gemeinde ernannte er Samuel Kuschthiel, David Bellalia, Ephraim Salah (deren Vorfahren Jerusalemitaner waren) und den Babbiner Joseph Halevy (dessen Ahnen aus Deutschland stammten) mit den malabarischen Titel Modsly Wail. Eine reiche kinderlose Frau, Esther, die von einem türkischen Einwanderer abstammte, liess die Synagoge auf ihre Kosten bauen. Der Bau zog sich in die Länge, weil die fast 50Q Familien starken schwarzen Juden die Arbeiten hinderten, oft in der Nacht das Erbaute niederrissen, um so die etwa 40 Familien zählenden weissen Juden zu zwingen, sich mit ihnen zu einer Gemeinde zu vereinigen. (Fortsetzung folgt).