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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-05-26 · No. 21. (26.5.1883) · p. Seite 83

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 21. (26.5.1883)
Date
1883-05-26
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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Litteraturbericht. Recensionen. Prof. Kürschner’» ״Deutsche Natlonallitteratur“ und ״die Juden“. Diese Ausgabe wird als eine histor isch-kritische bezeichnet, die hervorragende Gelehrte zu ihren Mitarbeitern zählt. Der Umschlag jedes einzelnen Heftes enthält unter der Rubrik ״Signale aus der literarischen "Welt“ Notizen verschiedenen litterarischen Inhalts. So finden wir unter den ״ Signalen “ des 26. Heftes folgende Abfertigung seitens des Herausgebers: ״Joseph H in W. fühlt sich duich Boxberger’s Vorrede zu Leasings ״Juden“ beleidjigt. Der Herausgeber kann nicht ernstlich genug darauf hinweisen, dass es seinen Unternehmen gänzfich fern steht, die Parteizänkereien und religiösen j Streitigkeiten, welche die Gegenwart bewegen, in sein Werk eindringen zu lassen. (Eigenthümlicherwedse zählt aber auch der ber . . . Henrici zu den Mitajrbeitem). Er meint, daäs weder die Schätze unserer nationalen Litteratur, noch auch die Wissenschaft, die i sich mit ihnen beschäftigt, mit jenen etwas zu thunjhat. So hat denn auch die Vorrede zu den ״Jaden“ auf ihn keinen anderen als einen objectiven (!) Eindruck gemacht und nur Bosheit (?) und Mangel ap Objectivität (?) kann ihr etwas anderes unterlegen; als was sie thatsächlich giebt: ein unbefangenes (?) Urtheil und belegte (?) Thatsachen*. Was sagt denn!nun Boxberger in seiner Einleitung: ״Das kleine Lustspiel ״die Juden “ ist erstens von litterarischem Interesse, weil es die erste der Lessing'schen ״Rettungen“, für diesmal in dramatischer Form ist, d. h. er nimmt sich einer nach seiner Meinung mit einem ungerechten Vorurtheil gebrandmarkten Partei an, nach seinem Grundsätze: ״Auf den alle zuschlagen, der hat vor mir Friede“; und zweitens als jugendlicher Vorläufer des ״Nathan“. — Man erkennt hieraus schop deutlich genug die ״objective“ Denkweise des Herrn Boxberger, dennuass es ein ״ungerechtes“ Vorurtheil sei, mit dem die Juden gebrandmarkt würden, wird ausdrücklich als eine in dem Hirn Lessings spuckende Idee dargestellt. Nun weiter: ״Da nun aber die ungerecht verfolgte Pariei hier ein ganzer Volksstamm ist, so kann es ihm freilich nicht einfallen, alle Glieder derselben in Schutz zu nehmen. Er (Lessing) wusste recht wohl, dass Juden, zwar nicht gerade Räuber und Mörder (welcher Confession gehören denn diese an? Red), aber Hehler gestohlenen und geraubten Gutes gewesen waren and mit Räubern und! Mördern, die sich durch Friedrichs des Grossen schlesische Kriege in Deutschland bedeutend vermehrt hatten, unehrliche Geschäfte betrieben hattep. Lessing fordert nur, dass ein solches Vorurtheil picht von Einzelnen, die es verdienen, auf die ganze Nation, die es als solche nioht verdient, übertragen werde. Lessmg wollte also ״nur“ — meint Herr B. — eine Lanze für diejenigen Juden, die ungerechten Vorurtheilen ausgesetzt waren, einlegen; da er wohl gewusst habe, dass ״Juden“ zur Zeit des!7jährigen Krieges Hehler gestohlenen und geraubten Gutes gewesen. Ja, dann wusste Lessing ebensowohl, dass uir diese die Gesammtheit nicht verantwortlich gemacht werden kann, ebensowenig wie wir die gesammte Christenheit fux ״Räuber und Mörder“, die uns B. in dankenswerther Weise nicht an die Rockschösse hängt, verantwortlich machen — Der Herr Joseph H. in W. hatte also ziemlich guten Grund, sich durch diese B.’sche beschränkende und beschränkt» Darstellung der dem Stücke ״die Juden* zu Grunde liegenden Lessing’schen Idee verletzt zu fühlen, sowohl um Lessing’s als um der Juden willen. מבוא לפרשת כללם von David Kohn in Odessa. Lemberg 1882. (Druck von Anna Wajdowicz) 16 S. 8*. Lachend äusserte der Referent beim Lesen dieser Broschüre: ״Das ist lustig — Moses als Verfasser von politisch - satyrischen Flugschriften“. Um so grösser war die Ueberraschung, als S. 13 Herr Kohn diesen Ulk' mit ernstester Miene als seiner Forschung Resultat urbi et orbi verkündet: Moses ist der Schöpfer dieser Litteraturgattung. Es ist schade nm das reiche Wissen, die immense Belesenheit, die scharfe Kritik, denn es fehlt das Salz, —der historische Sinn! Was für unser löschpapiemes Jahrhundert richtig wäre, ist eine Ironie für die Zeiten Mose’s. ראש פתנים von David Kohn. Petersburg 1883. Die Schicksale von Eisenmengers berüchtigtem Buche werden in dieser 12 Seiten starken Broschüre einfach und schlicht erzählt. Als Artikel im ״Hamelia* hat sich die Erzählung ganz hübsch gelesen; für einen Sonderabdruck ist sie vielleicht etwas zu sohliaht. Lewiik Zur Recension des Back’schen gedruckten Vorträges über Menasse ben Israel (in vor. No.) sendet uns Herr Dr. Back folgende Berichtigung: Dass von mir für die erste Niederlassung der Juden in Amsterdam gegebene Datum des 22. April 1593 ist durch Grätz Gesch d. J. IX. Note 10 aus einem ihm von Carmoly geliehenen Manuscript dass Dawid Franco Mendez pach Phobns Uri bis zur Evidenz erhärtet. Dieselbe Quelle hat auch das von mir für die Erbauung des Beth Jakob Tempels angegebene Datum 1597, wodurch das diesem Datum vom Herrn Recensenten angehängte Fragezeichen seine Antwort findet. Den Newe-Schalom- Tempel lässt auch Gräte» Gesch. d. J. -IX. S. 523, 1610 erbauen. (Die Angabe des Herrn Recensenten, dass Grätz ihn 1608 erbauen lässt, ist wohl nur ein Versehen des Herrn M. Sp.) Mose Uri aus Emden, den ich S. 9 wohl nenne, war nicht — wie der Herr Recensent meint — Rabbiner; er verrichtete mit seinem Sohne Aron nur die Vorbeterdienste. So figurirt er auoh nicht in einem von Sommerhausen angelegten Verzeiohnise sämmtlicher portugiesischen Rabbinen Amsterdams, abgedruckt in Frankels Monatsschrift 1853, S. 159. Er müsste denn unter ״Moses ben Aroyo^ gemeint sein, dann stünde aber auch ״Halewi“ wie es bei Saul Morteira daselbst steht. Auch Grätz lässt ihn blos .Vorbeter sein. Die Angabe des Herrn Recensenten, dass die Bannbulle gegen Spinozza von Saal Morteira und Isak Abvab unterzeichnet sei, rührt nicht von mir her. Ich sagte blos, dass der Bann von ihnen ausgegangen sei; unterzeichnet ist die Bulle überhaupt von Keinem. Notizen. 1. Gelegentlich mochte ich mir eine Bemerkung gestatten, und zwar mit Bezug auf die in einer früheren Nummer der Isr. Wochenschrift“ gebrachte Erklärung Paul Cassels (dass ״ הכלTraurender“ bedeute), dass dieser Irrthum bereits einen Vorgänger in Herder gehabt, dem Cassel vielleicht gefolgt ist. M. ScherbeI, Prediger in Gumbinnen.

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