Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 21. (26.5.1883)
- Date
- 1883-05-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei Bt) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Ingerate werden mit - n der Expedition dieses Blattes sowie durch die Central-Annoncen-Expeditian f> Berlin, Cöln, Hamburg, München, Zürich, Wien, Paris befördert. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Rappoport und Luzzitto. III. Von Rabbiner Dr. S. Oronemann. — Die Juden in Indien. Fortsetzung. L itteraturbericbte. Professor Kürschner’a ״Deutsdie Nationallitteratur“ und ״die Juden“. — מבוא ל!!"״שת בלעם« Von David Hohn in Odessa. — ראש פתנים. on David Kohn. — Zur Recension des Back’schen gedruckten Vorträges über Menasse ben Israel etc. i Notizen. — Inserate. — Briefkasten. Rappoport und Luzzatto. m. Von Rabbiner Dr. S. Gronemann. In kurzen Zwischenräumen sind den erstem beiden von uns früher *) besprochenen Heften der von Herrn E. Gräber heransgegebenen litterarischen Correspondenz Luzzatto’s die drei Schlusshefte — dass dieses auch schon seine letzten wissenschaftlichen Briefe sein sollten, können wir nicht annehmen, da sie nur bis zum Jahre 1841 reichen — gefolgt, denen das wohlgetroffene Bild des grossen Gelehrten als sehr dankenswerthe Zugabe beigefugt ist. Mit den zunehmenden Jahren erweitern sich natürlich auch Luzzatto’s literarische Beziehungen und das in den Briefen niedergelegte wissenschaftliche Material gewinnt dadurch an Mannigfaltigkeit. Wir finden hier in den späteren Heften Briefe an fast alle bekannteren Zeitgenossen, die auf den verschiedensten Gebieten an dem Aufbau der jüdischen Wissenschaft arbeiteten, u. A. auch an Zunz, Dukes, Letteris und jedem weiss er aus den ihm vorliegenden Handschriften etwas mitzutheilen, was in dessen specielles Fach einschlägt, liturgische und weltliche Poesie, Grammatisches, Exegese und Lexikographisches, Historisches und Bibliographisches, wie auch halachische Responsqn. Aber es tritt auch in den späteren Briefen die eigenartige Persönlichkeit des Mannes, die ihn selber zur Bernerkung veranlasste, dass er den Meisten wie ein Traum ohne Deutung, wie ein Räthsel ohne Lösung erscheine**) iu schärferen Umrissen hervor — in ihren grossen Vorzügen sowohl wie in ihren grossen Fehlern. *) Die früheren Artikel cfr. Litter.-Bl. 18H2N0.37.38.50.51.52. **) p. 742. ‘ j. Was wir an Luzzatto zu rühmen haben und zwar als den hervorstechendsten' Zug seines Wesens, das ist seine gerade, rechtliche, grundehrliche Natur; Nie-, mand hatte ein feineres Gefühl als er für alles Unwahre, auf Schein und Täuschung berechnete, an’s Charlatanhafte und an Efteotmacherei Streifende, und an Niemanf fand dies einen strengeren Richter, als , ah ihm. Aber in dieser grossen Tugend lag auch zugleich sein Fehler. Er war in dieser Hinsicht gar zu feinfühlig, pedantisch, rigoros, selbst in kleinlichem unbedeutenden, harmlosen Dingen, nicht blos für seine - Person, sondern auch in Bezug auf Andere, darum auch etwas misstrauisch, wenig nachsichtig und dnldsam, empfindlich und leicht gereizt. Heissblütig, wie er einmal war, brauste er alsbald aufj wo er an einem' Anderen etwas wahrnahm, das nicht ganz mit seinen strengen Grundsätzen übereinstimmte, und er schrieb ihm in der schroffsten und schneidigsten Art, oft in heissenden sarkastischen Worten, seine Meinung, denn bei seiner Liebe zur reinen, ungeschminkten Wahrheit, war er auch ein Feind aller höfischen und - gesellschaftlichen ־Verschönerungs- und Vertuschungskünste, jener landesüblichen Etiquette, (דרך ארץ) die* selbst wenn sie schon unangenehme Wahrheiten sagt, sie erst mit süssen Redensarten überzuckert, über welche er denn auch bei jeder Gelegenheit spottet und auf deren Missachtung er sich viel zu Gute thut. Aber auf der anderen Seite können edlere Naturen nicht dauernd zürnen und grollen; hinterher sieht Luzzatto immer wieder ein, dass er zu hart und schroff gegen den Betreffenden voigegangen, und nun schlägt er den entgegengesetzten, einen recht liebenswürdigen Ton an und fällt in das andere Extrem. Es darf uns bei seinem sanguinischen Temperament durchaus nicht überraschen, wenn er seine Correspondenz mit einem Zeitgenossen damit eröffnet, dass er ihn wie einen Schulknaben abkanzelt^ dann nach einigen Auseinandersetzungen ihn wieder wie einen Freund behandelt, dann wieder einmal aus der Tiefe seines leidenschaftlichen Herzens heraus ihm zuruft: ״ver- ‘; hasst bist Du in meinen Augen, ein Gräuel, und ich; verachte Dich“ und schliesslich' doch wieder mit ihm" :