Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 19. (12.5.1883)
- Date
- 1883-05-12
- Page
- Seite 75 (sequence 3)
- Language
- German
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—,75 — ־»•־״/- So war in Möses Zeiten namentlich nufer den Frauen der Aberglauben an die Zauberei, welathe den reinen Gottesglauben und die wahre Menschenliebe sowie auch die Sittlichkeit beeinträchtigte, sei verbreitet; desshalb gebietet das mosaische Gesetz; ״Eine Zauberin sollst Du nicht leben lassen, nicht djulden“; während später in der Talmudzeit R. Chanina zu einer Hexe sprach: ״Versuche es immerhin mit ,Deiner Zauberei, uns kannst Du nichts schaden, dehn wir glauben /laut unserer Thora, (V. M. 4, 35.) dass ausser dem Ewigen Niemand göttliche Kraft besitzt!“ ()Talmud Synhedrin 67,6). Und in der späteren Gäonäerzeit erklärt sogar R. Samuel ben Chophni, die in der Bibel geschilderte Hexe zu Ain-dor (I. Sam. 28, 7 bijs Ende) geradezu als eine Betrügerin, welche mittelst ihrer Taschenspielerkunst für den König Saul — dessen Lebensgeschicke ihr wohl bekannt waren und! dessen Lebensende im damaligen Kriege sie vorajissetzen konnte — den verstorbenen Propheten Samufel etwa in einem Nebelbilde aus dem Grabe aufsteigen upd duroh bauchrednerisohe Stimmnachahmung auch sprechen liess. (Nach dem neuen Testament (Math. 8, ]30—32) hat Jesus zwei wahnsinnigen Menschen den Teufel ausgetrieben, welcher dann in eine Schweineheerde gefahren sei, die sich in’s Meer stürzte!) Jetzt aber haben auch unter den Mohamedanern. die politischen Verhältnisse sowie der aufgeklärte Geist deren Inhumanität und Fanatismus gemildert; Während hie und da selbst christliche Pfaffen und falscheGeschichtsforscher und Journalisten in unserm aufgeklärten Jahrhundert, ja sogar in unserm deutschen Vaterland, einen ähnlichen Fanatismus gegen das Judenthum wieder anregen möchten! Wir aber vertrauen dem Fortschritte der Zeit, welcher von djer Han<h״ des allmächtigen und allgütigen Vaters geleitet wird (P8. 31, 5 und 6); Wir bekennen uns offen und fest zu der im Judenthum zuerst geoffenbarten Religion der Humanität, wie solche von unsem Propheten als mes8ianisches Ziel verkündigt worden ist, wonach einst in der ganzen Menschheit Gerechtigkeit und Frieden, Liebe und Wohlwollen walten werden! Aus der Chronik der Stadt Meiningen. In der Fasten des Jahres 1349 haben sich viele Juden allhier zu Meiningen, da ohne das derselben viel gewohnt und auch eine eigene Synagog und Kirche, wie auch grosse Kayserliche und Fürstliche Privilegien vieler und grosser Freyheiten von alten Jahren her gehabt, zusammengerottet und gehäuffet und weil sie damals allenthalben und von männlichen durchrichtet gewesen, haben sie am Palm-Sonntage eine Conspiration und Vereinbahrung gemacht, wie sie sich die künfltigen Tage über folgendes verstärken und auff künfftigen Freytag die Christen unter der Passions-Predigt in der Pfärr- und Kloster-Kirchen überfallen, und so viel möglichen, tilgen und dämpfen wolten, :und sich forthin mit allem so sich noch künftig zu ihnen thun möchten, des Orts verwahret und verschlossen, in ermelter ihrer Aechtung und Fehde sicherlich auffhalten und fristen: Haben auch darauft die! vier folgenden Tage über, durch diejenigen, so nocjh täghch von Freunden her sich zu ihnen gethan, sich ziemlich verstärkt und am Char-Freytag frühe, war der 10. Aprilis, ermelte That zu verrichten, gäntzlich vorgenommen, sind aber durch sonderbare Schickung Gottes, auch da sie schon im angehenden Werk gewesen, daran nicht allein gehindert, sondern zum Theil bald selbst erschlagen, die andern gefangen und jämmerlieh hingerichtet worden. Denn als eine i Christen- Magd, so sich etwas verspätet, vom Ober-Ttyor herab, auch zur Kirchen und Passions Predigt gehen wollen, und an die Jüden Kirche, welche an den Ort gestanden, da man es jetzo noch die Capelle nennet, kommen, höret sie ein ziemlich Geräusch bey und unter den Jüden, gehet derowegen hinzu und vernimmt ihre . Anschläge, wie sie sich unterreden, die Christen beydee in der Pfarrals Kloster-Kirchen zu überfallen, läaftt demnach eilends nach der Kirchen, macht ein Geschrey, und offenbaret solches, darauf sind sie so bald, was man hat verstricken können, gefänglich behalten, di» ׳ andern, so die Flucht geben, sind von den Bürgern erschlagen und erlegt worden. Die Gefangenen aber . mit ihrem gantzen Gesind, Weib and Kind, und was sie ihnen angehörig gehabt, sind nochmals von Bischoft Alberto zu Wirtzburg zum Feuer verurtbeilt und nach drei Monaten, nemlich auff den Freytag nach Devisionis Apostolorum, welcher war der 17 Jalii, welcher Tag ohne das den Jüden für einen unglücklichen Tag gehalten wird, allhier unter der Stadt verbrennet worden. Und wie gesagt, dass zwo schöne Jüden-Mägd unter den Häuften gewesen, welche zween Bürgers-Söhne, mit dem Beding, da sie sieb wollten tauften lassen und Christen werden, haben zu Weiber nehmen und ehelichen wollen״, welche aber nicht willigen wollten sondern zum Feuer geeilet and lieber mit ihren Eltern, und Freunden im Feuer sterben, denn Christen werden wollen. Denn 22 Juli 1384, am Tage Mariä Magdalenae, wurde aus Vergünstigung Bischoff Gerharden zn Wirt«- bürg die alte Jüden-Kirche allhier, jetzo die Cäpell genennt, welche nach Vertügüng.der Juden, so Anno 1349 geschehen, in die fünff und dreissig Jahr verschlossen und wüste gelegen, zum Gottes-Hauss erbauet, mit einem Thurm gezieret und an diesem Tag vom Bisehoff Johann zn Ebronni, Baarfüsser Ordens, deswegen er. auch bey seiner Ankunft, den Abtritt bev ihnen genommen, mit sampt dem Kirchhofe und einem Altar in der Ehre des Frohnleichnams unseres HErm CHristi und Mariae M&gd&len&y wiewohl ein ander M. S. S. setzt ein honorem Jesu Christi, Triqm Begum S. Encharii nec non S. Barbarae Viig geweihet nnd mit grossen Ablass jährlich auszatheilen, versehen, laut und vermög der darüber aufgerichteten Ballen. Und daher ist der noch übliche Maria .Magdalenae Markt entstanden. Und ist vorzeiten *dieser Tag Festum indulgentarium geendet worden. Litteraturbericht. Recension. Geschichtliches Handbuch. Chronologische Reihen-' folge der heiligen jüdischen Tradition nebst Anhang über die spätere Entwickelung derselben und einem Schlussworte an Prof. Dr. Rohling. Von Heinrich Ellenberger. Budapest 1883. Des Verfassers Vorliebe für chronologische Zusammen8tellungen bethätigt sich auch in dem vorliegenden Werke,'dessen Zweck darin bestehen soll, ״dass Laien in der Geschichte der Tradition nnd ihrer Entwickelung, deren Zahl leider sehr gross ist nnd von Tag zu Tag immer grösser wird, einige Kennt* niss aas diesen kurz gefassten Blättern sich verschaffen und dann, dass ein oder einige Gelehrte auf diesem' Gebiete veranlasst werden, dieses Thema’s sich zu bemächtigen, es ausführlicher behandeln, nnd etwa eine kurzgedrängte Biographie vieler Tanaiten, Amoräer und Gaonim beifügen“. So weit der Veit