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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-05-12 · No. 19. (12.5.1883) · p. Seite 76

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 19. (12.5.1883)
Date
1883-05-12
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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'Wenn 1rir auch dem hochbetagten Verfasser unsere ־vollste Hochachtung soUen fttr sein unermüdliches Streben, sar Förderang der jüdischen Litteratnr, nicht aWein unter unseren Glaubensgenossen, beizutragen, sondern auch unseren Gegnern eine klare Erkenntniss ־von der Entwickelung unserer Beligionslehre zu versohafien, 80 können wir uns doch nicht verhehlen, dass das obige Buch mit seinem Zahlengewirr und seiner notizenhaften Kürze für den Laien yon zweifeihaftem Werthe ist, der Laie wird sich schwerlich an einem Knochengeru ohne Fleisch delectiren. Anders ist der zweite Punkt mit dem Appell an unsere Ge־ lehrten, lebensvolle — nicht kurzgedrängte — Schilderungen aus der Zeit der hervorragendsten TpAaiten, Amoräer und Gaonim zu entwerfen. (Wir besitzen übrigens bereits ein ähnliches Werk von Dr. Friedländer: ״Geschichtsbilder aus der Zeit der Tanaiten und Amoräer״.) Berücksichtigen wir nun in Kürze den Inhalt erwähnter Schrift. Der Herr Verf. fhedert die Traditionsgeechichte in vier Perioden: ron Moses bis zh den Propheten (1540—1116),® von diesen bis zu den Tanaiten (—424), von letzteren bis zu den Amoräem {—200 n.) und die Amoräer —500. Wir werden mit einer Legion von Namen bekannt Cacht und der genauen Zeitangabe der Wirksamjeder der Tanaim und Amoräer. In einem Anhang werden dann noch die einzelnen Gaonim zu Pumbadilha und zu Sura aufgefuhrt. Die am Schluss sich befindliche Philippica gegen Holding erscheint 1ms in dem ״geschichtlichen Handbuch״ völlig überflüssig. Doch stimmen wir aus vollem Herzen mit den folgenden Worten des ehrwürdigen Herrn Verfassers überein ״ .־Welche Ungerechtigkeit ist es, ftr jedes einzelne Wort, das Einer oder der Andere von diesen vielen Tausenden vor ein paar tausend Jahren gfcsprachen hat, das ganze heutige Judenthum noch verantwortlich zu halten“. M. Sp. Notizen. 1. Im Anschluss an die 80 zutreffende Bemerkung der verehrlichen Bedaction gegen die Ansichtsäusserang des Herrn R.-A. «her ברכת הודאה (Ne. 16—17 des ״Litt.-Bl.) erlaube ich mir folgende Notizen: Die ברכת הולאה ist wesentlich als Danksagung aufsnfkssen. WennHerr R.-A die Frage stellt: Welchen Sinn es denn haben sollte: »Wir danken Dir, dass Du unser Gott bist“ — so antworten wir mit der Gegenfrage: ob es logisch oder grammatisch anfechtbar ist, mit Letteris zu übersetzen: .Wir danken Dir, der Du bist der Ewige unser Gott,“. Mannheimer überträgt : ״Dir danken wir und bekennen, etc.“ Freilich ist der Dank auch ein Bekennt®iss, wie Herr R.-A’ selbst bemerkt, und lediglieh in diesem Sinne überträgt Mannheimer, der in den Anmerkangen zu seinem Gebetbuch הודאה ausdrücklich als ״Dankgebet für alle von Gott empfangenen Lebens- und Seelengüter“ erklärt. Mit Mannheimer stimmt auch Sachs überein. Hefr R.-A. bemerkt, dass im Tischgebet?TTU die Bedeutung ״danken“ habe-, der Grund und die Gegenstände des Dankes seien ja auch dort angegeben. Hierauf entgegnet die verehrlifthe Bedaction sehr zutreffend, dass dasselbe aber auch in dem mittleren Stück von D'TIli der Fall sei. Wir heben nun noch hervor, dass dieses mittlere Stück, mit ,*TTU beginnend, den grössten Theil der ברכת הודאה ausmacht;' und schon das berechtigt, unsere Benediction als Dan kgebet aufzufassen; aber auch der Anfang (מודים) sowie der Schluss (להודות) bedeutet -danken“. . Der Ideengang der ברב!"! הודאה ist sehr einfach: Wir danken dem, der ewiglich unser und unserer Vorfahren Odtt, unser Lebenshort und Heilesschild ist; wir danken ihm, der •ich als solchen Gott, Hort und Schild erweist in dar steten und huldvollen Gewährung 80 zahlreicher Lebens- und Seelengfiter; auf ihn hoffen wir von jeher; ihn lobpreisen wir immerdar; auch Allee was lebt, dankt ihm in Wahrheit. Der Schluss, da* Ganze prägnant zusammenfassend, feiert Gott als den, der «!)gütig und de• Dankes würdig ist. Dm drei letzten Worte der Schlussformel übersetzt Letteris)• Dir allein geziemet Dank; Sachs: Dir ist es schön, dankendes Bekenntaiss abzulegen; Mannheimer: Dir gebührt Dank und Preis. Wie Hesse sich auch im Hinblick auf das, was vorangeht, anders übersetzen! — In entsprechender Weise übersetzt Mannheimer אל ההודאותJ Gott, dem aller Dank gebührt; Letteris (inn^tCT): Der AllTnitr.f1t.igfl, dem Alles dankt; Sachs: Gott, dem Dankeslieder gebühren. In ברכת הודאה soll nach Herrn B.-A. ein Bekenntnis» von Gottes Dasein, Vorsehung und Waltang enthalten sein; wir finden dieses Bekenntnis» aber schon in den 1ersten Benedictionen. Sonach bedarf es wohl nicht mehr des Hinweises auf Parallelstellen zn!TTn in der Bedeutung ״danken“ und auf chaldäische Paraphrasen desselben. Dass Herr R.-A. elienso grundlos von der bisherigen Auflassung des TTIH iu P8. 118 abweicht, lehrt ein aufmerksamer Blick in diesen Psalm. In der vorstehenden Erörterung haben wir gegen die Echtheit des Satzes שאתה הוא וכל geflissentlich nichts vor'gebracht; wir wollten darthun, dass selbst unter Voraussetzung jener Echtheit die Ansicht des Herrn R.-A. bezüglich der בי הודאה widerlegt werden könne. Nun aber rücken wir mit viel schwererem Geschütz vor: wir erweisen, dass der qu. Satz von Hause aus apokryph ist : Es kommt derselbe nämlich in den Hodaah-Formeln der massgebenden beiden Talmude garnicht vor. vide sota 40,1: בזמן שש־־ץ אומר מודים העם מה הם אומרים אמר רב מודים אנחנו לך ד, אל־ על שאנו מודים לך כ־ עד אמר רב פפא הילכך נימרינהו לכודהו.* Cfr. Tosafoth daselbst, die auch die Hodaah-Formeln des Talmud jeruschalmi citiren; Aschen zu Berach. III §20 — in Uebereinstimmung mit Rif zu demselben Perek fol. lf> b. Nirgends findet sich da שאתה הוא■ Orach Chajim 127.1 ist שאתה הוא ד־ wie eine irrige Lesart in Parenthese gesetzt. Vergl. Atereth Sekenim dueelbst “ יאק לומר "שאתה הוא ד־ אל־ וכל Die mehrberegte tahnudische Stelle: מודים אנחנו לך על שאנו מודים לך ist einfach 80 aufzafassen: Wir danken Dii dafür, dass Deine Gnade uns zum Danke berufen. (Es »ei hier auf die Constraction •הודה ל ל mit demselben Nachdruck hingewiesen, wie in den Notizen des Herrn R.-A.) Brandenburg. Kroner. 2. Mich seit einigen Jahren mit derGeschichte unserer Liturgie beschäftigend, hat die viel ventilirte Frage über מעין הברכות mein Interesse schon darum wachgerufen, weil ich der Ueberzeugung bin, dass das אבות zur Zeit der Gaonim vom Cantor allein vorgetragen wurde. Ich schliesse dies aus der Stelle im Manhig ed. Beri. s. 24: ביק ששמע מש׳־צ מגן אבות בדברו שהיא ברכה אחת מעק שבע. - Was mich aber besonders zu dieser Notiz veranlasst, ist der Umstand, dass mir. eine Stelle im צרור החיים bekannt ist, die das •מעק הברכות vorzüglich übersetzt. Schon der Verfasser des ,צייד tadelt die Uebersetzung ״Quelle des Lebens“ im Hamburger Gebetbuch,- indem er eich auf Raschi zu Sukah 4Ba. bezieht, und übersetzt: ״Wir wollen ihm stets, dem Tage gemäss, danken“. Dem schliesct sich auch B. Salomon Geiger in Dibre Kehilloth S. 64 Anmerk. 5 an, indem er fein bemerkt, dass man mit Absicht in .der ברכה מלק ן־ das מעין הברכות angewendet, was לשק נופל^לל לשק sei. Reifmann bemerkt in einem Briefe an Klocki, es hätte heissen sollen מעין ברכתו und schreibt das Stück dem Verfasser des gleichartigen הביננו zu. Schliesslich bringt der Verfasser des לרך תפלה (S. 113) die auch anderwärts ausgesprochene Vermuthung, es habe wohl מעק הברכות, als Eigenschaft Gottes, geheissen, welcher Lesart Klocki sich auch anschliesst. Für mich hat die Stelle im Manhig noch besonder® Werth, weil daselbst hervorgehoben wird .מנהג לאומרו בננק יפה כדי להאריך. Es geschah dies, damit die Späterkommenden inzwischen ihr Gebet verrichten konnten EigenthümUch ist übrigens die Tonweise für לבלו und מי־א in Deutschland, in welcher ich die Neginöth wiedererkenne, was auch jedem nur etwas gesangskundigen Laien klar werden kann, wenn er sich die Melodie ohne Text vorführt. Königsberg L Pr. Ed. Birnbaum, Cantor. Berichtigung. In der Doppelnummer 16/17 muss es in der Recension des Scherbel’schen Buches: ״Ueber Verwandtschaftsehen“ heissen: Dr. Guttstadt (st. Futterstadt). — Der Autor Herr Dr. med. Simon Scher bei in Gumbinnen ist gern bereit, etwaige Anfragen über das von ihm behandelte Thema ■ach bestem Wissen zu beantworten. Verantwortlicher Bedacteur Dr. Rahmer, Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig

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