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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-05-05 · No. 18. (5.5.1883) · p. Seite 70

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 18. (5.5.1883)
Date
1883-05-05
Page
Seite 70 (sequence 2)
Language
German
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Weit entfernt sin(} wfr ayjjpnehmen, dass die Schrift di» £ildapg d»» M»n8cb«n sich yj gp eptwickelter wissenschaftlicher Weise gedacht h!/b; aber die einfache Thatangabe, dass Gott" den Menschen gebildet, ■chliesst sicher nicht aus, dass wir eine natnrgemässe Auffassung nach den wissenschaftlichen Erfahrungen gelten lassen, and sie danach erklären. Abgesehen davon, ob der Process durch die dem Stoff innewohnenden Eigenschaften oder Naturkräfte, oder durch einen schaffenden Gott vor sich gegangen, die Geschichte der Entwickelung oder Bildung ist in beiden Fällen gleichmässig dieselbe, und es widerspricht die biblische Darstellung durchaus nicht den begründeten Erfahrungen der Wissenschaft, wie sie Darwin uns vorfuhrt: ■ Eines ging aus dem andern hervor; die höhere Gattung hat sich aas der niederen entwickelt, oder wurde aus ihr herausgebildet. Für die geschichtliche Entstehung ist es fast nur ein Wortstreit, ob Entwickelung oder Bildung; geschaben ist in jeder Weise ein und dasselbe; es ist nach und nach geworden. (Schloss folgt). Das Judenthum als Mutterreligion der Humanität *) Von Dr. Benjamin Hoc hstäd ter , Bezirksrabbiner aus Bad Ems. r ^Fortsetzung). , Wir kommen nun zu den Beligionsstiftem resp. Religionsverbesserern, welche in diteer merkwürdigen Epoche unter den asiatischen Nationen lebten und wirkten, wohin früher oder zu gleioher Zeit Colonisten der israelitischen und jüdischen a Volksstämme zerstreut worden sind. — Der erste dieser Religions- Stifter war Zoroaster (eigentlich Zerdutsch). Der- ז selbe lebte von 599 bis 522 vor der ehr. Zeit in- Persien, also etwas vor und neben Cyrus, welcher das assyrisch-babylonische Reich eroberte. Abgesehen davon, das laut der Behauptung einiger Geschichteforscher der griechische Philosoph Pythagoras durch die Babylonier von Egypten nach Babylonien gefangen hinweggeführt worden sei und somit Zproaster dessen Bekanntschaft gemacht haben konnte: so ist doch dieser persische Religionsstifter ein Zeitgenosse de» jüdischen Schriftgelehrten Daniel und Mordeehai, Zerubabel und des nachmaligen Hohenpriesters Jesuä gewesen, welche gleichfalls im modisch -persischen Weltreiche lebten und sicherlich Einfluss auf die be- ׳ treffenden Fürsten sowie auch auf Zoroaster gehabt haben. (Vergl. Ester 1,3 u. 8 und 5,14 m. 2,2 u. 3,2 u. 10,2; ferner Dan. 1,21 u. 6,1 u. 2 u. 2 m. Jes. 41,1 u. 44,28 u. 45,1). — Was nun die religiöse Reform Zoroaster’s anbelangt, so trug derselbe unter nachträglicher Mitwirkung des Königs Cyrus mittelst seiner Lehre von einem gütigen Urwesen, das man unter dem Bilde des Feuers gleichsam als Lichtgott (Ormuds אור) verehrte, zur Entfernung des groben Götzendienstes unter den Persern viel bei Dagegen hat seine ■ gleichzeitige Annahme einer bösen Gottheit, welche man als Herrn der Finsterniss (Ahrimann אחר) fürchtete, späterhin zu dem falschen Glauben an einen ersönlichen Teufel (Satan) geführt, woran noch eutzutage selbst civilisirte Beligionsbekenner leiden. Haben ja sogar die nachexilischen Schriften der Bibel *) Vortrag gehalten im Mendelssohn’schen Verein za Frankfort a. M. am 8. März 1803. diefen Namen (Satan) : als Bild des Verführers ynd Verhinderers des Glückes gebraucht (w. z. Beisp/ i. L B. d. Ohr. 2|,1 yergf dag dieselbe Erzählung jm If. B. Sam. 24,1, wo^dafjür (אף יי) das ״Strafgericht Gottes“ des ״Schöpfer(! des Lichtes und der Finsterniss“ erscheint etc. Unsere alten Weisen im Talmnd (B Tr Baba bathra 16a.) behaupten darum mit Recht הוא השטן, הוא יצר הרע, הוא מלאך המורס), dass unter dem Teufel die böse Begierde zu verstehen sei, welche dem Menschen den moralischen Tod bringt“. Dazu vergötterte Zoroaster auch die guten Geister des Lichtes (Amschaspands), woraus sich die Anbetung der sog. Heiligen bis in die Gegenwart entwickelte, und die schädlichen Geister der Finsterniss (Dämonen, eigentlich Dews), die inan fürchtete und ihnen Opfer darbrachte, lauter heidnische Ideen, die sich mit dem reinen Einheitsglauben des wahren biblischen Judenthums nicht wohl vertragen! Wir kommen nun zu den Religions- und Moral- Verbesserern der Chinesen aus jener merkwürdigen Epoche, um dann über den Reformator Buddha, dessen Lehren neben dem Muhamedanismus und dem Christenthum noch heutzutage im Orient am verbreitetsten sind, zu sprechen. Die Religionsstifter der ehemaligen Chinesen waren Lao-tse (d i. Lehrer Lao) geboren 565 J. vor der ehr. Zr. und dessen Schüler Cong-fut-8e (C o n - fucius) geh. 551. Beide, sowie deren Nachfolger Meng-tse (Mencius), welcher c 200 J. später lebte, lehrten dem Volke Tugend und Rechtschaffen iieit und deuteten sogar auf die Unsterblichkeit der menschliehen Seele hin. Sicherlich wurdeu vorher schon Reste der israelitischen und jüdischen Volksstämme von den Assyrem und Babyloniern auch nach China hin zerstreut, in deren Umgang das Streben jener Reformatoren bestärkt wurde. Fand man ja in jenen Gegenden Indien und China sogar schwarze Juden, die vermittelst der, durch die Assyrer bewirkte erste Zerstreuung der 10 Stämme des Sonderreiches Israel zum Judenthum bekehrt worden seien. Uebrigens räumten diese Reformatoren der väterlichen Macht einen zu grossen Wirkungskreis ein; so, dass ein Vater seine Kinder als Sclaven verkaufen konnte. Doch trugen dieselben gleich Zoroaster zur Entfernung des groben Götzendienstes bei; allein die blutschändenden Ehen, welche unter den alten Persern und Chinesen gleichwie unter den damaligen Egyptern stattfanden, konnten diese Religionsstifter nicht beseitigen, indess das mosaische Gesetz und aus demselben auch das Christenthum und der Mohamedanismus diesen sittliehen Zweck vollkommen erreichten! Nunmehr zur Religionsverbesserung des Weisen (Buddha) Gantama, Sukjamum, welcher zunächst in Indien um das vorchristliche Jahr 500 auftrat, dessen Lehren sich aber■ im Laufe der Zeit in Asien so ausgebreitet haben, dass ihre Bekenner mehr als 300,000,000 Personen zählen. Ihr gemeinsamer Namen ist nach ihrem Religionsstifter: Buddhisten. Ihr Oberpriester, welcher als Incarnation der Gottheit verehrt und für unfehlbar gehalten wird, heisst in Hinterindien jenseits des Ganges Lama und Dalai- Lama (Meergott) desgleichen in fler Mongolei. In Japan Bronze, in Slam Talapoin, im Birmanischen Reiche Rahan u. 8 w. — In Indien waltete damals der Glaube an die Trimurti (eine Art der Dreieimgkeitslehre) als: an Brahma den Schöpfer, Vischnu den Zerstörer und Siva der Erhalter der Welt. Im Christenthum gestaltete sich bekanntlich später eine andere Art der Dreieinigkeitslehre (Trinitat), die aber gleichfalls mit dem Haaptdogma des Judenthums, von einem einig-einzigen Gott nicht in

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