Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 18. (5.5.1883)
- Date
- 1883-05-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/6492408-6488246-8756029--0118-4855527- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Zur Belftacbtting aller Jadeathaai and Jidea betreffenden lltterarleehea Er• •efediaiira aaf dem Gebiete der Pbllo• ••pkle> Geaehlefcte, Kthne^rapble, Theo• lagie» Orientalin, Exegese, Homiletik, Litargik, Pädagogik. Heraasgegeben ▼on Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 9T£d<j9e6׳wt<j, 5. 0TTai 1883. BlekerdereiaeehIa0tgenLitterstnrfw«lefce der Bedaetfoa sagesaadt werden, ftwdea la dienern Blatte etagefceade Beepreckaag« t׳ Bel Eiaseadaag ▼ea a-wei Beeeaaleaa• >' Exemplaren erfolgt einmalige käme GratU-Iaeertiea. 3 ד־ 4 Das »Jfidlsche LittBrfttur-Blatt« erscheint! wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich b6i allen Postanstalten and Buchhandlungen 8 Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 88 Pf. für die gespaltene Petitzeile berechnet und von der Expedition dieses Blatte9 sowie durch die Central-Annoncen-Expedition ▼on 6. L. Daube * Co., Frankfurt a. M., Magdeburg, Berlin, Cöln, Hamburg, München, Zürich, Wien, Paris befördert. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Darwiuisinus unjl die Bibel. (Fortsetzung.) — Das Jadenthum als Muttenfeligion der Humanität Von Bezirksrabbiner Dr. Hoc hptädter in Bad Ems. — Der Messias. Sohn Joseph’s oder( Efraim’s. Ditteraturberichte. Die Assftnilation der J|uden. Von Beri8ch (1 oIdenberg. - ״ הדרוך השלםTärgumisches, talmudisches und midrasisches Lexicon“. Von Dt. A. Ko hat. Notizen. * , Darwinismus und Bibel. (Fortsetzung.) Gehen wir von der Materie aus, in näturwissenschaftlicher Auffassung, abstrahiren von Gott, idem Schöpfer, oder der Urnatur, als Kraft, und betrachten nur die geschichtliche Entfaltung des Stoffes, so würden wir auch bei der biblischen Darstellung nichts anders annehmen können: Aus dem unorganischen Stoffe, dem Staube, wurden organische Gefüge; wurde der Mensch gebildet; wie das ermöglicht wurde,,ניdarüber bleibt uns auch Darwin die Antwort schuldig; organische Gestalten traten auf, strebten ihr Dasein zu behaupten, es zu vererben und zu übertragen, und reproducirten und vervielfältigten sioh 1in immer neuen Gebilden. Kräftige und höhere Gebilde eigneten sich fremde Stoffe an, überwanden die widerstrebenden, und wuchsen, und wurden dadurch grösser und mächtiger. Im Kampfe mit fremden) Gewalten׳ oder in Nachahmung ihrer Eigentümlichkeiten, durch climatische Einflüsse und die Macht der Elemente, durch Noth und Unfälle, änderten sie ihre ursprüngliehe Form und Gestalt, ohne darum die homologe Conformation aufzugeben, und bildeten sich allmählich bis zur Menschengestalt hervor. Dass es nui einzelnen Gebilden und nur einzelnen Individuen der T lierspeeien gelang, sich emporzuarbeiten und aufzu ichwingen, während die vielen anderen auf niedriger Stufe stehen blieben, liegt an der grösseren Gehirnmasse, die noch immer an wächst. Woher diese kräftigen Sellen oder höheren Gebilde sie erworben und sich ungeeignet, ist auch nach Darwin nicht enträtselt. Da aber dieses grössere und feiner construirte Gehn n von An- ן beginn an nicht unverändert, in derselben E aseinsform ן verblieb, sondern von Geschlecht zu Gesclilecht sich 1 erneuerte und neu bildete, so kann darunter doch nur die sich vererbende Kraft, oder latente Eigenschaft des Stoffes, oder der Geist desselben gemeint sein der die ersten höheren Gebilde oder kräftigere Zellen beseelte oder belebte; von ihm waren sie angehaucht, harrten der anregenden Kräfte und erweckenden Mittel, und entwickelten sich zum menschlichen Dasein. Doch auch'all dieses hat sich nicht selbst gemacht, und musste erst in’s Dasein gesetzt werden * durch eine Urnatur, oder wie die Bibel sagt, durch Gott. Wie viele Jahrtausende zu diesem schöpferischen oder sich entwickelnden Bildungsacte des Menschen erforderlich waren, darüber giebt nun die Schrift keine Auskunft; denn längst bekannt ist’s, dass mit dem biblischen Schöpfungstage nur eine ״ Zeitepoche “ gemeint ist —, aber auch die Naturforschuug hat nur unbe- 5t gründete Vermuthungen. Es kommt auch auf die Zeit nicht an. Der Ewigkeit gegenüber sind Millionen י ä Jahre nur ein Moment. Es kann aber anch nicht be-' fremden, dass die Schrift die verschiedenen Thiergattungen vor Bildung des Menschen als erschaffen, ) ״jede nach ihrer Art“ darstellt; denn es ist damit.nichts anderes gesagt, als dass jede Stufe in der Entwickelung?' oder Bildung die Fortpflanzungskraft erhalten hat, and*^״ somit alseine besondere Species besteht. Ganz jedoch stimmt sie mit der Naturforschnng übereiü, dass mit אן' י der Schöpfung oder Bildung des Menschen die ' *j Schöpfungs- oder Bildungskrajft geschlossen und beendet war, wie es jetzt feststeht, dass ein Uebergang aus einer niederen Species in eine höhere nicht mehr vorkommt, wenn auch einzelne Variationen noch erzielt werden. Unerwähnt endlich wollen wir nicht lassen, dass wie die Naturwissenschaft, weil sie eine zwiefache Bildung bei der ‘im Ganzen gleichartigen Construction der beiden Geschlechter nicht voraussetzen mag, eine Spaltung der Urzelle annimmt, merk- , würdiger Weise auch die Schrift eine Theilung de! menschlichen Urbildes vörgehen lässt. Eine Seite des Urmenschen wird zum Weibe auferbaut. Det erste Mensch war als Mann und Weib gebildet, zusammen als Eins, wie die Urzelle. 1־• . ׳ «t ':0 ■t . J