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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-04-21 · No. 16-17. (21.4.1883) · p. Seite 66

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 16-17. (21.4.1883)
Date
1883-04-21
Page
Seite 66 (sequence 6)
Language
German
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' — 66 — *mm חר יייןוומיייייי■ 1 *hum8), andern theslf den ״Leiden sthaffcen und Partei- - lichkeiten‘ sowie der '^gaanjuf1 aatatammen sieht Pee zum Erweise erzählt er van dem Pfefferkom’chen *Handel, von den Verbrennungen des Talmud und reeumirt die Haaptunaahen, weshalb der Talmud verachtet werde, dann: ״der Talmud seie nicht nützlich, vielmehr schädlich; er enthalte viel fabelhaft« Gegenstünde; er seie der christlichen Religion nachtheilig; es limen Gotteslästerungen, lascive und andere vernanffcwidxüe Sachen darin vor" Nachdem er in köst- Heber ־^TeSe die Unwissenden bei Seite geschoben ״es giebt sogar solche, die üb«־ den Talmud mit unsinnigen Urtheiien herfrllen, ohne selbst den Talmud gesehen, geschweige denselben gelesen su haben.8 War der Mann ein Prophet, dass er den amteeidsprühenden Präget Professor schon vor dessen Geburt 80 richtig sa schildem vermocht hat?) und durch altere Autoritäten hat bei Seite schieben lassen, führt er die günstigen Urtheile von Ezjuden und Gelehrten, wie Knitorf, Wagenseil, und annotdrt mehr als 40 die Nützlichkeit des Talmud bekundenden Werke. ״Obenangeführter Johann Wülfer saget: Es sind in) Talmud sehr viele Dinge, die zum sittlichen Wohlstand und zur Anzbildung der Tugend keine geringe H$Jle leisten. Als Belege werden Pirke Aboth, Bnxtorrs F^arileginm, R. Jehada Loew bar Mordchai Levy’s Zel hamaaloe (365 Sprüche) und der En Jaakob genannt Mit besonderem Nachdruck werden die Schwierigkeiten, dqn Talmud richtig zu lesen, betont, werden .viele Sprüche und Erzählungen aus demselben angeführt, naebge^ieaeu, dass selbst in Avoda sara njcht von ernsten die Bede ist, Aknm, Goi, Nochri, Kussi überübersetzt, (gelegentlich wird die Maudooh Rabboh, die dem Censor sehr nahe lag, besprochen und die Meinung »ufgesteÜfc, dass 1767 die erste (?) solche in. Pijag gedruckt worden sei), gegen den Vorwurf dass Nichtjuden bestohlen werden dürften, mit dem Mai^ncWM«« nnd dem Schuleban Aruch Front gemacht, die biblische ״Wuchererlaubniss“ rationell erklärt, sowie legendenhaften Erzählungen ein verborgener Gedankeninbalt vindikirt ״Folgt denn daraus, Veil bei uns dar Talmnd vou nicbtgöttlichem Ansehen ist, dass si^ (die Juden) die paradoxen Erzählnngen darin nicht in allegorischem Sinne verstehen sollen? So'fragt der ehriiehe Benrtheiler nnd bringt Beweise für diese allegorische Auflassung aus d^n Commentatoren und ehenso aus den Schriften christlicher Gelehrten. t ״Nicht jedes Kraut ist deswegen Bögleicb weg- ״zuworfeln, weil es Unkraut zu sein scheint, man ״kann ee zur Seite legen nnd die Versuohe hierüber ״anstellen. Es giebt vielerlei Böden, in denen keine -Erdäpfel oder Bohnen wachsen, taugen deshalb doch8. Sölehe Ansicht muss eine vorurtheillose Kritik zur Folge haben — vorurtheilloe selbst darin, dass man nicht sein Eigenes verhimmelt und den Himmel Anderer in den Abgrund stösst. Ein, echten Joeephinischen Geist athmendes Wort dieser 1Schrift möge unsere Betrachtung abschliessen: ״Die Lehre der Jaden ״von Gott, vom Messias and vom heiligen Geist, von ״der Hölle, vom Himmelreich, von den Engeln und ״Teufeln, von der menschlichen Seele und Zustand ״derselben jenseits des Grabes, von der Vergebung ״der Sünden und Auferstehung der Todten nnd son- ״etigen Gegenständen weichet von jener der Christen ״ab,־ dass aber die Jnden so lehren and schreiben,‘ ״dasswegen sind sie ja Jaden, und wenn diese so- ״denken, bandeln nnd schreiben sollten, wie es die ״christl Religion fordert, so müssten sie ja aufhören ״Juden za sein? Viele Köpfe, viele Sinne, verschiedene ״Nationen, verschiedene Systeme und Meinungen1“ Wohlthupnd berührt die Achtung, welche der k. k- Zensor nicht *Hein den alten Rabbinern, sondern auch seinen «lehrten jnd. Zeitgenossen, R. Jechaekel Ijandaa, R. Eleasar Fkckeles nnd S. Jeiteles zollt. Da ist kein pharisäisches Ueberheben, kein gnädiges Herabschauen, sondern wahre Menschlichkeit die in dem Bewusstsein wurzelt, dass unser himmlischer Vater viele ן Häuser habe, in deren mannigfach geformten Raamen er seine Kinder wohnen lässt. Lewin. Ueber Ehen!zwischen Blutsverwandten. Inaugnral-Dissertation desprakt. Arztes Dr. Simon Scherbel aus Schmiegel. 1883. Wenn ich Sie, geehrter Herr Redacteur, ersuche, den Gegenstand, den obige Dissertation sehr gründlich behandelt, einer freundlichen Beachtung zu würdigen, so geschieht dies nicht blos vom ärztlichen und naturwissenschaftlichen, sondern vor Allem aach vom jüdisehen Standpunkte ans. Es ist ihrem Referenten sehr wohl bekannt, dass die Spalten Ihres gesch. Blattes sich, aas natürlichen Gründen, kaum jemals öffnen für Dinge, die lediglich medicinisches Interesse besitzen. Allein hier tritt doch ein specifiscb jüdisches Interesse hinzu. Die überwiegende Häufigkeit der Ehen zwischen Blutsverwandten unter unsern Glaubensgenosen ist ja notorisch; ebenso allgemein der Glaube an die Gefahren. Wenn man nun vieUeicht im Stillen die Hoffnung gehegt hatte, es könnte dies nur ein Vorurtheil sein, und die Israeliten würden bei genauen statistischen Untersuchungen vielleicht doch nicht zu schlecht wegkommen, so wird man durch diese Dissertation leider gar sehr enttäuscht Ich glaube daher im Sinne der gebildeten Leser dieses Blattes gehandelt za haben, wenn ich das Ergebniss dieser Arbeit, soweit es die Aufmerksamkeit jedes Juden erwecken muss, kurz zusammen fasse. Bekanntlich bringt man vor allen anderen krank' haften Erscheinungen bei den Kindern die Geistesaffectionen und die Taubstummheit in Verbindung mit der Blutsverwandtschaft der Eltern. Seit dem Anfang der sechziger Jahre non, wo diese Frage angefangen hat, in ernsterer Weise die wissenschaftlichen Kreise zu beschäftigen, bis in die Jetztzeit, sind alle Antoren darüber einig gewesen, dass jene pathologische Erscheinung in einem relativ erheblich höherem Grade gerade die jüdische Bevölkeräug betreffen, nnd dass das 80 oft vorhanden» Consanguinitätsverhältniss der Eltern in diesem Theil der Bevölkerung wenn aach nicht ausschliesslich, 8er doch vorwiegend als ursächliches Moment dafür verantwortlich zn machen ist. Herr Dr. Futterstadt, Decement im königl. Statistischen Bureau zu Berlin, ein Glaubensgenosse, steht ganz auf diesem Standpunkte. Die Zahlen, die- •r gefunden, sind za lehrreich, als dass ich sie nicht an dieser Stelle anführen sollte. Darnach befanden sich am 1. December 1880 in Preussen auf 10,000 berechnet, bei den evangelischen 24,1, bei den kathor liken 23,4, bei den Juden 38,9 Geisteskranke nnd ferner bei den Evangelischen 9,89, bei den Katholiken 10,39 und bei den Juden 14,38 Taubstumme. Man muss nun zugegeben, dass ausser der Bluts- Verwandtschaft sich noch andere Factbren. in einem Causalnexus bringen lassen mit den Geisteskrankheiten; so der Umstand, dass die Juden grösstentheils die Städte bewohnen und Professionen aasüben, die am meisten den ökonomischen Krisen ansgesetzt sind. Allein bei der Taubstummheit lässt sich, im Zusammenhang mit der Thatsache, dass die Nachkommenschaft taubstummer Eltern die ]nicht blutsverwandt sind,.

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