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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-04-21 · No. 16-17. (21.4.1883) · p. Seite 65

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 16-17. (21.4.1883)
Date
1883-04-21
Page
Seite 65 (sequence 5)
Language
German
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> —:׳65 — auf der Oberfläche der Haut liegenden Geschwüren lässt sich von Feigenaufschlägen eine Wirkung er karten. _' R A. Collectanea. ן Von Dr. Kroner, Rabbiner in Brandenburg a. d.j H. litteraturberielit. Recensionen. VI. Eine eorrumpirte Machsorstelle. , Höchst corrumpirt erscheint uns der Anfang des ersten Gebets, das der שיץ an den י״נ verrichten 8011: אל מלך|נאמןשדי מלך עליון קבל שובתי ברצץ ובאמוץ הלב וכר (citirt nach den Machsorausgaben von Heidjenheim, Letteris u. A.) אמוץ הלב heisst nichts anderes als Hetzenshärtigkeit und ist darum auch in der Bijtte um Sündenvergebung als strafwürdig gekennzeichnet: על 0 חטא שחטאנו לם׳ באמוץ הלבfr. 5. M. 2,30. 15,7. Es erscheint hiernach in obigem Zusammenhang als unqualifizierbar. Sollte jedoch אמוץ הלב unrichtigerweise als Inbrunst gedeutet werden, so wäre die jverbindüng der Worte: קבל שועתי ברצון ובאמוץ הלב! (Nimm auf mein Gebet mit Wohlgefallen und Inbrunst!^ gleichfalls unqualifizierbar, da 8ioh באמוץ. הלב ^uf den Betenden, ברצק aber auf Gott bezöge. ן Es ist unzweifelhaft, dass der Verfasser des Gebete diesem die Form eines Akrostichon gegeben hat, dessen Anfangsbuchstaben die Worte: אמן שמץ ישראל ד‘ אל' ד" אחד.^ darstellten. Sonach musste es lauten:;אל מלך נאמן שדי מלך־ ץליק יקבל שועתי הצק אמץ לבי ביזוי במובסו לתו אל חי ך!ן אמת. Von den drei Buchstabengruppen כתו במוכס! כתו bedeutet bekanntlich bei den Kabbalisten qie erste : das Tetragrammaton, die zweite Elohenu, dije dritte wiederum das Tetragrammaton, indem die Kabbalisten für jeden Buchstaben, den sie zu schreiben instand nehmen, den in der alphabetischen Ordnung׳ felgenden — also für א ein כ, für ב ein נ u. s. w. —4• setzen. Wollen sie als!ג das Tetragrammaton umschreiben, so setzen sie für del. י ein כ> für ה ein ו! für ו ein!! für ה wiederum ein 1! id est כתו; und wollen sie;Elohenu umschreiben, so setzen sie für א ein ב, für ל ein מ, für ה ein ו, für י ein כ, für 3 ein D, für ו ein 1, id est!במוכס (Beifällig bemerkt, stehen auch — gegenüber dem *ד־ אל' ד־ אחו — auf der Rückseite der Mesusoth die beregten Buchstabengruppen). Es bedarf wohl kaum des Hinweises datauf, wie oft auch sonst die zweite Person — hier der! Vocativ אל וכ — mit der dritten (יקבל) abwechsjelt; wie : häufig auch sonst das Substantiv ohne Präposition [•—hier רצון, das nach Hitzig u. A. auch P9. 145,16 willig, gnädig heisst — adverbial steht; und .wie schön — analog Ps. 27,14 31,25 — der Verf. des -Gebets die Selbstermuthigung durch die! Worte: 'אמץ ל5י sei fest, mein Herz! ausdrückt. Die angeduutete Ballhomisirung der ursprünglichen, "Passung des qu. Gebets hat die verschiedenen Lestrten in verschiedenen Machsoreditionen erzelugt. So haben Heidenheim, Letteris u. A. קבל שולתי ברצון ובאמדן הלב, die Dyhmfurter Ausgabe hat קבל שועדד רצון אמרן לבבי־' in der Breslauer Ausgabe de 11565 von dem rühmlichst bekannten Grammatiker und Lexiko- STaphen Phöbus Sifri fehlt באמוץ הלב gänzlich. Eine Schrift im josephlnlsetaen Geiste. Kaiser Josephs Andenken ist durch sein Centennarium wieder erweckt worden, das Andenken dieses - Märtyrers wahrer Humanität. Da haben sie der Welt weissmachen wollen, dass die. Aufklärung den Unteje-j gang der Religion herbeiführe, dass all’ die Verrohung . und Verwilderung unserer Zeit nur ein legitimer Sprosse jenes josephmischen Geistes sei. Nun freilich der Voltaire’sche Geist der Verhöhnung aller Religion ist die Carrikaturdes echten Josphimsmus. Sie stehen zu einander wie Friedlaender und Consorten zu Mendelssohn. Diese leichte Aufklärerei, welche allem, was dem robusten Beefsteakmagen zu wenig substanziell dünkte, die Existenz absprach —י sie ist die Mutter unserer Zeit, aber sie ist nicht geweiht vom Geiste des Edelsten der Habsburger. Der ist von edlerer Mischung; in ihm vereinen sich Humanität und Religiösität, sowie das herrliche Kind dieses edlen Paares: würdige Toleranz! Unser e Toleranz ist leider zumeist ־ Indifferentismus. ״Mir liegt nichts daran, mir ist das alles gleichgültig11, das ist die Marke unserer Duldung. Das Bewusstsein — das Lessingsche, — das den Menschen nur gegeben worden ist, im Ringen nach . der Wahrheit sich zu veredeln, dass Niemand so im Besitze der ganzen vollen Wahrheit ist, dass er alle Andern als Wahrer der Lüge dürfe schmähen, dass ist der Quell der Josephinischen Toleranz! Da ist uns wieder auf unserem ureigensten Gebiete Gelegenheit gegeben worden, diesen Unterschied mit Händen zu ergreifen. Es ist rechter Spiegel, unserer Zeit vorhalten, in welchem Freund und Feind ihre eigene Wandlung in dem so über die Maassen gepriesenen 19. Jahrhundert der Bildung und Aufklärung erkunden mögen, welchen die Hoelder’sche Buchhandlung allen Wahrheitsliebenden geschenkt hat. — Ein k. k. Zensor hat 1882 eine Schrift*) verfasst, neben welcher manch’ Werk eines k. k. Professors von 1882 etwas alt, etwa zu 400 Jahre zu spät datirt, erscheinen könnte. Der Verfasser kann nicht verdächtigt werden, dass er durch jüdisches Geld verlockt worden ist. . Denn nur zur Feststellung seines ,eigenen Urtheils h'at er die dieser Schrift zu Grunde liegende Studien angestellt, and nur für einen Freund hat er sie niedergeschrieben, ohne den Wunsch zu hegen, dass sie gedruckt werde. ״Gutmeinung“ heisst das Büchlein, nicht etwa deswegen, weil es einer *guten Meinung“ Abdruck giebt, sondern nur in dem Sinne von ״Gutachten“. Das hebräische . und lateinische Motto wird durch .drei Kemsprüche . gebildet, welche die Vertrautheit des Verfassers mit, den biblisch - talmudischen Lehren bekunden und die j Gesammthaltung des Werkes zeichnen. Sie lauten: ״Der Mensch soll die Wahrheit sagen und sich der Menschenfurcht entschlagen!“ ״Wahrheit, werde angenommen, von wem auch immer sie möge kommen!11 ״Magst immer streiten, so Du nur willst Wahrheit bereiten!“ — Wie er selbst auf dem rechten Wege zur Wahrheit war, das zeigt er damit, dass ,er die sich widersprechenden Urtheile im Talmud einestheilä dem fremdartigen Geiste (״wegen orientalischen Flug, Enthusiasmus, kurze Ausdrücke, Ellipsen und Alter- *t Gntmeinung über den Talmud der Hebräer, verfasst von Carl Fischer, k. k. Zensor, Revisor und Translator im hebräischen Fache zu Prag. Wien 1882, Alfred Hoelder, I Rothen-‘ thurmstr. 15. 112 S. 8. ,״.h. . f

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