Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 15. (14.4.1883)
- Date
- 1883-04-14
- Page
- Seite 58 (sequence 2)
- Language
- German
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Erdens toff, 80 mit einem. M$le *u einem grossen er• wsehsesen Menschen anzgetpanut, hätte uothwendig alle •eine phynoalischen Eigenschaften einbüasen müssen and eine nsue'Schöpfung wäre nöthig and erforderlich gewesen, nm bei dieser Umgestaltung ihn consistent zu erhalten. Denkt man sich aber etwa, ans Erdenstofi wäre, wie aas Thon durch des Töpfers Hand, ein fertiger Mensbh geformt and gebildet worden, nnd seine Theile würden tu Haut, Haaren und Nägeln; weiter zu Knochen, Muskeln, Sehnen und (Nerven, und noch weiter nach Innen zu Blut, Eingeweide, Mark und Gehirn, je nach Noth wendigkeit seiner körperliehen Construction, metamorphosirt worden, 80 würde der so gewordene Mensch kaum sein, lebensfähig noch ezistiren können. Er hätte seine Gliedmassen noch nicht gebrauchen, seine Sinne noch nicht verwenden können; er müsste erst ,gehen und essen lernen“. Er würde bei einem vollständig leeren Magen, bis er Speise geschafft und zu sich genommen, vom schrecklichsten Hungy gequält, zu Grunde gegangen sein. Man müsste gerade annehmen, Gott hätte ihm gleich Nahrung in dem Magen mit anerschaffen und hineingelegt, und Alles in Bewegung gesetzt, und hätte ihm gleich Weisung und Unterricht ertheilt, seine Glieder au gebrauchen und sich seine Nothdurft za beschaffen. Das AUes erzählt aber die Schrift nicht, und kann auch der Verfasser sich nicht gedacht haben. Versuchen wir "darum einmal den Satz: ״Gott bildete den Menschen“ uns klar zu machen, wie es der Verfasser aufgefasst haben mag; denn das müssen wir doch voraussetzen, dass er den Vorgang sich klar und deutlich gedacht hat. Vergleichen wir zum besseren Verständniss die schöpferische Kraft Gottes mit der formbildenden des Menschen. Der Bildhauer wählt einen Stein and bearbeitet ihn zu einem Kunstwerk. Er behaut ihn, meisselt daran, und nach und nach treten die Formen hervor, die ihn zu einem Kunstgebilde vollenden. Bevor er die Vollendung erreicht, hatte die Masse verschiedene Gestalten angenommen, oft war sie nur eine Fratze, eine Karrikätur, aber die vollendete Form wird .im Sprachgebranche doch nur im Auge behalten; man sagt: Der Bildhauer fertigte eine Statue an. Müssen wir nicht in gleicher Weise von Gott sprechen? Er bildete den Menschen; wenn dieser auch bis zu seiner Vollendung verschiedene Stadien durohgemacht; von der anorganischen Materie, der formlosen Masse, bis zur Zelle gebildet, die dann weiter geformt wird; da treten statt der Fratzen und Karrikaturen die verschiedenen Thierspecien auf, die sich immer mehr und mehr der menschlichen Form nähern. Bis zur Vollendung der menschlichen Gestalt sind alle Thierformen durchgemacht, und eine wird immer aus der anderen hervorgebildet und nähert sich fort und fort dem menschlichen Typus; ganz so, wie wir bei Entwickelung des Foetus es noch bemerken. Wir können da immerhin nur das Eine sagen: Gott bildete den Menschen. (Fortsetzung folgt). Lewandowski’s Verdienst• Mm den-synagogalen Gesang. Von B. Jacobsohn. f .* (Schluss.) Für den Beartheiler der Werke L.’s ist der knappe Inhalt derselben in mehrfacher Beziehung von Bedeutung. Vor Allem haben wir es, wenn wir es nicht sonst schon wüssten, mit einem akademisch gebildeten hochbeanlagten Musiker zu thun, dessen Leistungsfähigkeit also nicht erst aus seinen speciellen gottesdienstlichen Gesangswerken nachzuweisen ist. Aber was wir erfahren,' ist, dass dies r Musiker ganz besonders für die Syn agogen musi k prädestinirt ist. Schon der Knabe entzückt eine grosse andächtige Hörerschaft mit seinen religiösen Liedern und kaum zum Jünglinge herangereift, wird ihm der Dirigentenstab von der grössten jüdischen Gemeinde Deutschlands anvertraut. Ja, dieser Dirigentenstab war bestimmend für die künstlerische Laufbahn unseres Meisters. Erfindet von da ab seine Lebensaufgabe in jenem ersten Liede der Schrift, das mit den Worten '״ אשירה להDem Herrn will ich singen“ beginnt, gezeichnet. Im Stillen gelobte sich dies der begeisterte jugendliche Psalmen sänge r und bis jetzt ist der Manu seinem Gelöbnisse treu geblieben. Drei und vierzig Jahre arbeitet Lewandowski unermüdlich auf dem synogal-musikalischen Gebiete. Die Früohte seiner künstlerischen Thätigkeit nach dieser Richtung hin hat er nur zum Theil bislang durch Druck veröffentlicht. Denn wie . viele freudige uni traurige Veranlas8ungeu haben sich ihm nicht während dieser vier Jahrzshate in der Grossgemeinde Berlin geboten, um in die Saiten zu greifen! In der That geschah dies auch zn jeder Zeit, wenigstens erinnert sich der Vertasser während seiner Studienzeit allein schon vieler religiöser Gelegenheitscompositionen, die er in den ihm vorliegenden Werken vermisst. Die Letzteren, deren Namen recht bezeichnend sind, enthalten aber ohnedies schon wahre Schätze, herrliche Blüthen und reife Früchte, für den jüdischen Cultus. Das erste grössere Opus, das i. J. 1K70 für die Synagoge erschienen ist, Kol Rinnah u-T’ fillah, ein- und zweistimmige Gesänge für den Gottesdienst des ganzen Jahres, das bereits im vorigen Jahre eine zweite vermehrte Auflage erlebt hat. Das überaus werthvolle Material für den Vorbeter, den zweistimmigen Chor, sowie viele leichte singbare, weil melodische Responsorien für die Gemeinde, welches dies Werk enthält, characteri8irt zugleich die Richtung unseres Componisten. Mit inniger Verehrung hängt L. an den hergebrachten und den Jahrhunderten (ranriger Vergangenheit getrotzt habenden Synagogenmelodien. Seine Bearbeitungen derselben sind geradezu musterhaft. Dem Vorbeter hat der Künstler im K. R. U. den Weg gezeigt, auf dem er sich zu bewegen habe, wenn sein Vortrag den Anforderungen eines wahrhaft jüdischen Gottesdienstes ebenso wie denen der musikalischen Aesthetik entsprechen soll. Denn nur dann ist eine religiöse Einwirkung auf die Gemeinde durch ihn möglich. L hat es deshalb auch verschmäht, prunkende, mit allen gesanglichen Finessen ausgestattete Tonstäcke für den Vorbeter zu schreiben, ln keinem seiner Werke findet sich ein stimmliches ״Salto mortale“, was neuere Cantoren mit besonderer Vorliebe in ihrem Vortrage zur Aufführung zu bringen sich bemühen, als ob es sich beim Gottesdienste vorwiegend am gesangliche Affectionen handelte. — Bravour-Arien oder auch nur Effectschlüsse gehören eben nicht in’s Gotteshaus. Wollte Gott, dass diese Ansicht unter den leitenden Factoren