Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 15. (14.4.1883)
- Date
- 1883-04-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M., Hagdtberg, Berlin, Cöln, Hamburg, München, Zürich, Wien, Paris befördert. Inh alt: Wissenschaftliche Aufsätze: Darwinismus und die Bibel. (Fortsetzung.) — Lewandowski’s Verdienste um den syna- |egalen Gesang. (Schuss.) — Ueber die Namen der jüdischen Litteraturbericht. Sabbath-Predigten zu deii Woehenabachnitten des fünften Buch Mosis. Von Dr Adolf Schwarz Notizen. -—---1 Darwinismus und Bibel. (Fortsetzung.) Nun soll ich mir die Angaben und, die Lehre der Oottesgelehrtheit anhören und merken. Schrift, „im göttlichen Geiste“ abgefasst die Schöpfungsgeschichte des Menschen Die heilige -giebt nfis genau an, und die Darstellung ist ein Glanbensdogn a der Religion, soll allein die Wahrheit sein. Da lesen wir, Genesis 1,26: „Und Gott schuf den Menschen in seinem Ehenbilde ,Mann und Weib schuf «r sie“, d. h. beide als ein Wesen, und dann 2,7: „Und es bildete der Ewige, Gott, den Menschen Staab von der Erde und hanohte in seine Nase den Lebensoden, oder die Lebensseele;“ und endlich, 2,21 und 5 2: „Und er nahm eine seiner Seiten, und erbauete die Seite zur Frau“. Wie es da steht, glaube es, wir es kann. Doch etwas bin ich courirt. Ich mache mei aem Darwin keine Vorwürfe mehr, mir thierische Voreltern gegeben zu haben; es ist immer noch besser als Staub, von dem ich lierstammen soll, wie es der Schrift beliebt hier anzugeben. Bei einigem Nachdenk;n indessen beruhige ich mich darüber auch vollends; so ist ja das Schicksal alles Schönen auf Erden. Der Apoll von Belvedere und die mediceische Venus sind auch aus einem rohen unbehauenen Steine gerneis seit worden, darum wird aber doch Niemand zwische i dem Marmorblock und diesen Kunstgebilden eins Verwandschaft geltend machen wollen; wir dürfsn es daher ganz unberücksichtigt lassen, ob wir vom Staube oder von einem Affen hervorgebildet wurden, oder uns entwickelten. Das soll uns weiter keinen Kummer machen. Aber wie steht es um die eigentliche Angabe der Schrift? So aus Nichts mit einem Male fi k und fertig lässt sie Gott den Menschen nicht mschen. Erde I * i wird vielmehr genommen, geformt und der Mensch gebildet. Es konnte auch nicht anders sein. Denn wäre der erste Mensch so mit einem Male ans Nichte hervorgezaubert, so müsste im Verlaufe der Zeit bei der Fortpflanzung es eben so wie das erste Mal geschehen; d. h. bei der Entstehung jedes neuen Geschlechts; er müsste ohne Weiteres so auf die. Erde ' gesetzt werden. Man würde freilich dabei viel ersparen : die Wehen unserer lieben Frauen, Kinderwäsche und die ganze mühselige Erziehung. 1 Aber so konnte es nicht geschehen sein. Der Mensch gehört mit zn allen Erdengeschöpfen, ist aus Erdenstoften zusammengesetzt, entsteht und vergehet undunterliegt 9 dem Stoffwechsel, und wird endlich wieder Staub. Es kann also keine neue Schöpfung, nicht etwa aus Nichts gefertigt sein. Aber ebensowenig lässt ihn die Schrift aus einem geschaffenen Mutterei hervorgehen, ans dem er herausentwickelt wird und heranwächst. Denn da müssten die Wunder in nnerfasslichem Maasse gehäuft werden. Gott müsste zuerst den Samen, wie im Mntterechooese, gehegt, dann Ammendienst bei ihm vertreten, und in wunderbarer Weise gegen die zerstörende Kraft der Elemente und den Zahn and das Gift der Ranbthiars und des Gewürms ihn geschützt haben. Die Ausbildung des Foetus, die Ernährung and Erziehung des Menschen würden das Schöpfungswunder weit - übertreffen. Eine neue Gestaltung, eine Umkehrung der Weltordnnng wäre da zur Herstellung des Menschen erforderlich. So konnte der Verfasser der Schrift sich unmöglich die Bildung des Menschen gedacht -haben j so zeichnet er sie auch nicht. Es lässt vielmehr Gott den Menschen aus Erde formen oder bilden. Aber wie? So mit einem Male! Das kann er sicher nicht gemeint haben. Mir fällt . dabei die Aensserung eines Juden ein, def befragt, warum Gott die Welt in sechs Tagen und nicht in einem Momente geschaffen habe, die Antwort gab: Gott, der Allmächtige, hätte es wohl aosgeh<en, »her die Welt es nicht ertragen können; ein Stückchen Gummi, meinte' er, kann nach und nach ausgedehnt werden, mit einem Ruck gezogen, platzt es. Der n