Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 14. (7.4.1883)
- Date
- 1883-04-07
- Page
- Seite 55 (sequence 3)
- Language
- German
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aacLdsr )deniriinfablicben. Jtigkeit, Freilich 18ch lieber 1c gleich Werthe die rege |e brach knd Anerjlches aasktur steht, merk- CeUo and mühe* Oroheeter. Scbüesslioh ia religiöse 80hulges&ng als V or bildungsmittel 1 tigen Gemeindegesang nicht unberücksichtigt I) Man sieht eine Fälle und eine Ms von der’ man bis dahin keine Ahnang hat geht־ es hier wie aaf allen Gebieten 1 ^Fhäfcigkeit, dass nämlich nicht alles Gescha zweckmässig und gnt oder gar von bleibende ist. — Indees schon die Schaffenslust and! ־Wirksamkeit auf einem Felde das so lap gelegen, verdient Beachtung, Würdigung erkennung, und zwar in einem Blatte, we schliesslich im Dienste der jüdischen Litt Unerklärlich bleibt allerdings die w würdige, auf anderen Wissenszweigen nicht wieder anzutreffende Erscheinung, wie weit die kunstgeschichtliohe Forschung über die Entstehung und diel allmälige Entwiokelung des Synagogengesangs hinter den künstlerischen Schöpfungen zurückgeblieben ist. D ie wenigen vorhandenen Schriften, wenn man von dm diesbetreffenden Artikeln in den Musikgeschichten von Forkel, Ambros, Fitis u. a m. absieht, sind für den schaffenden Musiker insofern von untergeordnetem! Interesse, als diese Studien sich fast nur auf dem Boden der reinen Theorie, welche meist auf Hypothesen! gegründet ist, bewegen. Belege für die von den meistenl Forschern aufgesteUten Behauptungen in Form von Tonstücken, aus denen der Entwickelungsgang des synagogalen Gesanges beobachtet werden könnte, ist! nicht zu finden. Die ' nnähme der Musikhistoriker, namentlich Speidel’s, Fo u. A., dass die Accente, (Nöginöth) die Zeichen, also eine Art Noten der alten T« mpelmusik waren und sich sonach der spätere Caltuaj;esang aus ihnen gebildet, darf jetzt als eine nur wenig begründete bezeichnet werden, da sie überhaupt nicht als Ton- Zeichen, vielmehr als musikalische Phrasen anzusehen sind, die sich am allerwenigsten zur Ausführung eines Massenohori **) schon wegen ihrer, rhytmischen Beweglichkeit geeignet hätten, zumal wenn man i.nnimmt, das8 sie dieselben׳Melodien bezeichneten, wie wir sie heute in den bekannten vier Characteren kennen. Doch soll hier auf diese Streitfrage nur hingewiesen sein, in kenem Falle bilden die Accenten feste Anhaltspunkte für die Erforachnng dieses vielbesprochenen Problems, dessen Lösung eine würdige und in hohem Grade verdienstliohe Aufgabe für unsere Musikhistoriographen wäre.***) Bekanntlich sind unsere typischen gottesdienstliehen Melodien uns nur auf dem Wege der Tradition überkommen; ein Umstand, der für die Schwierigkeit der Gestaltung unseres gegenwärtigen Cultus in Bücksioht auf den hohen musikalischen Standpunkt, den er in sehr vielen Gemeinden mit Recht einnimmt, mehr spricht, als alle wissenschaftlichen Auseinander- Satzungen es vermöchten. Erwägt man difes, 80 kann den Männern, welche die ersten Notirungen unserer gottesdienstlichen Sangweisen vorgenompaen, nicht minder aber auch denjenigen, welche vpn heiliger Begeisterung erfüllt, diese Arbeiten weitergepflegt und auf streng musikalischer Grundlage den Synagogengesang zu der Bedeutung gebracht, wie sie immer mehr anerkannt wird, hohe Verdienste nicht absprechen. *> Die vielen Irrthiimer dieser sonst zuverlässigen Musiksteiler sind nun Tbeil von Saalschütz in seiner ״Geschichte und Würdigung der Musik bei den Hebräern“ (Berlin, 1829! trefflich widerlegt worden. *ד VergL Chronik 2 Cap. ־־> V. 12-13. ***) Eine beachtenswerth« Schrift ist die von dem kürzlich verstorbenen Gelehrten Leopold A. F. Ahrends ,,Ueber den •Sprachgesang der Vorzeit nnd die Herstellbarkeit׳ aer althebräwehen Yocalmuaik“ (Berlin 1867), auf die ich in einer besonderen Abhandlung demnächst einzugehen gedenke. '• . - ־ Spätere Geschlechter werden diese Periode, däi' letzten fünfzig Jähire, vielleicht die Blütheaeit dar synagogalen Musik nennen können Denn sie hat zam Theil Schöpfungen*) hervoigebracht, deren Werth nicht nur in jüdisch-cultueller, sondern auch in allgemein-musikalischer Beziehung schon länget von vorurtheilsfreier Seite erkannt worden ist und als solche ebenso Zierden der Synagoge, wie höchst respectabk künstlerische Leistungen überhaupt sind and vonme* sichtlich wohl lange bleiben werden. Unter diesen verdienen diejenigen eines Tonkünstlers, der die ihm von Gott verliehenen herrlichen Gaben dem Dienste unseres Cultus sein Leben lang geweiht, eine ganz besonders hervorragende Stelle; es sind dies die Meister- > werke des Königlichen Musikdirectors Louis LeWan-, dowski, des vorzüglichen Organisators und* Leiters der Synagogen •Chöre der jüdischen Gemeinde za Berlin, welche hier einer Besprechung, wenn auch nur in allgemeinen Umrissen — nnd zwar dies einzig und allein mit Rücksicht aaf den Leserkreis dieses Blattes — unterzogen werden sollen. So populär auch der Name dieses gottbegnadeten' Musikers in jüdischen Kreisen ist, sein Leben und sein Bildungsgang dürfte doch nur Wenigen bekannt sein. Es wirudaner zunächst willkommen sein, hierüber Einiges ivt erfahren Die bedeutendste jetzt vorhandene musikalische Encyclopädie*) in Deutschland enthält folgende biographische Skizze: ״Lewandowski, Louis (Lazarus), der,.,bedeatendste Componist auf dem Gebiete der synagogalen Musik, geboren zu Wreechen in der Provinz "Posen am 8. April 1823, kam als zwölfjähriger Knabe nach Berlin, um die Schule zu besuchen, Clavierspiel und überhaupt Musik za studiren.. Seine vortreffhohe Sopranstimme, verbunden mit einer fast dem Kunstgesange ähnlichen Vortragsweise, haben dem nnbemittelten Knaben die Herzen Vieler zugeführt. Beim israelitischen Gottesdienste sang er alle Soli. Nach der Mutation seiner Stimme hörte er in sechs Seme- 8tem die Vorlesungen über theoretische Musik bei A. B. Marx and trat dum als Eleve in die musikalische Section der Akademie der Künste, wo er unter Leitung Rangenhagen’s, Bach’8 und Grell’s Formenlehre una Contrapunkt stadirte. Seine Arbeiten wurden hier preisgekrönt und öffentlich sehr beifällig aafgefÜhrt.־ Im Jahre 1840 wurde L. von der israelitischen Gemainde zu Berlin zum Chordirigenten berufen, in welcher Eigenschaft er sich grosse Verdienste nm den Synagogengesang erworben hat. Er^componirte Sinionien, Ouvertüren, Cantaten, kleine und grössere dramatische Compositionen und Lieder, ganz besonder» für Schulzwecke. Vor allem aber sind ״Kol Rrnnah u’-Tfillah“ für zweistimmigen Chor nnd massenhafte Reoitative, ״Todah Wsimrah“ für gemischten Chor, Solo nnd Orgel, sowie 40 Psalmen für Ch*r, Solo und Orgel wahrhaft unschätzbare Schöpfungen dieser Gattang von ihm. Seit 1866 ist ihm, nachdun er auch zum ,Königl. Masikdireotor ernannt worden war, die Leitung des Chors in der neuen Synagoge zu Berlin übertragen worden. Hier hat er die Musik *) Ohne die vielen tüchtigen Leistungen jüngerer Componisten zu unterschätzen, verweise ich hier nur auf Altmeister Sulzer's ״Schir Zion“, Ntambonrg’1 .Semiroth Israel“, Weintraab's ״Schire beth Adonaj“, Deutsoh’s ,,Vorbeterschule und Breslauer Gesänge“, Baer’s ״Baal Tephitlah* u. A. Von hohem musikalischen Werthe sind auch die gotteedieeet־ liehen Gesänge mit deutschem Texte (Cantaten, Psalmen and. Motetten) des weitbekannten Compomsten und Clavier-VirtuosenSalomon Jadassohn, des langjährigen hochgeeohItrtaa Lehrers am Königl. Conaerv. d. Musik in Leipzig. Es ist sehr zu bedauern, dass seine ebenso voa künstlerischem wie ▼oh echt jüdisch-religiösem Geiste getragenen Chöre weniger in Synagogen als in Concerben undT— Kirchen aafgefÜhrt werden.׳ *> Mendel, Musikalisches Convars.-Lexi10on,Band6 S. 312