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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-04-07 · No. 14. (7.4.1883) · p. Seite 54

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 14. (7.4.1883)
Date
1883-04-07
Page
Seite 54 (sequence 2)
Language
German
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im Kampf omi Daaein and gemessener Aneignung and Verweadong fremden Stoffiss, alle Widerstände an überwinden, aUe Angriffe an besiegen and nch höher and vöHkommenar <a gestalten. Wie klar und deutlich, ohne jeden ״Wunderplan der“, ohne jedes Gepränge einer Schöpfangsfeierj linhfcftit, liegt non die Entstehang, Abstammung and Geschichte des Menschengeschlechts vor unseren Blioken aufgerollt da, and ist daraus jedes Wunder ״eliminirt.“ Die ganze Natur ist ein Baeh, aas dem wir unsere Weisheit and unser Wissen haben. Die verschiedenen Thiergestalten sind die Blätter in demselben, die versteinerte Vorwelt der feste Einband, der sie zusam- ׳ menhält, die innere Beschaffenheit eines jeden Thieres, die Instinote and die Triebe, sind die Schriftzüge, mit denen ans Allee mitgetheilt wird, and die embryonale Bildung des Menschen der Commentar dazu, der ans j Alles erklärt So blättern wir die Seiten durch bis an den Qaadramanen und begrässen in ihnen unsere Groeseltern in der prächtigsten Aftengestalt. Aller• dings thut das etwas weh. Aller menschlioher Stolz, alle menschliche Würde ist dahin. Alle Vorzüge nur affenartiger Natar. «Wir «raren nicht vorsichtig genug bei der Wahl unserer Voreltern;“ denn wenn man auch gerade aaf einen adligen Stammbaum nicht viel giebt/ so ist es doch gar za erniedrigend, Affen seine Ahnen nennen zu müssen, doch ein Forscher neuester Zeit beruhigt ans darüber; er meint, das sei gerade unser Stolz and unsere Ehre, dass wir uns 80 hervoxgeerbeitet; wir können mit Genagthuung und Befriedigung za unsem Vätern sprechen: Seht, was aus ans geworden, während Ihr Lumpen geblieben seid. Wir verdanken so unsere bevorzugte Stellung ganz ans selbst, und. werden in edlen Gefühlen ans verwandschafüichen Rücksichten unsere ,unglücklichen armgebliebenen Angehörigen bemitleiden and bedauern, und Mitglieder eines Thierschutz Vereins werden. Doch offen gestanden, das Arrangement behagt mir nicht sehr; der Stolz eines Empoikömmlings befriedigt mich nicht, and mir graut vor der ganzen Sippschaft, za; der ich gehören soll. Elin Thier, wenn auch mit einigen Unzen mehr Gehirn, möchte ich doch nicht sein. Allein noblesse n’ oblige pas. Es ist doch einmal so; die Wahrheit darf man nicht scheuen, sich ihr nicht verschliessen; sie liegt deutlich ausgesprochen vor uns; wir müssen sie hinnehmen und ans fügen. < Fortsetzung folgt). Lewandowski's Verdienste um den - synagogalen Gesang. ' Efae ■yäafegal-wulkaliache St ■die.*) Von B. Jacobsohn. Es ist eine unbestreitbare Thatsache, dass ebenso wie die Fortschritte aaf allen Wissensgebieten immer nur der Erleuchtung einzelner bahnbrechender Geister za verdanken sind, aach die wahrhaft gfossartige Bewegung auf dem Gebiete der jüdischen Litteratur seit dem Beginn unseres Jahrhanderts ihre meiste Nahrung aas den Anregungen weniger Männer erhalten hat. Dies gilt aach von der synagogalen oder gottesdienst- *) Za I*'s sechzigstem Geburtstag,. 8. April dieses Jahres. fitdien Musik. Deri Einfluss, der nicht allein von wissenschaftlich Gebildeten, sondern, wie na türkst, auch gens besonders von Kunstverständigen ausgedbt worden, lässt sieh gerade hier bis zur Evidenz nachweisen. Dass die historische Bedeutung solcher PersönHohkeiten häufig mehr in dem Impuls, den sie Anderen geben, als in dem Werthe ihrer eigenen Schöpfungen liegt, ist für den Kenner der Litteratur eine aasgemachte Sache. * Die frische Regsamkeit, das unaufhaltsame Vorwärtsstreben and ein mächtiger Schaffensbetrieb waren die natürlichen Folgen der von den verschiedensten Seiten gegebenen Anregungen und die Früchte dieser ״Sturm- und Drang-Periode“ sind eine Achtung gebietende Anzahl unvergänglicher Denkmäler jüdischer Geistesarbeit aaf allen Zweigen des jüdisoh-litterarischen Gebietes nicht nar, sondern aach aaf den weitschiohtigen Gebieten der sogenannten profanen, besser exaoten Wissenschaften und der Kunst, wozu ich zunächst Musik, Malerei und höhere Technik im Allgemeinen zählen möchte. Wie nun bei den mannigfachen Disoiplinen der Wissenschaft des Jndentbam erst das tiefere Eindringen in die einzelnen Materien auf dem Wege der kritischen Forschung eine Klärang der bis dahin vorhanden gewesenen Dunkelheiten in Auffassung uud Behandlung derselben bewirkt hat, 8 0 war es au oh anaerm Jahrhundert erst Vorbehalten, den jüdischen Cultus und dessen unzertrennlichen Bestandtheil —■die Synagogen - Musik bezw. Gesang za regeneriren, aaf’8 Nene za beleben. — Es war ja aber auch eine geschichtliche Nothwendigkeit, dass der Cal tos von der mächtigen Geistesströmang der Zeit wie nach seinem Inhalte — aus naheliegenden Gründen hier im Allgemeinen nar in geringe rem Maasse — so aach in der Form beeinflusst werden masste; eine Noth Wendigkeit, die nicht wegdisputirt werden kann, so sehr man es anch von gewisser Seite mit gewohnter Beharrlichkeit immer wieder versucht. Die künstlerisch-musikalische Seite des Gottesdienstes, welcher diese Studie hauptsächlich gelten soll, hat namentlich ein weites Arbeitsfeld geboten. Bedenkt man, dass trotz der grossen musikalischen Vergangenheit der Synagoge, wie solche nach den nrkundtichen Schilderungen aee jerusalemischen Tempeldiemstes allein schon angenommen werden muss, bis zum zweiten Viertel dieses Jahrhanderts nicht ein einziges, in Noten fixirtes Werk für den jüdischen Gesammt- Gottesdienst za finden ist, so muss man sich einerseits über die anerklärliche Vernachlässigung der Synagogen- Musik*) — an jüdischen Masikem hat es ja zu seiner Zeit gefehlt — wundern, andererseits über den gegenwärtigen Vorrath an Erzeugnissen, welche dem gottesdienstlichen Zweck dienen, stannen. Jn dem Verhältnis»- mässig kurzen Zeitraum von kanm fünfzig Jabren ist die synagogale Musik zu einer eigenen Litteratur herangewaohsen, die fortwährend Zuflüsse an neuem Material erhält. Denn jedes Jahr bereichert den synagogal-musikalischen Markt mit neuen Production en, bestehend theils in Bearbeitungen traditionellerGesangsweisen und theils in Compositionen modernen Styls für Vorbeter, Chor und Orgel. *Daza kommen noch liturgische Gesänge in den verschiedenen Landessprachen, Psalmen, Hymnen, Motetten, und sogenannte Predigtlieder, sowie Bearbeitungen von Synagogenmelodien für einzelne Instramente: Clavier, Violine, *) Man erinnert *ich, welches Anisehen seiner Zeit die Entdeckung weniger hebräischer Gesänge eines jüdischen Compomsten, Salomo de Bossi, (geh. 157U zu Mantua) durch den ▼erst. Oantor Nanmböurg in Paria gemacht hat. (Siehe übrigens das ״Jüd. Litteraturbl.“ No. 20 Jahn; IV. 1B75.1

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