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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-04-07 · No. 14. (7.4.1883) · p. Seite 56

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 14. (7.4.1883)
Date
1883-04-07
Page
Seite 56 (sequence 4)
Language
German
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fer den gesammten Cultus dieser monumentalen Gotteshäaeer geschehen. Meisterhaft sind seine Bearbeitungen aBjÜdischer Weisen für Chor, Vorbeter und Orgel. Der Charsoter seiner Tonsprache ist Einfachheit. Oemüthvoll, von tiefer religiöser Empfindung durchdrangen, sanglich, wahr und natürlich, rufen seine Gesänge den echten religiösen Eindruck hervor. Als Gesanglehrer hat er vortreffliche Schüler und Cantören gebildet“. — So weit die Skizze. (Schluss folgt > Recensionen. Programm der Beal- und Volksschule der isr. Gemeinde in Frankfurt a. M. 1883. Dem diesjährigen Programm geht eine Abhandlung des Directors Dr. Bä'Twald über den alten jüdischen Friedhof in Frgmkfurt voraus. Es ist von allgemeinem Interesse, Einiges daraus initzutheilen. Wie dies oft der Fall ist, liegt auch der alte jüdische Friedhof in Frankfurt in Mitten der Stadt. Man kannte ehemals die gesundheitlichen Nachtheile nicht, welche sioh damit verbanden. So begruben ja auch ehemals die Christen ihre Todten auf den Höfen, welche die Kirchen umgaben; daher hiessen die alten Friedhöfe: Kirchhöfe. Der in Bede stehende Frankfurter Friedhof lag aber ehemals!ausserhalb der Stadt; es ist dies wohl mit ein Beweis, dass die Juden Frankfurt’s vor Zeiten und ursprünglich einen anderen Friedhof hatten, und zwar in der Nähe ihrer früheren Wohnplätze. Der Platz ist in gewohnter Pietät unberührt, gelassen, aber nicht in Ordnung erhalten und deshalb auch nicht vor dem Zahne der Zeit geschützt. . Wie gewöhnlich knüpfen sich an solche Plätze viele traurigen Erinnerungen für Einzelne, wie für die Gesammtheit der Juden, und gar oft finden wir hier die einzigen noch übrig gebliebenen Quellen und Urkunden über wichtige Ereignisse und Persönlichkeiten. Um so dankbarer sind daher die Bemühungen des Babbiners Dr. Horowitz entgegenzunehmen, womit auch hier eine grosse Anzahl von Grabschriften gesammelt worden ist, die noch ihrer Sichtung und Benutzung harren. Ausser für Todte wurde der Friedhof ehemals auch zur Weide für das lebende Vieh benutzt, welches als ״Bechor“ der gewöhnlichen Nutzniessung entzogen waren. Jetzt ist der Platz seit 1828 geschlossen und vertragsmässig 100 Jahre unbenutzt liegen zu lassen. Die älteste Urkunde über diesen Friedhof ist von 1300; die älteste Inschrift des Friedhofs trägt jedoch schon das Jahr 1272. Indess ist die Gemeinde älter, da sie früher an anderen Stellen der Stadt wohnte und in deren Nähe auch wohl ihren Friedhof hatte. Die ältesten Nachrichten über die Juden Frankfurt’s liefern die Erfurter Annalen über die Jadenschlacht von 1241, welche auch in einer Kinnah von 9 Ab (אתאונן ואמונן) besungen ist mit ausdrücklicher Erwähnung des Namens Frankfurt. Der damalige Streit zwischen Christen und Juden zerstörte und nahm -den Juden Alles, wohl auch ihren Friedhof; einzelne Grabsteine, die sich in einigen benachbarten Gebäuden fanden und im Archiv auf bewahrt werden, rühren wohl daher. Die Juden wechselten nachher ihren Wohnplatz, zogen' nach dem heutigen Ghetto nnd verlegten dahin auch ihren'Friedhof, ursprünglich ausserhalb der Stadtmauer gelegen. Ans der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts stammt auch B. Simon. Hadarschan, Verfasser des Jalkut Schimeoni und damaliger Babbiner von Frankfurt. Aach dieser Umstand giebt Zeugniss für das höhere Alterand die Bedeutendheit der Frankfurter Gemeinde. Der Grand nnd Boden des Friedhofs war Eigenthum der Gemeinde, während bekanntlich die Wohnhäuser der Jadengasse auf!städtischen Grund und Boden stehen; ein Beweis, dass den Jaden dieser neue Wohnplatz nachträglich und zeitweilig von der Stadt angewiesen wurde. Die Juden Frankftirt’s sind ebenfalls häufig gebrandscbatzt worden, von der Stadt, vom Erzbischof (Mainz) und von den Kaisern, obgleich sie kaiserliche Kammerknechte, obgleich sie anderweitig verkauft waren. Für alle Bedürfnisse, private una öffentliche, sollten die Jaden das Geld hergeben, für! Kaiserwahlen, fiir Kaiserkrönungen, für Beichstage,! Concile (z. B. auch za Costnitz) Natürlich dass die Juden da oft in Noth waren In einer solchen verpfändeten sie ihre Synagoge nnd ihren Friedhof kauften ihr Anrecht zurück, aber verpfändeten dieses heilige Gat noch einmal und zwar fiir immer. Im Jahre 1333 wurde der Friedhof in den erweiterten Festungskreis der Stadt gezogen und die ihn umgebenden Mauern wurden mit befestigt. 1349 wurden die Juden auf's neue durch die Flagellanten beunruhigt, die Juden flohen auf den Friedhöf nnd von da ausserhalb der Stadt; indess wurden sie wegen der schuldigen Rente bald zarückberufen und nun die Einzelnen mit Schutzbrieten versehen, von denen mehrere noch aufbewahrt werden, der älteste aus dem Jahre 1366. In die Judengasse zogen die Jaden 1492 Wegen der schuldigen Bente wurde der Friedhof von der Stadt gesperrt und zur Ausgleichung eine Steuer für die Beerdigung aller Fremden gefordert, für welche bei Armen die Gemeinde aufkommen musste; wegen der grossen Zahl von Armen gleichzeitig eine grosse Last. Bei der Belagerung von 1552 lagen Kriegsknechte auf dem Friedhofe die ihn sehr beschädigten; ebenso geschah dies in dem Aufstande Fettmilch (1614) Im Jahre 1640 erhob ein Privater einen Streit wegen des Durchgangsrechts durch den Friedhof, der aber gütlich beigelegt wurde; der Streit war eigentlich wegen der auf dem Friedhofe weidenden Ochsen entstanden, die den Durchgang gehindert und gefährdet hatten. 1694 wurde ein benachbarter Bleichgarten zur Erweiterung angekauft; diese Erweiterung aber unterblieb. Denn der Friedhof umfasst einen Flächenraum von mehr als 5'/, Morgen. Dazu kam, dass im Jahre 1711 der grosse Brandausbrach, und zwar im Hanse des Babbiners Naftali Cohn, der gefänglich eingezogen wurde, Frankfurt verliess und auf seiner Wanderung nach Jerusalem 1719 in Constantinopel starb. Nach dem angekauften Bleichgarten wurden damals die Backöfen verlegt, welche man für feuergefährlich hielt Auch ein neues Hospital wurde dort erbaut, ein Spritzenhaus, ein Holzplatz und ein Schlachthof fiir Federvieh dort angelegt. Später errichtete man dort das jetzige Schulgebäude und die neue Synagoge. Mit Becht wird hervorgehoben, wie wichtig die jüdischen Grabinschriften sind. Kunstvolle Denkmäler sind es freilich nicht, aber Denkmäler der Liebe, die man den Seinen setzte. Sie sind wichtig für die Geschichte der Gemeinden und Familien, aber auch für die Sitten und Culturgeschichte der Juden. Keine Gemeinde sollte es vernachlässigen, sich die Erhaltung solcher Denkmäler angelegen sein zu lassen. Sie sind Zeichen dafür, wie die Juden im Leben handelten und wie sie ihre Todten behandelten. Dem schlichtesten und einfachsten Juden wird stets Gerechtigkeit und Liebe nachgerühmt. Wie kommt es nun, dass man andererseits die Juden stets der Ungerechtigkeit und Lieblosigkeit angeklagt hat? Die Leichensteine sind die untrüglichsten Denkmäler und die deutlichsten Zeugen zu Gunsten der Juden. Lasset doch solche Denkmäler nicht untergehen, bewahret euch solche Zeugnisse! Alzey. Dr. Both8child. Verantwortlicher Bedacteur.Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wollt־, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Lcip>:!£

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