Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 13. (31.3.1883)
- Date
- 1883-03-31
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Es!rar and ist einmal so and wird immer 80 bleiben. _ '־ - - * -fg.T‘ . , ‘1••»»^ Und diese Fra^je wird ja aaöh. bei'der Vonnseetaang eine» Gettos nicht gelöst, wenn man nach den Gründen forscht, die den Sebüpfangsaot bedingen. Der Anstoee oder da8^ Urmotiv, beide« gleich, entzieht sich unserer Betrachtung, weil beide über die Zeit hinausgehen; der Mensch aber nur zeitlich Alles entlassen kann. Für die menschliche Betrachtung, so weit, .sein Wahr• nehmen and Wissen reicht, ist die Entwickelung des menschlichen Organismus klar und offen hier dargelegt. Wenden wir ans nun seinen geistigen Fähigkeiten zu. _ (Postsetamg folgt). Die ״Neue Evangelische Kirchenzeitung“ über Richard Wagner. J)as bekanntlich recht jadenfeindliche, für Stöcker söhwärmende Berliner evang. Kirchenblatt urtheilt in der No. vom 3. März c. über Richard Wagner — nachdem es über die ״königliche Verherrlichung“, die dem Verstorbenen erwiesen und das ״überschwängliche Lob and die Betonung des unersetzlichen Verlustes“ ixonisch berichtet — wie folgt: ״Wir sind stets der Ueberzeugnng gewesen, dass Wagner’s musikalische Principien, seine Reformation, sein Prophetenthum im Beiche der Töne, consequent fortgebilaet, zur Aufhebung jeder echten Musik führt. Wir waren der Meinung, dass es keines Jahrzehnts bedürfen wird, um die grossen, jetzt vielbewunderten ״Mnsikdramen“ beinahe gknzlich von den Bühnen verschwinden za lassen, und ן dass die Theile öder Stücke Wagnerscher Masik, welche ein dauerndes Löben haben werden, am wenigsten diejenigen sind, welche besonders oharacteris tisch seine Principien oder seine Musik reformation darstellen. Wir haben endlich schon früher darauf hingewiesen, dass trotz Parsifals und seines Missbrauche christlicher Motive Wagners Schaffen in Wort and Ton ein unverkennbar skeptisches, antichristliches Gepräge trägt. Ein Ziel stand WagDer vor Aagen: seine Musik, seine Eigenart, seine Erfolge und Triumphe, mit einem Wort: Wagner. Misserfolge haben ihn nie entmnthigt, andere Ansichten nie gekümmert oder gar beeinflusst. Als man ihn aaspfiff and verhöhnte er schüttelte den Staub von den Füssen. Als man ihn feierte, ihm diente, ihn vergötterte — das war sein zweifelloses Becht, keines besonderen- Dankes ־werth. Als er Noten abschrieb and hungerte, da war die Welt za ihrem Schaden seiner nicht werth. Als er hohe Gönner fand und begeisterte Freunde, als Geld und Gat ihm, wie nie einem Künstler vorher, inasslos zufloss, es war nichts dabei zu verwundern. Diese höchste Meinung von sich selbst Hess ihn überall als musikalischen Gewaltherrscher auftreten. Was sich nicht unbedingt beugte, *war Feind and Narr. Was ihm folgte und seine Sache verfocht, das that nur seine Pflicht und hatte darin einen schon übermässigen- Lohn, dass er ihm dienen durfte. — Diese Zielgewissheit, diese unbedingte Sicherheit, dieses selbstherrliche, energische Wollen, obgleich persönlich abstossend, hat zweifellos einen überaus grossen Antheil an seinen Erfolgen. Dazu kommt noch ein Drittes. Wagner war ein Kind des Geistes seiner Zeit. Er war nicht nur mit einem Tropfen demokratischen Oeles gesalbt, sondern von ihm ganz durchdrungen. Der Geist, der ihn in Dresden auf die Barrikaden führte, hat ihn nie verlassen. In der Liebhaberei für titanische Gestalten, die das Bestehende zertrümmern, in der Därstellang.einer Liebe, die göttlichtes und menschliches Gesetz mit Füssen tritt, > and in vielen grossen und kleinen Zügen seiner Wake , tritt das *hervor. Das haben viele herausgefühlt und sind‘in diesem Sinne seine Anhänger geworden. Ein unruhiges Leben, voll wunderbarer, ungelöster Widersprüche, voll Kraft and Gaben, ein Rathsei in sich und ein Bäthsel in der Höhe des Buhmes and des Erfolges, das ist Wagner, an dessen Person und Werken nicht nnr musikalische, sondern psychologische Stadien zu machen sind. Seine Heimath hatte er sich in Bayreuth gegründet. In dem Garten seiner Villa im selbsterrichteten Grabe liegt er begraben. Die Villa nannte er: Wahnfried.“ — Diese Verurtheilung Wagner’s vom religiössittlichen Standpunkte aus dürfte für unsere jüd. Leser von besonderem Interesse sein. Litteraturbericht. Recensionen. Frankfurter B&bhinen. Ein Beitrag zur Geschichte der isr. Gemeinde in Frankfurt a. M. IL von Joseph Hahn bis B. Jakob hakohen Popers (1614—1740) von Dr. M. Horwitz, Babbiner. —Beilage zum Berieht der isr. Beligionsschule. Frankfurt a. M. Commis8ion8-Verlag der Jaegerschen Buchhandlung 1883. 106 S. 8 (91 Text 15 Anhang). Ein Gebiet, auf welchem die Rabbiner des Mittelalters vielfach Bedeutendes geleistet, sowohl die nichtbeamteten Gelehrten, wie die gelehrten Beamten, ist so völlig, ohne Bedauern ihrerseits, den Babbinem der Jetztzeit fremd geworden, dass der Verf. für seine klare Darstellung dessen, was seine Vorgänger auf dem Gebiete der Verwaltung -*und Organisation geschaffen haben, unsere ungetheilte Bewunderung sich erworben hat. Es ist dies ein neuer Vorzug des zweiten Heftes, dass mit allen Tugenden seines älteren Bruders ausgerüstet ist. Treffliche Characteristik der Männer und ihrer Werke mit besonderer Hervorhebung dessen, was sie unseren Zeitgenossen nah und vertraut und gleichgestimmt zu zeigen im Stande ist. Ihre Bedeutensten sind B. Sabbathai Horowitz (וד העמודים), Meier Schiff (חידושי הלכות מהרם שיף und דרושים) der erst 36 Jahr alt starb (gegen Pilpul), B. Ahron Samuel Kaidnover (ברכת הזבח talmud. Comxnentar mit Textkritik), R. Samuel ben Zwi aus Krakau (1690), Hinweise auf die Parallel-Steilen im Talmud, sowie auf die Entscheidungen der Posskim (B. Samuel Schotten (כום ישועות) B. Jacob hakohen Popers (שב יעקס 1656 werden 4 jüdische Aerzte genannt, die nach der Instruction als Gemeindebeamte behandelt wurden. Der um 1700 schriftstellernde Arzt (0' דמיון הרפואות auch: ־Harmonia Wallichia medica) trägt denselben Namen wie die Coblenzer Aerztefamilie, aut welche Referent im Litteraturblatt 1881 No. 33 hiagewiesen hat. Ein Unterrichtsvorstand überwachte die 10 Kinder* lehrer nebst den 30 Hilfslehrern. Sehr reich und mit; sicherem Blicke ist das für Culturgeschichte Bedeut- \ same hervorgehobeu. Zur Geschichte der Gemeinde I werden die beiden bedeutenden Vorfälle, der Aufruhr des Viucenz Fettmilch (1614—1616) und der Frankj fürter Brand (14. Januar 1711) eingehend beleuchtet j (Ein kleiner Zag aas letzter Zeit dürfte allgemein i®' j teressiren. Der der Brandstiftung verdächtigte Rabbiner!