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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-03-10 · No. 10. (10.3.1883) · p. Seite 38

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 10. (10.3.1883)
Date
1883-03-10
Page
Seite 38 (sequence 2)
Language
German
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m w ¥\ m m: f. 1' 3: ä $ofoh» Ansichten bekämpfte und w«nftu£ er, so sehr br auch sonst bei seines* leBÄiaftÄl. Interesse ״für die groSecB^Krangenschaften.■ der modernen NatumiBsea- Schaft *a eener ypnchähiscfcenAiiflftinnng des Weltpfiohetew11|rinn<i|^r tüfflen EBtaehiedjsxprtc sind behauptfite oft,־ schon bei kleinen Kindern liesse sich ein anabbüngig ▼on den Naturtrieben wirksames, auf eine ursprüngliche sittliche Anlage zurückzufahrendes Gefühl für Nacht und Unrecht unverkennbar wahrnehmen. Es hing dies eben mit der ganzen ethischen Lebensaafiassung zusammen, die ihm eigen wa1־, hin8ichtlieh deren er ganz auf dem Boden der ▼on ihm auch in theorethischer Hinsicht ungemein hoch gehaltenen Kant'schen Philosophie stand, und ebenso gründete sich bei ihm, wie "bei seinem Königsberger Meister ז die religiöse Lebens- und Weltanschauung auf das Ethische. Aus der für ihn unerschütterlich feststehenden Thatsache des Vorhandenseins einer sittlichen ־Waltordnung ersah und erkannte er als treuer An- Bänger der Kant’schen Lehre das Walten Gottes. Iu diesem Sinne pflegte er oft jene Psalmstelle (c. 17,15) atazuführen und zu denten: ״Wenn ich, o Gott, im Rechtund in der Gerechtigkeit Dein Angesicht erschaue, dann wird mein Drang nach Dir befriedigt, ohne dass ich durch Deinen Anblick trunken in Schwärmerei ▼fcrfidle“• Von dieser rein ethischen Seite fasste er, wie die Religion überhaupt, so insbesondere das Judenihum aaf^ mit dessen Litteratur er, wie selten einer, vertraut war und für dessen sittlichen Inhalt er sein gl nzes Leben hindurch in Wort und Schrift anablüisig und begeistert kämpfte. Aus Galizien stammend,*) wo durch Männer wie 'Krochmal und Rappaport eine neue Aera für die Litteratur und Wissenschaft des Judenthiyns angebahnt worden, stand er mit diesen Männern sowohl wie später mitZuhz, Gr ätz und Anderen in regem wissenschaftlichem Verkehr, und seinem feinen Kennerblicke für die biblische und spätere jüdische Litteratur, seiner geistvollen Anregung verdankte die Wissen- Schaft des Judenthums so manche werthvolle Erkenntniss. Er hat Mehreres davon gewöhnlich in hebr. Briefen — er schrieb das Hebräische meisterhaft — in jüdischen Zeitschriften veröffentlicht. Auch an den inneren rel. Fragen des deutschen Judenthums betheiligte er sich in reger Weise; so schrieb er zur Zeit der Frankfurter Rabbiner Versammlung eine geistreiche originelle Broschüre über die Wirren im Juden» thum. Es sei hier nur noch auf die allgemeine Bildüng des Dahingeschiedenen, auf sein umfassendes pbiloSbphisches Wissen, seine schriftsteh erische Thätig--־ keit auf philosophischem Gebiete und zuletzt auf seine Antheilnahme an der Anregung und Entwickelung des geistigen Lebens in der Stadt Thora in kurzen Worten hingewiesen. Wenn man bedenkt, dass der Verstorbene Autodidakt war, und dass er all’ seinen geistigen Besitz nur seiner eisernen Arbeit und dem *) Sein und seiner Gattin Stammbaum ragt bis zu den •dien jttcL Gelahrt—familian de• שלה und חכ0 צכי hinauf. ▼on Jagend auf ins «iah selbst heraus «iah bahnbrechenden Wissensdrangs verdankte, 8b mujfs man »in ferehrimgsvoUen Bewunderung "über den grossen Umfang von Kenntnissen erstaunnen, die'eh sich zu eigen gemacht hat Abgesehen von der schönen und belletristischen Litteratur, die er durch alle ihre Stadien hindurch bis zu den neuesten Erscheinungen mit regem Intere8se verfolgte, abgesehen von seiner eingehenden Kenntniss der klassischen deutschen und französischen Litteratur, hatte er sich auch mit dem Besten und Vorzüglichsten aus den Litteraturen der Griechen und Römer, meist freilich durch die Lectüre guter Uebereetzangen, vertraut gemacht. Umfangreich waren seine Kenntnisse aut dem Gebiete der Geschichte, und die Resultate der Naturwissenschaft verfolgte er, soweit sie dem Laien zugänglich sind, durch die Lektüre von Zeitschriften and populär gehaltenen Büchern mit nie ermattendem Interesse. Vorwiegend aber war sein Interesse dem Studium der Philosophie zugewendet, auf das er immer von Neuem wieder zurückkam, und in dem er Erholung und Trost suchte und fand, so oft ihn Widerwärtigkeiten des Schicksals allzuhart mitzunehmen drohten. Die alten Denker kannte er theils ans deutschen Uebersetzungen, theils durch Vermittelung der jüdisch-arabischen Philosophie, mit der er sich ganz vertraut gemacht hatte. Eingehend hat er sich mit der neuplatonischen und gnostischen Philosophie beschäftigt, auf deren Quellen er das' g inze System der jüdischen Geheimlehre zurückführte, in seiner Schrift: ״ Zofnat-Paaneach. Darstellung nnd kritische Beleuchtung der jüdischen Geheimlehre*, welche in Krakau iu den Jahren 1862—63 erschienen ist. Von den neueren Denkern waren es ganz besonders Spinoza, Kant und Hegel, mit denen er sich eifrig beschäftigt hat. Auf Spinoza’s Philosophie, über deren genetische Entwickelung der Dahingeschiedene eine neue Ansicht aufgestellt, die Ueberweg in seiner Geschichte der Philosophie einer eingehenden kritischen Würdigung unterzogen hat, bezogen sich ausser seinem im hiesigen Copernikusverein bei Gelegenheit der 200 jährigen Gedächtnissfeier Spinoza’s gehaltenen Vortrage, mehrere in der ״Zeitschrift für exacte Philosophie “ von ihm erschienene Aufsätze. In dem obengenannten Vereine sowohl wie auch im Thomer Handwerkerverein hat er eine grosse Zahl interessanter and anregender Vorträge gehalten, von denen der über ״Lessing und Strauss“, über ״die deutsche Aufkläruagsmethode“ und ״über den Einfluss der deutschen Philosophie auf die Entwickelung des Nationalbewusstseins“ noch in Vieler Erinnerung sein werden. Alles, was hier von ihm gesagt ist, ist jedoch nur ein schwacher Abglanz der Vorzüge und Tugenden, die den Dahingeschiedenen geziert. Nur wer ihn näher gekannt, nur wem es vergönnt gewesen, lange Jahre hindurch seinen geistig anregenden und za allem Gaten and Edlen anspornenden und ermunteraden Umgang zu gemessen, vermag sich das ganze und volle Bild seiner grossen und edlen Individualität

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