Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 10. (10.3.1883)
- Date
- 1883-03-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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THo. 1m ■ י t ל־^— üäiöehes & ■;.׳ 5רגג־-'• ] Sv Mwektiif aller Jvdeathew aad /■d«a latnC'eadM IltUrarlsehea Er- •eMausa 4af dw Gebiete der Phflo• Mfhky fitteUekte, BtkNgnpkle, Theolefle, Grleatelle, Exegeae, Beadletlk, ן LlUrgtk, Pädagogik. Herausgegeben ▼on Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. €JKtog3e6־ut^, 10. 9TLäz-j& 1883. BKk«r *m *■MhU•!••■ Litton■*,* *tm MHlln mun It w«W, I U «•M Blatt« «!■«*haU• ] M EtiHidii! tu ■vii IwMilap KzaarUn■ •rftlft «imauM(• Barst Oratta-laaartUa. Das njtdische Ltttermtar-BlaM“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bei allen Bachhandlungan (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang B Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Woehenschrift‘1 (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen S Mark kostet) erhalten das ״Jüdische litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werde■ mit M Pf. für die gespaltene Petitzeile berechnet nnd von der Expedition dieses Blattes sowie durch ave Central-Annoncen-Expedition ▼on 6. L. Daabe * C*., Frankfurt a. M., Magdeburg, Berlin, Cöln, Hamburg, München, Zürich, Wien, Paria befördert. Inhalt: | W issen schattliche Aufsätze: Isaak Misset. — lieber die angebliche Abstammung der Kaffem und Feflatah’s von den Jaden. Von Rechtsanwalt Metz in Bielefeld. Litter aturbericht. Lattes, M. Dott. Vabbj Nuovo Saggio di Oianto e Correzione ol Lessico Tahnivdico (Levy — Fleischer' Memoria Reale Academia dei Linicei (1880—1881) Rowa col Tipi del Salviuccd 1881. 1 Notizen. Nachdruck nur mit Groller Quellenangabe gestattet. Isaak Misses. Geboren in Lemberg i. J. 1802 Gestorben in Thorn 3. Februar 1883. Es war ein seltener Mann, dessen sterbliche Hülle sie mit allen Ehren am 5. Februar d. J.j in Thorn in die kühle Erde gesenkt haben, selten nicht nur wegen seiner hervorragenden Geistesanlagen, seines unermüdliehen Forschnngsdranges nnd seines umfangreichen •Wissens auf verschiedenen Gebieten menschlicher Geistesarbeit, sondern auch vor Allem gelten an Adel nnd Erhabenheit der Gesinnung, an Reinheit und Lauterkeit des Herzens, an Grösse und Festigkeit des Characters. In seltener Weise vereinigten sich in ihm die Tugenden des Denkers mit denen des die Welt nnd das Leben gemüthvoll auflfassenden Gefühlsmensohen. In seinem wissenschaftlichen Denken und Arbeiten stets nach strenger Folgerichtigkeit strebend, rücksichtslos der reinen, ungeschminkten Wahrheit nachforschend, selbst wenn es galt, manches durch Erziehung nnd Gewohnheit Liebgewotinene dadurch gefährdet und zu Falle gebracht zu sehen, bethätigte er im Leben seinen Nebenmenschen gegenüber stets die rücksichtsvollste humanste Gesinnung. Gegen sich selbst ein strenger Richter, war sein Urtkeil Anderen gegenüber stets ein mildes und liebevolles, das Alles, sofern es nur nicht gegen das unerbittliche strenge Sittengesetz, welches ihm Leitstem*in seinem langen vielbewegten, arbeitsnnd wechselvollen Leben war, Tersties8, zu entschuldigen oder zu vej^eihen geneigt ,war. ״Verurtheile Reinen, ehe Dn an seiner Stelle und in seiner Lage gewesen“, so lautete sein oberster Grundsatz für die Benrtheilnng der Menschen. Eia zweiter Grundsatz,, der sein Leben bestimmte und leitete, war der der unbedingten Gleichheit alles dessen, was Mensch ist, in sittlicher nnd rechtlicher TTmainht ohne Unterschied des Glaubens and der religiösen; , Ueberzeagang, des Standes and der ges ellschafthohen ‘ Stellung. Diese Gesinnung bethätigte er allen Denen gegenüber, die zu ihm in dem Verhältnias einer' abhängigen Stellung gestanden; er war ihnen stets 1 ein Wohlthäter nnd sorgte nach Kräften für sie and ihre Angehörigen, gleich als ob es seine eigenen wärav Ein hervorstechender Zug in seiner Gesinnung war ferner die strenge Objectivität in der Beurthethmg von Ansichten nnd Ueberzeugangen Anderer und die1 darauf sich gründende Idee der Toleranz, die er anablässig sowohl selbst übte, wie auch denen, die ihm näher gestanden, za üben einschärfte. Nor eine Grenze, pflegte er zu sagen, 8011 und darf bei Ans* , Übung des Grundsatzes der Toleranz nicht überschritten, werden: sie darf nicht geübt werden gegart׳ die Intoleranz, weil sie dadurch sich selbst aufbeben nnd diese zur Herrschaft zu bringen verhelfen würde, wodurch die Idee der Gleichberechtigung aller & Ueberzeugangen nnd damit ein gar wichtiger Theil der unverbrüchlichen Menschenrechte aufgehoben werden könnte. Die Begeisterung für die Idee des Bechts Vj durchglühte sein ganzes Wesen glejgh einer heiligen,' nie erlöschenden göttlichen Flamme. Sah er einmal, Unrecht verüben oder horte er davon, so erfasste ihn eine unnennbare sittliche Entrüstung, die sich in einer fast fieberhaften Gluth seines Körpers und seiner Züge kundgab. — Nichts konnte bei ihm eine so entschiedene und so scharfe Opposition hervorrnfen, als wenn ihm, sei es in der Lectüre, sei es in der mündlichen Unterhaltung, die Ansicht begegnete, dass die obersten Gesetze der Moral und des Rechts sammt ihrer Grandläge, der sittlichen'Anlage des Menschen, nioht ursprüngliches Besitzthum desselben, sondern etwas. ׳ Gewor־ denes, historisch Entwickeltes seien, und dass der Wille des Menschen nicht frei sei, sondern gleich allen anderen Vorgängen in der Welt durch mech&niäoh. wirkende Naturursachen bedingt und bestupmt werde ־vi