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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-03-03 · No. 9. (3.3.1883) · p. Seite 35

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 9. (3.3.1883)
Date
1883-03-03
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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' Opern im grossen Czarenreiohe eine Gassi 1 na bahnen, und damit -ist die Reihe derer ans I irael, denen ־Wagner Grosses verdankt^ noch lange nicht geschlossen. Mussten doch bis zum , letzten Athemzi ge jüdische Kräfte ־wacker mithelfen, den Wagner’solen Ruhmeswagen weiter zu ziehen und ins Rollen zu bringen, wie ja noch in Bayreuth der Münchener < Kapellmeister Levy den Taotstock für ihn schwang Und weil in dieser Weise, während sein Vaterland, w( er auch anklopfte, ihm den Rücken wies, einzelne Juden es waren, die ihn mit Wohlthaten unterstützt, darum war Herr Richard Wagner der erste, der das jüdische Volk offen und verkappt in hämischester boshaftester Weise angriff, wiedessen, seine unter der 1 Pseudonym Carl Freimark im 1850. Jahrgang der Brendel’schen Musik-Zeitung ״Gegen die Veijüdung dar deutschen Musik“ geschriebenen gallegetränkten Aufsätze, sein 1869 erschienenes ״Judenthum in der Musik“ etc. unrühmliche Zeugen sind. Wahrlich, mit mehr Undank sind nie empfangene Wohlthaten heimgesahlt worden, und wenn es wahr ist, was die Anhänger und Verehrer Wagner’s behaupten, dass er der echtest» und unverfälsch teste Ausdruck des deutsche nNation al-Characters unserer Tage sei, nun denn, wie gross auch sonst sein Genie, seines Geistes Können und Kraft gereicht haben möge, eine Tugend fehlt doch dann im Kranze seines Ruhmes und das ist — die Tugend der Dankb a r k e i t. Ernst Ränan über das Judenthum. (Schluss.) Der Krieg gegen Bar-Kochba bezeichnet das Ende der grossen jüdischen Propaganda; die talmudische Aera beginnt, die Aera der Absperrung und des gegenseitigen Hasses. Wenn eine grosse Bewegung die Welt erfüllt hat, kehrt sie sich nicht selten zum Nachtheil derer, welche den ersten Anstoss dazu gaben; diese bereuen dann beinahe, was sie gethan, und werden Reactionäre. Nichtsdestoweniger wurde das Bekehrungswerk, von den Gelehrten verdammt, durch fromme Laien fortgesetzt, welche dem! alten Geiste treuer blieben, als die buchstabenstrengän Beobachter des Gesetzes. Daher kommt es, dass noch nach der Redaction des Talmud, namentlich in Arabien und Abyssinien, ein eifriger jüdischer Proselytismus ausgeübt wurde, der dem Judenthum Stämme zuführte,1 die nur auf sehr indirekte Weise oder gar nicht mit Israel verwandt waren. Eine Zeit lang schien es; sogar, als ob ganz Arabien jüdisch werden sollte. Eine noch merkwürdigere Tliatsache ist die Bekehrung der Khazaren gegen das Ende des achten Jahrhunderts, und diese Thatsache ist wohl beglaubigt. Dieses tartarische Reich, das sich vom Kaspischen Meere bis zur Krim erstreckte, wurde jüdisch. Zu derselben Zeit erscheinen tartarische Namen wie ״Toktamisch“ in den hebräischen Zuschriften der Krim. Das war kein alter Palästinenser, der Isaak oder Jacob hiess und nun :״Toktamisch“ sich nannte, sondern unzweifelhaft ein bekehrter Eingeborener oder der Sohn eines solchen. Das ist sehr wichtig und berechtigt zu der Vermuthung, dass unter der an Zahl so bedeutenden Judenschaft( des südlichen Russland und der slavischen Länder überhaupt nur eine geringe Qualität palästinensischer ]Elemente sich befindet. Die jüdische Propaganda wurde hauptsächlich durch den Hausdienst und die Sklaverei gefordert. Die Dienstleute eines jüdischen Herrn wurden sehr häufig auch Juden. Daher die eifrige Strenge, mit der die ohrist• liehen Obrigkeiten geistlichen und weltlichen Standes zu allen Zeiten den Jaden ▼erboten haben, christliche Dienstboten zu halten. Dieses Gebot macht sioh namentlich bemerkbar bei den Slaven, zu der Zeit, wo Christenthum und Judenthum sioh bei ihned. niederliessen. Man spricht von einem jüdischen Typus. Es giebt mehrere jüdische Typen, welche sich bis zu einem gewissen Grade gehäuft und befestigt haben in Folge der Unmöglichkeit gemischter Ehen. Eine in strengster Abgeschlossenheit gehaltene M inorität muss naturgemäss ihre besonderen Sitten haben. Es giebt, wenn man sich so ansdrücken darf, eine Psychologie der religiösen Minoritäten, und dieee Psychologie ist unabhängig von der Race. Die Lage der Protestanten in Frankreich bietet mehr als eine Analogie mit jener der Jaden, obgleich die. beiden Gruppen nicht blutsverwandt sind. Die Anklagen, welche Ungebildete gegen eie richten, sind die nämliehen. Die Folgen eines Lebens unter Zwang nnd Druck gleichen sich immer nnd überalL Was die Gleichartigkeit des Geistes im Schoosse einer Secte betrifft, so erklärt sie sioh genügend ans der Gemeinsamkeit der Erziehung, der Lectüre and der religiösen Uebungen. 1 Als Beleg hierfür citirte Renan das Beispiel der Dörfer nördlich von Damaskus, wo der Gebrauch des Syrischen sich erhalten hat Die Bevölkerung dnqer Dörfer ist nachgewiesener Massen ein Rest der alten syrischen Bevölkerung; sie ist darum von derselben Race wie die Syrier, welche Christen geblieben sind. Nirgends aber ist der Gegensatz von Sitten Und Gewöhnheitea grösser als zwischen christlichen und mnhamedanisehen ,Syriern. Die Bevölkerung der syrischen Dörfer nördlich von Damaskus istmuhamedamschundsie unterscheidet siÖh in Nioht9 von den übrigen Muselmännern. Und doch ist sie blutsverwandt mit den christlichen Syriern, die in Sitten und Gewohnheiten ihr vollendetes Gegenstück bilden. Renan wies schliesslich darauf hin, dass diese Erörterungen, so interessant sie für die Geschichte und Ethnographie sind, doch für die Politik, wenigstens für Frankreich, nicht von Bedeutung seien. ״Frankreich“, sagte er, ״hat den guten Theil erwählt, unlÖsbare Racenfrägen ans dem Bereich der nationalen Fragen zu streichen. Die National-Versammlung von 1791, als sie die Juden emancijfirte, fragte nicht, ▼an welcher Race sie wären. Es ist die Aufgabe des neunzehnten Jahrhunderts, die Schranken aller Ghettos niederzureissen. Wir machen Denen keine Complimente, welche ihrer Nationalität zu dienen glauben, wenn sie diese Schranken wieder aufriohten. Eine Menge von Individuen, welche der jüdischen^Religiön angehören, leisten der Civilisation und unserem fransösischen Vaterlande wichtige Dienste. Das genügt ans. Wir schätzen den Menschen nach dem, was er werth ist, nicht nach dem Kult, dem seine Väter anhingen, oder näch dem Blute, das in ihren Adern fliesst. Im Uebrigen ist die Religion, welche die grossen Reformatoren des achten und siebenten Jahrhunderts ▼or Christus gestiftet haben, schön genug und sie nimmt einen 80 hohen Rang in der Geschichte der Menschheit ein, dass man schon stolz darauf sein kann, ihr anzugehören“.

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