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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-03-03 · No. 9. (3.3.1883) · p. Seite 34

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 9. (3.3.1883)
Date
1883-03-03
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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bringen. Aber trete Talent, trojt* Vaterland und Anatreogmg sind alle Versuche, in Deutschland festen Fase *ö fassen vergebens. Und non höre man den Mann, Ser 1869 sein ״Judenthum in der Maaik‘r|schrieb and bereite 1860 verkappt gegen die Jaden auftrat and dadurch der Vater des heutigen Antisemitismus wurde, selbst eraählen: ״Iu Boulogne sur mer blieb ich vier Wochen; dort machte ich die erste Bekanntschaft M• verheer’», ich liess ihn die beiden fertigen Acte meines ״Riensi“ kennen lernen; e r sagte mir anf das Freundlichste seine Unterstützung in Paris in. Mit sehr wenig Geld, aber den besten Hoffnungen betrat ick nun Paris. Gänzlich ohne alle Empfehlungen, war ich einzig nur auf Meyerbeer angewiesen; mit der ausgezeichnetsten Sorgsamkeit leitete dieser für mich sin, wss irgend meinen Zwecken dienlich sein konnte, und gewiss wäre ich bald zu einem gewünsehten Ziele gekommen, hatte ich es nicht sonnglücklich getroffen, dsss grade wählend der ganzen Zeit meines Pariser Aufenthalts Meyerbeer meistens und fast immer von Paris entfernt war. Auch aus der Entfernung suchte er mir zwar nützlich zu sein, nach seinen eigenen Voraussagungen konnten briefliche Bemühungen aber da von keinem Erfolge sein, wo höchstens das unausgesetzteste persönliche Eingreifen von Wirkung werden kann. Zunächst trat ich in Verbindung mit dem Theater de la Renaissance, welches damals Schauspiele and Opern sogleich aufführte. Am geeignetsten für dieses Theater schien mir die Partitur meines ״LiebesVerbotes“. Ich war dem Director des Theaters von Meyerbeer so dringend anempfohlen, dass er nicht anders konnte, als mir die besten Aassichten zu י"**•■!»«!- Demzufolge erbot sich mir einer der fruchtbarsten Pariser Theaterdichter, Dtunersan, die Bearbeitung des Sujets su übernehmen. Drei Stücke, die zu einer Audition bestimmt wurden, übersetzte Dnmersan mit dem grössten Glücke. Alles versprach mir den besten Erfolg, als plötzlich das Theater de la Renaissance Bankerot machte. Alle Mühe, alle Hoflhnngen waren also vergebens gewesen. In demselben Winterhalbjahre, 1839 sa 1840, oomponirte ich ausser einer Ouvertüre zu Uöthe’s Faust, I Theil, mehrere französische Lieder, unter Anderen auch eine für mich gemachte französische Üebersetzang der beiden Grenadiere von H. Heine. , So trat ich in den Sommer 1840 gänzlich ohne äile nächsten Aussichten. Meine Bekanntschaften mit Habeaeck, Halevy, Berlios u. s. w. führten durchaas za keiner weiteren Annäherung an diese; in Paris hat kein Künstler Zeit, sich mit einem anderen zu befreunden, jeder ist in Hast und Eile um seiner seiltet willen. Al» ich so gänzlich ohne alle nächsten Aussichten auf Paris war, ergriff ich wieder die Compoeition meines ״Rienzi“. Mannigfacher Kammer and bittere Noth bedrängten nm diese Zeit mein־ Leben. . Plötzlich erschien Meyerbeer wieder aaf eine karze Zeit in Paris. Mit der liebenswürdigsten Theilnahme erkundigte ersieh nach dem Stande meiner Angelegenheiten nnd half, wo er kennte. Nun setzte er mich auch'in Verbindung mit dem Director der grossen Oper., Leon Pillet; es war dabei anf eine zwei- oder dreiaktige Oger abgesehen, deren Compoeition für dieses Theater, mir anvertraut werden sollte. Ich hatte ־für diesen Fall mich bereits mit einem Sajet-Entwurf vorgesehen. Der fliegende Holländer, dessen innige Bekanntschaff ich anf der See gemacht hatte, fesselte fortwährend meine Phantasie; dazu machteich die Bekanntschaft von H. Heine’s eigentümlicher Anwendung dieser Sage in einem Theile seines ״Salons.“ Besonders die von Heine erfandeae» echt dramatische Behandlung der Erlösung dieses Ahasveras des Oceans gab mir Alles an die Hand, diese Sage za einem Opern-Sujet zu benutzen. Ich verständigte mich darüber mit Heine selbst, verfasste den Entwurf nnd übergab ihn dem Herrn Leon Pillet mit dem Verschlage, mir danach ein francösisehes Textbuch machen zu lassen. So weit war Alles eingeleitet, als Meyerbeer abermals von .Paris fortging und die Erfüllung meiner Wünsche dem Schicksal überlassen musste. Bald war ich erstaunt, von Pillet zu erfahren, dass ihm der von mir überreichte Entwurf so. sehr gefalle, dass er wünschte, ich träte ihm denselben ab. Er sei nämlich genöfeigt, - einem älteren Versprechen gemäss einem andern Componisten baldigst ein Opembuch zu übergeben. Ich bekämpfte hartnäckig diese Zumuthung, ohne jedoch etwas als die Vertagung der Frage ausrichten zu können. Ich rechnete auf baldige Wiederkunft Meyerbeeris und schwieg. Während dieser Zeit wurde ich von Sohlesinger versnlasst, in dessen.!״Gazette mnsicale“ su «ehreiben; ich lieferte. mehrere ausführliche Artikel ״über deutsche Musik,“ ״Virtaoeeathum und freie Compoeition“ u. s. w. Vor Allem fand lebhaften Beifall eine kleine Novelle, betitelt.״Eine Pilgerfahrt Sn Beethoven.“ Diese Arbeiten haben mir nicht wenig geholfen, in Paris bekannt and beachtet zu werden. Im November dieses Jahres hatte ich die Partitar meines ״Rienzi“ vollständig beendigt and sandte sie unverzüglich nach Dresden. Diese Zeit war der Cnlmiaatiönspankt meiner äasserst traurigen Lage; ich schrieb rar die ״Gazette mnsicale“ eine kleine Novelle: ״Das Ende eines aehtschen Musikers in Paris“, worin ich den unglücklichen Helden derselben mit folgendem Glaubensbekenntnis« sterben liess: ״Ich glaube an Gott, Mozart und Beethoven.“ Gut war es, dass nun meine Oper bfendet war, denn jetzt sah ich mich genöthigt, aaf längere Zeit der Ausübung aller Kunst zu entsagen; ich musste für Schlesinger Arrangements für alle Instrumente der Welt, selbst für Cornet ä piaton übernehmen, denn unter dieser Bedingung war mir eine kleine Erleichterung meiner Lage gestattet. Den Winter zu 1841 verbrachte ich somit auf das Unrühmlichste. Bei dem Herannahen des warmen Sommers sehnte ich mich wieder nach einer geistigen Arbeit: die Veranlassung dazu sollte mir schneller kommen, als ich dachte. Ich erfahrt nämlich, dass mein Entwaif des Textes zam ״Fliegenden’ Holländer“ bereits einem Dichter, Paul Fouche, übergeben war. Ich hatte nun nichts Eiligeres zu than, als mein Sujet selbst in deutschen Versen atuszaführen. Alles ging mir im Fluge von Statten. In sieben Wochen war die ganze Oper componirt. Am Ende dieser Zeit überhäuften mich aber wieder die niedrigsten äusseren Sorgen: zwei volle Monate dauerte es, ehe ich dazu kommen konnte, die Ouvertüre za der fertigen Oper za schreiben, trotzdem ich sie fast fertig im Kopfe herumtrag. Natürlich lag mir nnn nichts so sehr am Herzen, als die Oper schnell in Deutschland zur Aaffuhrung za bringen; von München nnd Leipzig erhielt ich abschlägige Antwort. Endlich schickte ich meine neae Arbeit a q Meyerbeer nach Berlin, mit der Bitte, ihr die Annähme an dem dortigen Hoftheater za verschaffen. Mit ziemlicher Schnelle wurde diese bewirkt. D» bereits aach mein ״Rienzi“ für das dresdener Hoftheater anwillkürlich drängte sich mir die Ansicht anf, dass sonder-' barer Weise Paris mir vom grössten Nutzen für Dentschland gewesen sei. Für Paris selbst war ich jetzt auf einige Jahre aassichtslos, ich verliess es daher im Frühjahr 1842; zum ersten male sah ich den Rhein — mit hellen Thräneo im Auge schwur ich armer Künstler meinem deutschen Vater• lande ewige Treue.“ Hiermit schliesst die Wagner’sche Autobiographie "Was aber hat sie uns anderes offenbart, als dass'j der Meister, nachdem er vergeblich die verschiedensten und anstrengendsten Versuche gemacht, in Dresden,׳ Leipzig, Berlin und Paris festen Fuss zu fassen, die Juden Meyerbeer, Schlesinger undHeine es waren, \ die materiell und mit ihrem Einflüsse auf das Kräftigste ] für ihn eintraten, Meyerbeer in einer wahrhaft r ü h r e n-1 den Weise. Wer weiss, ob ohne Heine, dem er auch! zum Theil seinen ״Fliegenden Holländer“ verdankt,( ohne die Honorare Schlesingers und vor Allem die aufopfernde und wirksame Unterstützung Meyerbeer’s j Herrn Wagner das beneidenswerthe, so seltene Künstler- 1008 zu Theil geworden wäre, schon zu seinen Lebetagen voll und ganz, nach Manchen sogar überl seinen Werth anerkannt worden zu sein? Aber die« sind noch bei Weitem die Wohlthaten nicht alle, die der verstorbene Meister dem״Stamme Israel verdankt! Nicht blos seine Einführung in Deutschland, sein! Bekanntwerden in Paris, ist nach seinem oben gehörten; eigenen Geständniss jüdischen Künstlern und Schriftstellern zu danken, auch' mit der Einführung; seiner Opern inßussland nahm es den gleichen Ver• ן lauf. Hier war es der Jude Anton Rubinsteiln, der j unterstützt von der Autorität seines Namens Himmel! und Erde in Bewegung setzte, um den Wagner1sehen I

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