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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-03-03 · No. 9. (3.3.1883) · p. Seite 36

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 9. (3.3.1883)
Date
1883-03-03
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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*jrvrv *6 — :■י••־,'■)- Heoension. MT* Wl I Der!weite Band der gesammelten Sohriften von Xeopold Kompakt Hegt vor ans. Das Buch betitelt eich ״Böhmische Juden“ und enthält den .Dorfgeher“, Eine tferlorene״ Und ״Trenderl“. Wir durchblättern den. BaAd; von jeder Seite sehen uns bekannte Gestalten entgegen oder grösst uns ein gutes, denkwürdiges Wort, das wir schon vor Jahrzehnten lieb ' gewonnen und seither wie in dämmernder Erinnerung 1 uns bewahrt haben. ״Das Weltgemüth, das mit dem 'blonden Babbi von Nazareth am Holze starb, ging aus dem Ghetto hervor; ich sage dir, Funken und Blöthen leben noch heute unter seinen Bewohnern“. ־. In diesen Worten offenbart und kennzeichnet sich -Kompert’s Muse besser und klarer, als dies je ein Kritiker zu thun vermöchte. Die Funken und die Köthen, die er auf seinem Wege durch das Ghetto gefunden, konnten sich nur dem sinnenden Auge eines noch begabten Dichters offenbaren, und nur die Hand eines Poeten von ergreifender Innerlichkeit, ׳ eines Deckers, den die Aufgabe des Dichters mit feierlichem ־ Ernste durchglüht, konnte diese Funken und Blöthen äammeln und zu solch’ bedeutsamem Leben gestalten, wie dies in Kompert’s Werken geschehen ist. Die ״Böhmischen Juden*, haben für den Leser, der sich mit dem fortschreitenden Geiste in den Schriften des Dichters vertraut gemacht hat, einen ganz besonderen .Werth. In dem ״Dorfgeher“, in der kleinen Novelle, die den heissen Kampf zwischen der Liebe zur Heimat, zur Poesie des Ghetto und des Elternhauses, und zwischen der Liebe zu der erwählten Braut, der Tochter eines fremden Volkes, uns vorfuhrt, in dieser wie an goldenen Fäden sich hinspinnenden Erzählung entscheidet der Dichter, derselbe, der ans in späteren Jahren mit. dem Werke ״Zwischen Ruinen“ beschenkt hat, für die Rückkehr nach dem Ghetto, für die abgeschlossene Heimat, die keiner ihrer Söhne ln Wahr- ■ heit verlassen kann. In der ״Verlorenen“ sieht Kompert, mit der echten, rechten Ahnung des Poeten, allen L Ausgleich zwischen dem Ghetto und׳ der Aussenwelt ז', in der unbezwingbaren, opferwilligen,' treuen Liebe, und es mag vielleicht als ein von dem Dichter selbst kaum beachtetes Merkmal seiner tiefen Kenntniss des v ׳ menschlichen Herzens erscheinen, dass er den Schritt ל aus dem Ghetto hinaus ein Weib thun lässt, und dass die Vereöbnnng, die nach bitterem Kampfe erfolgt, unter den segnenden Händen einer sterbenden Mutter aufbläht. _ ‘ Notizen. Paris. Der ״Academie des inscriptions et des heiles lettres“ ist kürzlich eine Handschrift vorgelegt worden, welche über das aogemannt« ״Grab der Patriarchen“, d. h. des Abraham, Isaak and Jacob folgende höchst interessante Details enthält. Ich muss voransschicken. dass sich bis jetzt durch Nichts erweisen läset, oh in diesem oberen Bauwerk oder 'vielmehr in diesen untelirdischen engen Gängen und Grotten anch wirklich ״die Gräber“ der gen. drei ״Patriarchen“ zu finden sind, dass es vielmehr die Würde der wissenschaftlichen und geschichtlichen Kritik erfordert, sich hier, wie in allen Fällen, keinerlei alter- » tbümelnden Träumerei und Abenteuerei zu überlassen, allein ich muss auch ebenso hinzufügen, dass weit über tausend Jahre ־ dieees Bandenkmal den ehrwürdigen Namen, ״Grab der Patriarchen“, führt. Bein sachlich steht jedoch Folgendes fest . und wird durch das, der genannten Acadomie vorliegende, echte Manuscript im Binzeinen erwiesep. Dieses uralte, zweifellos in die Zeiten der Blüthe Judäa's zurückreichende Monument befindet sich in Hebron. Es ist bekannt, dass die Muhamedaner den genannten drei jüdischen Patriarchen die höchsten Ehren erweisen. Daher kam es denn auch, dass die־ Araber, als sie Besitz ergriffen von Jerusalem und ganz Palästina, dieses schon zu jener Zeit als ״Grab der Patriarchen“ für heilig erklärte Bauwerk nicht nur nicht irgendwie zerstörend antasteten, sondern vielmehr an dasselbe noch eine Moschee an bauten. So blieb es bis so den Zeiten der Kreuzzüge. Hier beginnt nun die Erzählung des betr. Mannscripts. Dasselbe besteht aus vier Pergamentblättem, ist in lateinischer Sprache im Jahre 1119 geschrieben, und zwar von einem Mönche, welchen die Kreuzzüge nach Palästina und nach Hebron geführt hatten. Dieser Mönch erzählt nun Folgendes: ״Eines Tages, es war im Jahre 1119, als fast ganz Palästina in den Händen der Kreuzfahrer war, betete ich knieend in der zu einer christlichen Kirche umgewandelten Moschee in Hebron, als ich zwischen den Steinplatten des Fussbodens einen kalten Luftzug verspürte, welcher mich annehmen liess, dass er aus einem unterirdischen Gewölbe heraufdringe. Ich machte sogleich dem Prior des Klosters davon Anzeige, welcher sich an den Grafen Beaudonin, dem Herrn von Hebron, wandte mit der Bitte, dort Nachgrabungen anstellen lassen zu dürfen. Nachdem Beaudonin seine Genehmigung ertheilt, begannen (im Jahre 1119) die Nachforschungen unter Leitung des Priors des Klosters, Endes, und des Kanonikus Baoul. Während mehrtägiger Arbeit stiessen sie auf sechs Gr&bkammem, in den Felsen gehauen. In der zweiten Grabkammer oder Grotte befand sich ein langer schmaler Gang, welcher in einer kleinen runden Halle endigte, jedoch nur so g" Drei waren ganz leer; in der vierten .jedoch lag ein ■Scelett: in der fünften fand mau zwei Scelette. und in der sechsten fünfzehn Thonurnen mit Knochen. Die beiden Priester (Endes und Baoul) glaubten, (lass die drei Scelette die der drei Patriarchen, Abraham, Isaak und Jacob seien, nahmen diese drei Scelette ehrerbietigst aus ihren Felsengräbern, durchzogen mit diesen Reliquien in feierlicher Procession Kirche und Klöster und brachten sie dann wieder an ihre ursprüngliche Stelle“. So der Mönch. Im Jahre 1187 fiel Hebron wieder in die Hände der Muhamedaner. Es ist wohl mit aller Sicherheit anzunehmen, dass dieselben diese vermeintlichen ״Gräber der Patriarchen“, bei der Heilighaltung derselben, ganz so gelassen haben, wie sie im Jahre 1119 von den genannten beiden Geistlichen zur Zeit Baldnin's vorgefunden worden waren. Selbstverständlich war seit dem Jahre 11S7 allen Christen der Besuch der Moschee und des ״Grabes der Patriarchen“ auf das Strengste untersagt, so das obiges, von mir auszüglich mitgetheilte, jedenfalls höchst merkwürdige Manuscript aus dem Anfänge des 12. Jahrhunderts wohl das einzige Document ist, welches eine nähere Auskunft über diese ״Patriarchengraber“ ertheilt. Der einzige Christ, welcher dieselben seit dem Jahre 1119 besucht hat mit aus-- drücklicher Genehmigung des Sultans, ist der Prinz von Wales. Von irgend welchen Untersuchungen musste jedoch Abstand genommen werden. Die Heiligkeit des Ortes gestattete nur eine Besichtigung. Eine für den Bibelforscher wichtige Entdeckung ist soeben in Egypten von den Gelehrten des jüngst gegründeten Londoner Vereins zur Erforschung von Egypten bei Tel-el-Maschuta, au der Eisenbahn und dera (.'anal zwischen Tel-el-Kebir und Ismailia, welches für das alte Bemeses gehalten wird, gemacht worden. Die in der Nähe befindliche Eisenbahnstation trägt den Namen ״Rameses.“ Eine daselbst aufgegrabene Inschrift ergiebt, dass der Ort nicht Kamesos, sondern das Pitliom und Succoth der Bibel war. Pithom ist die kirchliche und Succoth die bürgerliehe Bezeichnung des Tempels und der Stadt. Pithom wurde von den Israeliten für Kameses den Grossen gebaut. Succoth soll die erste Station auf ihrer Route nach Palästina gewesen »ein. Pithom-Succoth findet jetzt seinen Platz anf der Karte, und ein bestimmter Punkt in der Route der Israeliten ist festgestellt worden. M. Naville, der berühmte schweizerische Egyptologe. leitet die Art ■eiten der Forschungsexpedition. *■ ׳ * * Aus der langen Reihe interessanter Autographen, welche Herrn von Sacher-Masoch zu seinem Schriftsteller-Jubiläum zugingen, und über die im Februarheft seiner treffl. Monatsschrift: ״Auf der Höhe“ berichtet ist, sei das folgende Gedichtchen von Bauernfeldt hier mitgetheilt: Das Gut® und Schöne So tritt nur frank und frei Hat seine Zeiten; Und herzhaft entgegen Ihr Musensöhue, Auf allen Wegen Jetzt gilt es zu streiten! DerantisemitischenBarbarei. Der Redacteur dieses Blattes hptte das folgende, ebenfalls im gen. Hefte abgedruckte Telegramm gesandt: Hasf in den Blättern der deutschen Litteratur So wahr gezeichnet unseres Volks Natur Drum huldigt deiner lichten Geistesspur Heut’ auch (las Blatt der ״Jüdischen Litteratur“. M. R. Zum Schluss der Recension über Gr ätz’ es einigemal ״kauern“ anstatt ״knurren“. ״Psalmen“ heisst V«rmatwoTtliaifor Redacvaur Dt. Rahmet, Magdeburg. Dreck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Frieae, Leipzig■

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