Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 9. (3.3.1883)
- Date
- 1883-03-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Etr Beleaefcttng aller Jiieitkm «ad Mm litnffe«4M HUersrfeehe« Kr* a«f 4e« Gebiet« der fkflo* Mpklc, 6(««kUkU, Ethnegrmphle, Tkw>* legte» OriemtnM*, Exegeee, Hiatletik, Litirflk, Pftdegoglk. I Heransgegeben I ron Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 9T£a«j9e,6ivt<j, 3. 9T£,ät& 1883. 1 Biekerdereia«eklJgige«Litt«ratv,wel€k# ■ der Bedaetloa sageeaadt werdaa/fladea ia dieeea Blatte elageheade Biayrnkug.» Bei Elaeeadaag to« swei Beeeuiea«« Exeaiplarea erfolgt damalig« kmrma Gratis* Im ertioa. Das „JMfcche LItteratnr-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen;; Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Hark. Abonnenten der „Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich, bei allen Postens tollten und Buchbandlangen 8 Hark lostet) erhalten das „Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit SS Pf. für die gespaltene Petitzeile berechnet uni von der Expedition dieses Blattes sowie durch die Ontral-Annoncen-Expedition . ron O. L. Baabe t Co., Frankfurt a. M., Magdeburg, Berlin, Cöln, Hamburg, München, Zürich, Wien, Paris befördert. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Was und wie Hicluml Wagner den Juden dankte. Von Max Weinberg. Ernst Rünan über das Judentliuin. (Schluss.) Litteraturbericlit. Der zweite Band der gesammelten Schriften.' Von Leopold Kompert. Notiz en. Berichtigung. '! Nachdruck nur mit -voller Quellenangabe gestattet. Was und wie Richard Wagner den Judqn dankte Von Max Weinberg. Anlässlich des Todes von Richard Whgner werden jetzt, wie das natürlich 4st, in allen Zeitungen Bio- ’graphien, Characterzüge nnd AnecdoteA d?s heinigegangenen Meisters erzählt, die dessen Lebensbild ergänzen und berichtigen sollen, und die es vielfach in einem so strählenden Lichte erscheinen lassen, als ob wir es mit einem Menschen und Meiste: ganz ohne Bchuld und Fehle zu thun hätten. Hiergegen würden wir nun an dieser Stelle nichts einzuwenilen haben, denn ein Volk ehrt sich selbst, indem es seine grossen Männer ehn:, wenn es nicht vielfach auf Kosten der Juden geschähe, indem, um seinen unberechtigten, glühenden, masslosen Judenhass zu erkläien und zu beschönigen, Dinge erzählt würden, die die Wahrheit geradezu auf den Kopf stellen. Desshalb dürften einige anfklärende Mittheilungen hier wohl am Platze sein -die allen Verdächtigungen und Verleumdir igen gegenüber wohl um so mehr Stich halten, als sie von Wagners eigener Hand herrüliren und einer Autobiographiedes Meisters selbst entnommen sind. Leider hat sie — soweit uns bekannt — in der Ausgabe seiner sämmtlichen Schriften keine Aufnahme gefunden. Sie würde zweifelsohm: vor dem nJndenthuni in der Musik“ so recht an ihrem Platze gewesen sein. Unsere Leser werden gleich sehen Warum. Diese Autobiographie hat Herr Wagner vor -.langen Jahren für die längst eingegangeie „Zeitung far die elegante Welt“ geschrieben und führt dort den (Titel: „Richard Wagners Lehr- und Wanderjahre. Autobiographisches bis zum Jahre 1842.“ Hiernach ■chrieb Wagner nach mehrfachen kleireren, theils •päter von ihm selbst wieder verworfenen Compositionen im Jahre 1833 — 20 Jahr alt — ii Würzburg •eine dreiactige Oper: „Die Feen.“ „Mit meinen beeten Hoffnungen aut meine fertige Arbeit“, schreibt er, „ging ich im Anfang des Jahres 1834 nach Leipzig zurück und bot sie dem Director des dortigen Theatfers' zur Aufführung an. Trotz seiner anfänglich erklärten Bereitwilligkeit, meinem Wunsche zu willfahren, musste ich jedoch sehr bald dieselbe Erfahrung machen, die heut' zu Tage jeder deutsche Operncomponist zu gewinnen hat: wir sind durch die Erfolge der Franzosen und Italiener auf unserer heimathlichen Bühne * ausser Credit gesetzt, und die Aufführung unserer Opern ist eine zu erbettelnde Gunst.“ Die Aufführung fand nicht statt. Noch im Sommer desselben Jahres 1834, nahm er die Musikdirectorstelle am Magdeburger Theater an, die er bis zum Winter 1835 auf' 36 Lnne hatte' und componirte hier sein „Liebesverbot.“ „Während dem. so, fährt er fort, hatte sich denn auch der Ernst des Lehens bei mir gemeldet: meine schnell ergriffene äussere Selbstständigkeit batte mich zu Thorheiten aller Art verleitet, Ueldnoth und “Schulden iptälren mich auf allen Setten. Es kam mir bei, irgend etwas Besonderes zu wagen, um nicht in das gewöhnliche Gleis der Noth zu gerathen. Ich ging ohne Aussichten nach Berlin uml bot dem Director des Königsstädtischen Theaters mein „Liebesverbot“ zur Aufführung an. ' Anfänglich mit den besten Versprechungen ausgenommen, musste ich nach langem Hinhalten erfahren, dass keins von ihnen redlich gemeint war. ■ ■ / ■ In der schlimm sten-.Lage verliess ich Berlin, tun mich in Königsberg in Preussen um die Musikdirectorstelle am dortigen Theater zu bewerben, die ich späterhin auch erhielt. Dort heirathete ich noch im Herbste 183t> nnd zwar unter den m is slichsten äusseren Verhältnissen. DasJahr, welches ich in Königsberg zubrachte, ging durch die kleinlichsten Sorgen gänzlich für meine Kunst verloren. 1838 begann er als Theater-Director in Riga seinen „Rienzi“, von welchem ,er im1 Frühling 1839 ~ die beiden grossen ersten Acte fertig hatte und ging, nun, da „besondere Umstände es ihm verleideten,-*-', länger in Riga zu bleiben“, über London nach Paris, wobei die überaus stürmische Fahrt durch den Canal ihm bekanntlich den -ersten Impuls zu seinem „Fliegenden Holländer“ gab. „Ich hatte schon von Königsberg aus den Entwurf eines (>peru - Sujets an Scribe geschickt, mit dem Vorschläge, denselben, falls es ihm gefiele, tür seine Rechnung auszuführen und mir dafür den Auftrag, diese Oper für Paris zu compoftiren. zu erwirken Natürlich hatte Scribe dies so gut wie unbeachtet gelassen“. Wirf sind genöthigt, den Maestro hier wieder einen Augenblick zu unterbrechen, um einen kurzen eigenen Gedanken einzuflechten. Wir haben um diese Zeit also schon den angehenden Meister vor uns, der bereits ein gut Theil seiner geistigen Entwickelung hinter sich hat, [der schon Sonaten und Opern componirt, den halben Rienzi geschrieben hat und sich mit der Idee zum „fliegenden Holländer“ trägt. Es fehlte ihm demnach - eigentlich nur Licht und Raum, am sich vollauf zu entwickeln und sein Talent zu voller Entfaltung zu. M ■M ■'Mv 7-V ■■ *• %■ %■ € 18?' ■ £'!• *■ - ■ -I-.-.'rc-.o'V1'-C '■*