Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 7. (17.2.1883)
- Date
- 1883-02-17
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
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> «der neoh der numedMn Bis1«gfoh entführte. — Manche so oder enden ünterwfihlt*1 Existenz, manch blutiger Leichnam. auf dem Schkohtfelde, manche SFottMr in den Deportathmaliden' könnten beredter, •k alle haarscharf* Polemik, den weiteren Nachweis liefern, wie freudig die Juden ihr freiwillig übernommene 8 Martyrium ertragen, wie vollständig und selbstlos eie eich mit den Interessen des Adoptiv- Vaterlandes identifioirten, das ihnen nicht immer die Sicherheit and den Beiz dee Heimathagefähles gewährte. Agathe Meiseis. Ernst Rärian Uber das Judenthum. Der Gedankangang dee BAnan’schen Vortrages Aber die jüdische Religion (afr. ״Woohenschr.“ No. 13) bi nach dem ״Temps* folgender: Das Jadentham ist eine Religion. Bis za welchem Punkte ist es eine Race? Das ist die Frage, welche ־Rfn»n prüfen will Um seinen Gedanken klar zu Tmtr.hflTi, zieht er das Beispiel der p&rsischen Religion in Bombay and den Proteet&ntiä mu8 in Frankreich heran Fm Parse ist natarnothwendig־ von persischer Raoe; in diesem Falle sind Raoe and Religion zwei untrennbare Begriffe. Beim ProtestantisujLus dagegen handelt es sich nur am ein historisches Faktum. Die Familien, die im 16. Jahrhundert protestantisch .worden, nahmen die Reformation an, nicht weil sie dieser oder ,jener Race angehörten, sondern weil sie ln jenem Gemäthszustand sich befanden, den das Bekeuntniss zur Reformation erforderte. Die ethnographische Frage spielt unter solchen Umständen gar keine Rolle. Beim Jadentham liegt die Sache nicht so einfach; das Jadentham war ursprünglich eine nationale Religion und in unseren Tagen ist es wieder eine ge- *ohlossene Religion geworden. Aber lange Jahrhunderte hindurch war der Judaismus offen; betrachtliehe Bevölkenmgstheile, die nicht israelitischen Ur- Sprungs waren, haben sich ihm angesehlossen, so dass der Begriff des Judenthums in ethnographischer Beziehang sehr zweifelhafter Natur ist. Die Zeit, wo der Jehova-Kult einen absoluten Character annahm, die Ihn zur Religion der gesammten Menschheit pr&destinirt, ist das achte Jahrhundert v. Chr., die Epoche der grossen Propheten, namentlich Jesaias, der die Religion als das ״Gute und Gerechte0 zusammenfasste, die Nutzlosigkeit der Opfer proclamirte und der Menschheit ein goldenes Zeitalter verkündete, wo die Abgötterei zerstört und ״Israel ein TWm«r für alle Völker* sein würde. Diese Idee einer glänzenden, der ganzen Menschheit bestimmten Zukauft führte naturgemäss zur Propaganda. Die Weltläge war hierzu keineswegs ,günstig; es bedurfte solcher Zustände, wie später das römische Reich sie bot. Aber während des ganzen Jahrhunderts, welches der .Zerstörung Jerusalems durch die Assyrer folgte, liess Israel nicht nach mit seinen Aufrufen, und gewiss muss in dieser Zeit der Raoenhass, der es amgab, bedeutend nachgelassen haben, denn seit der Wiederheratallung des Cultas in Jerusalem waren es die ge- «nfthtan Ehen, gegen welche die Reformatoren am meisten nud am eifrigsten predigten. Die Thatsaohe, dass fremde Stämme wie die Kathäer zur Wiederbe- ▼ölkerang in das Land gezogen wurden und sich später mit Israel völlig verschmolzen, ist gleichfalls bedeutsam genug, um notirtza werden. ■ Es geschah vor Zeit der Nachfolger Ahatander’s und dar Rßmar, dass die jüdieohe Propaganda ausserordeutlioh thätig war and zahlreiche Bekehrungen zum Jude&thum erfolgten. In Antiodhia, so berichtet Josephas, bekehrten dis Juden eine gross« Hellenen, ״Welche ein intmgrirender Bnetandtihofl der Gemeinschaft wurden* (Jüdischer Krieg, VH, 3, 3), und in, Alexandria waren die Bekehrungen noch häufiger. Eine grosse Fabrik angeblich sibyllinisoher Bücher und falscher Klassiker wurde angelegt, um die Heiden zum Monotheismus -zu bekehren. Die alexandrinisohe Judenschaft war durchaus griechisch; sie vergase schnell das Hebräische und rskratirte sich grossentheils aas der egyptisch - helienisohen Bevölkerang. Auch die Bevölkerung Syriens leistete keinen Widerstand. Josephas berichtet, da«« au einer bestimmten Zeit alle Frauen in Damaskus jüdisch wann. Die Bekehrung der adiabenischen Dynastie ist eine bekannte Thatsache. Die Asmonäer zwangen die Länder, die sie eroberten, die Beschneidung anzunehmen.*) Die Herodes brachten durch reiche Heirathen viele kleine Fürsten des Orients dazu, dass sie sich beschneiden Hessen. Fast ganz Ituräa und Palmyra nahmen das Judentham an. Zum Beweise führt Renan Stellen aas Josephas (gegen Apion, JL 39) an, aas denen die enorme Ausbreitung des jüdischen Cultus erhellt; ferner eine Stelle aus ־ Dio Cassius (XXXVII. 17), wo zwischen Jaden der Abstammung nach und Jaden der Religion nach genau unterschieden wird, and endlich eine Stelle aus Iavenal (XIV. 95 u. ff), wo der Sohn eines Vaters, der nur ein ״Gottesfurchtiger“, also nicht beschnitten ist, 8ioh beschneiden lässt und ein Jude der fanatischsten Sorte wird. Renan beruft sich auch auf Tacitus (Hist. V. 5), welcher berichtet, dass die Bekehrungen zum Jadentham alle mit der Beschneidung endeten, sowie auf das Gesetz dee Antoninus Pins, welches den Jaden die Besohneidung ihrer Söhne, aber nur ihrer Söhne gestattete, was beweist, wie verbreitet der weitergehende Gebrauch war. Renan erkennt an, dass der grossartige Strom, der in der Zeit von zweihundert Jahren vor bis zweihundert Jahren nach Christas die griechischen and lateinischen Bevölkerungen dem Jadenthame entgegentrieb, hauptsächlich dem Christenthume za Gute kam. Ein sehr grosser Theil dieser Affiliirten des Jadenthams (metuentes, judaicam vitam agentes, jadaei improfessi) verpflichtete sich nicht zur Besohneidung und ging nur durch das Judenthum hindurch. Aber eine immerhin grosse Zahl liess sich beschneiden und blieb im Jadenthum. Renan citirte bei dieser Gelegenheit die Rede des heiligen Johannes Chrysostomus gegen die Juden, woraus man die Vermischung erkennt, in der die beiden Gemeinschaften noch gegen Ende des vierten Jahrhunderts lebten. Er führte auch Stellen aus Gregor von Tours an, ans denen hervorgeht, dass die Juden unter den Merovingem in Gallien sehr zahlreich gewesen sind. Waren das lauter Palästinenser, die nach Gallien eingewandert waren? Gewiss nicht. Sicherlich gab es in Gallien emigrirte Juden, welche als Sauerteig zur Zeit der Bekehrungen dienten; das ist aber auch Allee, was sich sagen lässt. Der grösste Theil dieser Jaden der Epoche Guntram’s und Chilperich’8 waren ganz ein* fach Gallier, welche sich zur-jüdischen Religion be* kannten. In der grossen Bewegung, welche in den ersten Jahrhunderten unserer Aera so ungeheuer viel Menschen mit feineren religiösen Gefühlen dem Heidentham entfremdete, bekehrte sich zweifellos der grösste *) Das ist blos bex. des Bruderstammes der ״Idnm&er“ bekennt und bat sich bitter genug gerächt. (Bed )