Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 7. (17.2.1883)
- Date
- 1883-02-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Max Mwefclaii« allar JitwrtM ui Ja*« 'Mraifi^w ntWttiMM ^'Krl**n|a wf «Me«kl«u 4m AM- «pkta, ««iW|^,. |(kMiniM(, TVa- M(ta, OrtaMalj«, .Kijicwt, HmiMIk. Heräusgegeben ▼cm - ,, Ratbiner Dr. Moritz Böhmer. ’0T£ä<j$fe6Ut^, 17. &&(>iuaL 1883. Blekw Ut ti<Kkli|i|u Uttarstar.waiek* <ar liiaitiu u|«uit witta, OMI«' ia Bata Blatt« iliftkai« kuprackaaf. *«l Btnca4aag na awat BaaaaaNuabraiplaraa «rfMgt aiaadk)* kan* nratla-laaaatiaa. Das nililicke I/ittepmtar-BUUM enchttiii^- :Laipsig.bei Robert Friese)-pn> Jahrgang 8 aUaa Poetanatalten and Bnrtifrandlungen t Mark Ä Ff. für dis gespaltene Petitzeile berechnet un 1 .▼an 6. L. Daube « Ce., Frankfurt a. M., Bagd< wöchentlich in einem halben Bogen: Preis bei allen Buchhandlungen (in Kork. Abonnenten der „Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei ]löstet) erhalten das „Jüdische Eilteratur-Blatt“ gratis. •— Inserate werden mit 11 von der 'Expedition dieses Blattes sowie durch die Central- Annoncen-Expedition teporg, Berlin, Cöln, Hamburg, München, Zürich, Wien, Paris bef&rdert. 0 Inhalt: 1 Wiesenschaftl. Aufsätze: Eine historische iüeminiscenz. Von Agathe Meiseis. (Schluss) — Emst Rinau über das Jadenthnm.! 1 Utterstnrberichte. Gräti, Prof. Dr. H., Conmientar zu den .Psalmen nebst Text nnd Uebersetzung. von Rabbiner ( Dr. Bosenthal in Beuthen (Schluss.) — Was Rohling ' beschworen hat und beschwören will. Zweite Streitschrift in Sachen des Antisemitisarfis. Von Franz Delitzsch. Briefkasten der Redaktion Nachdruck nur *H voller Queflenasfabe Eine historische Remirtiscenz. (Schluss.) i Die polnische Revolution, lange im | stillen vor- I>ereitet, trat in’s Leben, gewann an Boden and Ausdehnung, wurde endlich ein gewaltig zerstörender Factor mit dem die Regierung blutige Abrechnung ‘halten musste. Da galt es für die Ehrlicherj, Würdigen muthig Farbe zu bekennen. Und der Rabbiner 'Keisels bekannte sie, indem er als glühender Polenjreund, als begeisterter Anhänger ihrer freiheitlichen 'Bestrebungen in die politische Arena trat. Dieser offene Anschluss an die Nationalparte) und die , Festigkeif mit der er bis zum Schlüsse I auf seinen einmal eingenommenen Standpunkt beharrend, der Sache, zu deren Fahne er geschworen unvermeidliche •Förderung angedeihen liess, waren nicht nur Ergebniss “einer rein idealen Anschauungsweise, sondern auch einer ganz praotischen Opportunitätserwägung. Von jeher rjhatte die Ueberzeugung sich in ihm festgewurzelt, .«dass, wie der -Heinere Theil zum Ganzen naturgemäss Atendiret und nur durch einen künstlichen Process ön demselben losgelöst werdek kann, so die Juden t*de m Lande angehören, welches^ ihnen einst Unternnft gewähret; dass es für sie nicht nur eine Ehrenpflicht, sondern auch eine ihre ureigensten Interessen bereffende Nothwendigkeit sei, diesem Lax de alle ihre ^Kräfte voll und rückhaltelos zur Verfügung zu stellen. *tJnd weil' die Sonderstellung der Judea, zu allen «Zeiten ein Unglück, in dem entscheidenden Momente der Zersetzung der staatlichen Elemente zfc eventueller ■'Organischer Neubildung, ihm vollends j als vitaler Fehler von unberechenbarer Tragweile erschien, wies er die von mancher Seite als Klugheitsregel gepriesen» Maxime, der eigenen Schwäche nicht zu trauen und in dieser Zeit der Verwirrung nnd revolutionären- Gährung an den Stärkeren eine Stütze zu suchen, mit Entrüstung zurück. Wie verlockend auch der Köder sein mochte, wie berückend der Sirenengesang der, ’ Regierung, die die. Juden in dem nun entfesselten. ’ } Kampfe auf ihre Seite ziehen wollte, er mochte von Concessionen, von Unterhandlangen mit den fremden Machthabern nichts hören. Unbekümmert um die drohende Gefahr, unbekümmert um die oft beschwerliche Opposition im eigenen Lager, ging er ruhig' weiter auf der einmal eingeschlagenen Bahn, die ihm, er sah es deutlich voraus, dem Abgrande zuführte. Er wusste es, als er Mitglied .der städtischen Behörde wurde, er äusserte es oft im engeren Freundeskreise, dass das Ziel, dem er entgegenstrebte, — die in Wort und That bekundete Zusammengehörigkeit mit den christlichen Landesbrüdem, — ihn selbst an einer unausweisliehen Etappe, der Citadelle, vorbeiführen musste. Und er kam, der mit Sicherheit erwartete Moment der Einkerkerung, ein furchtbar aufregender .; für die Umgebung, während dessen Alle rundum, hur er selbst nicht den Kopf verlor: so kam die vier-' monatliche durch verschiedene Peripitieen belebte, ' Haft, mit ihrem Wechsel von Licht und Schatten^* von gleissnerischen Vorspiegelungen ijnd ' brutalen; Drohungen, von Kreuz- und Querfragen, um par foroe oder durch machiavell istifche Kunstgriffe aus einem Treuen einen Abtrünnigen, womöglich einen Denuncianben zu machen. Umsonst. Man sprach zu wiederholten Malen von der Deportirung nach Sibirien, und' in der letzten Nacht, wo der Gefangene, Dank dem energischen Einschreiten des österreichischen Consulates endlich freigegeben, zur Vermeidung'von befürchteten Demonstrationen aber in—aller Heimlichkeit zu einer entfernten Station gebracht wurde, von der . .i. aus er unter Escorte. über die Gränze geschafft werden Vj sollte, wussten die in Todesangst harrenden Angehörigen immer noch .nicht, ob das schnaubend» ’» Dampfross ihn nach Deutschland in’s erlösende Exil, ’