Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 6. (10.2.1883)
- Date
- 1883-02-10
- Page
- Seite 23 (sequence 3)
- Language
- German
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"יד — 23 — '5י —־. ׳ 5 Jer Coitus der Tradition und das süsse Ai .denken ier Vorfahren. Ein noch stärkeres Gefühl, «18 das genannte und das alle Theile der israel. Ges< Uschaft Jurchdringt, von der untersten Stufe bis zum Gipfel, ein Gefühl, das auch jetzt noch lebt, nachdem es die Seele der vorangegangenen Geschlechter gewesen, ist!die Wohlthätigkeit (charite). : Sie wird heutzutage in Paris unter allen | Namen ld Formen bethätigt. "Wohlthätigkeits - (jomites, lospitäler, Zufluchtshäuser, Mädchen- und Knaben- Lrbeitsschulen, Waisenhäuser, Schutzgesellschaften für Lngestellte und Arbeiter beider Geschlechter',( Gesell- «haften zu gegenseitiger Hilfsleistung etc. Ich er- Jnde nicht, sondern citire aus dem jüngst veröffent- Achten isral. Jahrbuche für das Jahr 5643. JEch hatte nicht die Absicht, wie Sie bemerken könnten, eine iVertheidigung der Israeliten zu schreiben. Mein einpger Zweck, imiem ich Ihre ehrenvolle Gastlichkeit an- 1ahm, war, zu zeigen, dass die Juden vielleicht so viel rerth sind, wie ihre Verfolger. An alle dieJ welche ei es weswegen immer, der Politik, der Moral oder jäer Religion wegen, heute gegen sie den Hass der Völker erregen, haben die Israeliten das Re^ht, mit piner leichten Aenderung die Worte zu richten, welche Christus an die gerichtet, welche den Tpd einer rmen Sünderin verlangten: ״ Die unter Euch)“, könnpn sie sagen, ״ welche sich ohne Schuld meinen, mögen Jen ersten Stein auf uns werfen.“ Analekten. 1. Die biblischen Namen. Kürzlich war in diesen Jlattem *) auf Grund eines Vortrags von Paulus Cassel Ton der Bedeutung der biblischen Namen die Rede, edeutung haben die biblischen Namen, abjer darin egt kein Grund, biblische Namen zu bevorzugen. 7ir wollen sie auch nicht ausgeschlossen wissen, aber wenigsten können wir jener Halbheit das Wort n, welche biblische Namen wählt und dalhn durch «ine gesuchte Allitteration wieder verdeckt uhd verunltet. So Moritz für Moses, Leopold für LeVi u. s. w. itweder biblische Namen oder deutsche. 90 hatten schon in der Maccabäischen Zeit die Juden riechische, unter den Mauren arabische, in! Spanien lische, in Russland russische Namen für Männer ad Frauen. Selbst die frömmsten und orthodoxen, religiöser Abfall wurde in dieser Anschmiegung die Sitte der umgebenden Völker nicht/-erkannt, anlus Cassel, der abgefallene Jude, ist alsc/ figoröser, die frömmsten und orthodoxen Juden. ״Mein leschummod (Getaufter) ist mein bestes Kind“, sagte Der Vater von seinem abgefallenen Sohne der ihn hr ehrte, als seine übrigen, treu gebliebenen Kinder, cht etwa blos, dass die biblischen Namen eine!ologische Bedeutung haben, religiöse Ideen, orisohe Ereignisse knüpfen sich an dieselben. Hüpft sich nicht an Esau, den Rauhen uqd Rohen, ן an Israel, den Gottesk&mpfer, die ganze Geschichte eres Volkes und unserer Brudervölker? Adam, der äenmen8ch und Chawa (Eva), die Muster alles benden, bezeichnet den Menschen als Weib- und hubgeborenen, der, obwohl von Gottes Hand gebildet von seinem Geiste belebt, doch, wie ן alles Gelene vergänglich ist und an seine Hinfälligkeit denken hat. Kain (קנה) hat seinen;Sinn auf liechen Besitz gerichtet, Abel (הבל) betrachtet den *־sehen Besitz, das Streben nach irdischen Reich- Dem, als etwas Eiteles. In Adam und Eva einer- *) In der Wochenschrift vor. Jahrg. No. 43. L seits, und Kain und A.bel andrerseits zeichnet die Schrift Genuss- und Habsucht als die beiden Qaellen aller Sünden. Die ersten Menschen fallen durch Genusssucht, Kain fällt durch Habsucht, Kain opfert, bringt Gott ein Geschenk, in der Absioht/ dass ihm Gott doppelt dafür zurückgebs, Abel opfert aus Dankbarkeit, zufrieden und überglücklich mit dem ihm von Gott beschiedenen Theil, er b3gehrt nicht mehr, er dankt Gott. Kain’s Opfer wird darum verworfen, sein Geschenk nicht angenommen; auf Abel’s Opfer und Geschenk sieht Gott mit Wohlgefallen. Es ist der Grund für di9ses Wohlgefallen oder Missfallen Gottes nicht von weit her zu suchen; er liegt nahe. Kain erntete im nächsten Jahre nichts, seine Felder waren kahl und leer, Abels Herden aber hatten sich stark vermehrt. Aus Neid und Habsucht erschlägt Kain den Abel; er will sich an ihm bereichern, dessen Schafe an sich nehmen. .Gott straft ihn mit נע ונד, er nimmt ihm noch dazu, was er hat, er wird arm, wie ein Bettler, der ohne allen Besitz, unstätt und flüchtig, ohne Heim umherwandem, von Ort zu Ort flüchtig eilen muss, der Morgens nicht weiss, wo er Abends sein müdes Haupt niederlegen 8011, der heute nicht weiss, wo er .morgen weilen wird. R.-A. (Wird fortgesetzt.) Litteratur bericht Recensionen. Graetz, Professor Dr. H. Commentar zu den Psalmen nebst Text und Uebersetzung. (Forts.) Von Rabbiner I)r. Rosenthal in Benthen. Das an neuen historischen Ergebnissen reichhaltigste und bedeutsamste dürfte Capitel IH über die Verfasserschaft der Psalmen (16—37) sein. Der Verfasser stimmt Hugfeld und Ohlshausen bei, dass die Aufschriften der Psalmen nur von dem Sammler oder den Sammlern der Psalmen errathen sind, und er weist die Erklärung von Delitzsch, dass mau mit dem Lamed nicht Namen auctoris habe bezeichnen wollen, als einen unbrauchbaren Nothbehelf ab. Dagegen glaubt der Verfasser aus!diesen Aufschriften doch den Kreis ermitteln zu können, aus welchem die Psalmen-Litteratur im Grossen und .Ganzen . hervorgegangen׳'ist. Zehn Psalmen haben die Aufschrift ללבני קרח zehn Psalmen haben die Aufschrift לאסף und viele andere להימן. לידותק u. s. yr. Die Korachiden waren Leviten, aus welchen auch der Prophet Samuel und sein Enkel, der Sänger Heman, stamm• ten. Die Assaphiden werden als levitische Sänger in Esra genannt. Ebenso waren auch die Jeduthnniden eine levitische Sängerfamilie. Im ganzen Alterthum waren aber die Sänger zugleich Dichter. Es kann also nicht bezweifelt werden, dass die Leviten Psalmendichter waren. Ferner weist der Verfasser auch aus dem Inhalt vieler Psalmen nach, dass die Lob-, Bitt- und Klagepsalmen zumeist aus dem Kreise der levitischen Sänger kommen. In dem Psalm 22 findet der Verfasser namentlich den Schlüssel für die Charakteristik des Kreises, ans welchem die Psalmen hervorgegangen sind. Dort nennt sich der Verfasser selbst einen ״Armen“ oder ״Unglücklichen“ and kündet Trost seinen Brüdern und Schicksalsgenossen, die er ״Gottesfürchtige* (יראי זל) und ״Sanftmüthige* (ענדם) nennt. Dieser Psalmist und seine Genossen waren also nicht blos arm, sondern auch s&nftmüthig. Diese Klasse ist identisch mit denen, welche sonst .Ük. jik_ __