Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 5. (3.2.1883)
- Date
- 1883-02-03
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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o*r r»' «1 ■-1-־.,T ~ •». v י;י* •ri ft-־ ״.־ ’ Tages, ׳an jener Benedeiang des Einig-Einzige«, deren erhabene Klinge noch fortklingen in das ^Utidinhe Leben hinein and die uns begleiten sollen bis zu unserer Sterbestunde, in welcher wir ebenfalls mit Inbrunst ausruten: 'ה״ הוא האלהים Es folgen nun noch Gesänge für Clianukah,*) Purim, *Tischob eav, für Trauimgen, für den Geburtstag des Landesfu raten und für Einsegnungen, nubst einem Anhang von Praeludien und Ritomellen. V ollten wir ebenfalls von diesen Vieles zergliedern und d e mannigfaltigen Schönheiten an das Tageslicht z ehen, wir würden so bald nicht zu Ende kommen. I überhaupt weise ich, dass vom rein musikalischen Standpunkte aus nicht Alles erschöpfend vorgeführt wmde, wie ja so Manches über Ausweichungen, Variationen, Fortschreitungen n. dgf. zu sagen wäre und gir manche Tonzusammenftigung zum Nachdenken anregt und zum Stillestehen gebietet. Allein wollte man nach Gebühr in dieser Beziehung seine Aufgabe vollständig lösen, so müsste man ein Werk über ein werk schreieben. — Arieh erachte ich es nicht für nöthig, auf mehrere textliche und musikalische Druckfehler aufmerksam zu machen; es bedarf keiner grossen musik. Kenntnisse, um dieselben zu findejn und als solche zu erkennen. Halte ich indessen einen!Rückblick auf meine Besprechung und fasse ein Urtheil über das fragl. Werk zusammen, so muss ich sagen: ״Das Todioh Wesimroh H Th.“ ist ein epochemachendes Werk; eine Bereicherung unserer liturgischen Gesänge, die sowohl זי auf Yadition als auch auf strengste musikalische Ge- * setze, auf Schönheitssinn und Aesthetik fassend, Eingang finden und sich erhalten werden; die dem, Autor zur höchsten Ehre gereichen und wodurch Jeder, der ein Herz für das Emporblühen unseres Gottesdienstes hat, ihm zu Danke verpflichtet ist.“ — Dieser1 kann Seite*18 Berufener nicht besser ausgedrükt werden, als dass sie zur allgemeinen Anschaffung urtd zur Verbreitung dieses-Werkes hinwirken und beitragen. Möge der verdienstvolle Componist in dieser Hinsicht nicht zu klagen Ursache haben. Graetz, Prof. Dr. H. Kritischer Cammentar zu den Psalmen nebst Text und Uebersetzung. 1. Band Breslau, S. Schottländer 1882. Dieses Buch kann in diesen mehr papulär-wissen- I schaftlichen Blättern nicht so kritisch eingehend behandelt werden, als es müsste, kann aber noch viel weniger darin übergangen werden. Der mehr populäre Charakter dieses für einen grösseren Kreis und nicht gerade für einen solchen von Fachgelehrten bestimmten ״Litteratur - Blattes“ ist gegen eine weitausgedehnte Detailkritik, während andrerseits die Bel kanntschaft mit •einem Buche von so ungewöhnlicher Bedeutung am allerwenigsten dem grossen jüdischen Leserkreis dieses geschätzten Blattes entzogen werden darf. Eine Charakterisirung in grossen und allgemeinen Zügen und Umrissen dürfte daher hier am ange- *Ws sensten sein. Schon der Name des Verfassers bürgt uns dafür, dass wir es hier niöht mit einem Buche von gewöhnlicher Mache zu thun haben. Der grosse Historiker Graetz, von Vielen verehrt und von Vielen angefeindet, ist allgemein! bekannt und Von Allen als Grösse gewürdigt. Der Ruf dieses *> In der B’rocho finde ich auf -bajoinim“ die kleine Terz etwas eigenthämlich uni nur mit Unterlage des vermind. Sep- *־־־־ orde. - — - - - — ־ ־ “־ timaccorde*. auf H. One Berechtigung. * besser wie as klingen. Ohne Begleitung dürfte Gelehrten mit der warmen jüdischen En^tfindung nnd der bewunderungswürdigen Intuition ist durch sein unerreichtes Werk: ״Geschichte der Juden״ längst und für alle Zeiten gegründet. Weniger allgemein bekannt dürften dessen Leistungen auf dem Gebiete der Schriftexegese sein, welche er uns bisher in seinem ״Hohenlied«“ und ״Kohelet“ und jetzt in seiner Uebersetzung und Erklärung der Psalmen vorgeführt hat. Nur mit der letzteren Schrift wollen wir unshier beschäftigen. Auch hier ist es zunächst der Historiker Graetz mit dem genialen Spürsinn für die Aufeinanderfolge und Causalität der Erscheinungen wie für die Stimmung der Zeit find Verhältnisse, welcher uns in der Einleitung (p.' 1 —152) eine reiohe.Fülle neuer Ergebnisse bietet und die unsere Aufmerksamkeit ׳ ebenso durch lebendige und lichtvolle Darstellung wie durch den reichen Inhalt fesselt. •Der Verfasser beginnt (p. 1—8) mit der Charakteristik der Psalmen und mit aer Be- Zeichnung ihrer unterscheidenden Merkmale von der lyrischen Poesie der übrigen Völker des Alterthums. Die eigenartige Poesie der Psalmen habe deshalb keine Analogie mit den dichterischen Erzengnissen anderer Ra^en und Völker, weil sie nicht wie diese die Tochter des Bodens und der autochthonen Entwickelung sei, sondern ein Erzeugnis« des Geschichtsganges. Die Wiege Israels stand in der Fremde, sein erstes Lallen waren Freudenlaute über die Befreiung aus der Knechtschaft, sein erstes Erlebniss eine Belehrung und sein erster Gang die Wüstenwanderung. Die Vorstellungen von der Gefeitheit des Volkes gegen den Tod und von der Nähe des göttlichen Beistandes finden daher in den Psalmen eine besondere Betonung. Als eine zweite ebenso reiche Quelle bezeichnet der Verf. den Glauben, dass die Gottheit sich der Gebeugten und Gedrückten besonders annehme und als dritte Quelle der Psalmen bezeichnet er die eigenthümlichen Volksideale. Diese sind das vollkommene Gesetz, das Gottesvolk, das Heiligthum, die Gottesstadt Zion und der von Gott erwählte König, dessen Vorbild David ist. Diese werden in den!Hymnen verherrlicht, deren Verfall wird in den Klagepsalmen betrauert und deren Wiederherstellung in den Bittpsalmen erfleht. So haben die Psalmen durchweg einen nationalen und religiösen Charakter. Im zweiten Capitel (p. 8—15) liefert der Verf. eine geistvolle Lösung des Widerspruchs in der Zählung der Psalmen, dass neben unserer Zählung von 150 Psalmen im jerusalemischen Talmud auch von einer Gesammtzahl von 147 Psalmen die Rede ist Der Verf. gibt uns dafür eine sehr geistvolle Erklärung. Die Schwankung der Zahl hängt nach ihm mit den Pentateuch - Perikopen zusammen. Der Pentateuch wurde in Palästina in einem dreijährigen Cyclus gelesen, je 'eine Perikope an einem Sabbat. Die Zahl der Sabbate, welche nicht mit einem Festtage xusammenfallen, beträgt, je nach der Jahresform, in drei Jahren 147—50. Da es mit dei־ Zeit Brauch wurde, entsprechend den begleitenden Vorlesungen aus den Propheten zum Morgengottesdienste, am Nachmittag ans den Hagiographen zu lesen, so eignete sich kein hagiographisches Buch besser dazu, als der Psalter, welcher reichen Stofl für die homiletische Auslegung bot. So wurde der Psalter ein synagogales Buch, ebenso wie der Pentateuch. Von selbst ergab sich, ihn ebenfalls in einem dreijährigen Cyclus durchzulesen und je einen Psalm einer Pentateuoh-Perikope zu accomodiren. . Zählte der dreijährige Cyclus J.&0 freie Sabbate, 80 wurde der Psalter in 150 Abschnitten oder Psalmen zerlegt; die geringste Zahl war 147. Diese