Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 5. (3.2.1883)
- Date
- 1883-02-03
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
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i*) and HerrEugloe yaänel, ebenfalls Laureat Ränder־ »’•Inkaim* als der Sänger 1 Schloss folgt) Das Handwerk bei den alten Israeliten. Jüngst hielt der Pfarrer D^eggan, Reiseprediger der Südwestdeutschen Mission (ans Darmstadt), in Frankfurt a.M. einen Vortrag über das ״Handwerk bei den alten Israeliten.“ Redner führte ans, wie ganz anders die Verhältnisse bei diesem Volke lagen im Verhältnisse za den ältesten Culturvölkern, den Babyloniern and Aegyptem. Hier nicht nur grosse Ausbildung des Handwerks, ־Weberei, Töpferei, Papierfabrikation, Glas-, Farbenand Salbenproduotion u. dgL, sondern auch Weiterbildung desselben zur Konst in der Baukunst, Bildhauerei, Metallarbeit and ähnlichen zur Verschönerung des Lebens und Verherrlichung der Cnltur dienenden Gewerbe. Die Israeliten hingegen waren ursprünglich Nomaden, dann ’ worden sie in Aegypten Ackerbauer und eigneten eich daselbst mit der ihnen eigenen Nachahmungs- Begabung aach Geschicklichkeit im Handwerk an. L Durch eine grosse Katastrophe wurden sie aasge- IneSen (?) und sammelten sich zu einem Volke, das in noch höherem Grade als zuvor sein Sinnen und Trachten nach Einem Mittelpunkte« richtete, der ]Religion, dem Gesetze, mit den Vorschriften der Heitignng und Reinigung, die, wie das ganze Leben, * so aach das Handwerk regelten — und so ein in der Waltge8chiohte einzig dastehendes Bild bietet. Das ante grosse and heilige Werk, welches die Israeliten ■p verfertigen hatten, war die Stiftshätte, wobei adle ]Handwerke zur Anwendung kamen. Diese Verwendung . der Handwerke zum Ban des Heiligthums gab aach den Handwerkern eine hohe sociale Stellung, wogegen das Verbot, irgend ein Gleicbniss zu machen von allein Erschaffenen, die Ausbildung der Kunst hindern musste. Vier Richtungen des Handwerks finden wir hauptsächlich vertreten. Erstens die Holzarbeit, das Werk des Zimmermanns, Schreiners and Schnitzers, da die meisten Geräthe, wie die Stiftshütte selbst, ans Holz gefertigt und nur ztun Theil mjit Metall überzogen waren. Hierzu gehört auch die Flochtarbeit für die Opferkörbe. Im alten Testament finden wir eine grosse Anzahl von Werkzeugen, wie Beil, Axt, Hobel, Hammer, Richtschnur, sogar Röthel u. s. w. erwähnt. Merkwürdigerweise erfahren wir nichts von Böttcherarbeit, während die alten Heiden gerade alle Verrichtungen beim Ban und Keltern des Weines ausführlich, darstellten. Ein Volk, dm? heilig sein sollte und auf äassem Lebensgenuss wenig Werth *egt«, konnte sich dem Weingeimss nicht in dem Maa8se hingeben, wie die Götzendiener es bei ihren wilden Culten thaten. Zweitens finden wir die hl etallar beiten, Schmiede, Schlosser, Knpferschmiede, aber Eisen ist erst importirt und auch dem friedlichen an einer geistigen Mission bestimmten Werke weniger noihwendig; Gold- und Silberarbeiten sind sehr ausgebildet. Wir finden geschmiedet(», ) gehämmertes, geschmolzenes, geläutertes Edelmetall, ׳ kleine und «rosse Schmelzöfen, Ambos, Hammer, Zange, Meissei, Blasebalg, Schmelztiegel n. 8. w. Eine grosse Zahl von Bildern ist davon hergenommen. Drittens ist zu erwähnen die Steinarbeit, die die Israeliten wohl von 4*0. Aegyptem lernten, die Eddsteinschleiferei and Gravirkrmst, die Töpferei. Auch das letztere Gewerbe mit •einen zerbrechlichen Produkten liefert oft Gelegenheit zur Anwendung auf das Yerhältniss zwischen Gott and seinen^ Geschöpfen. Glas kommt mit Sicherheit im alten Tietameht!nicht ypr,. fcbgleich die Aegypter vorzügliche Glasschleifer waren. Viertens zeigt sich die Kenntniss der Weberei und Gerberei sehr entwickelt, wenn auch für den härtSliclien Gebrauch einfache Stoffe der ganzen Richtung des Volkes entsprachen. Weberschiffchen, Kette und Einschlag u. s. w. werden als Sinnbilder angewandt. Diese Handwerker nun hatten ihre sociale Ordnung, sie waren in Innungen verbunden (siehe die Bücher der Chronik), die einzelnen Handwerker hatten in Jerusalem bestimmte Gegenden firne. Sie waren sehr geachtet, namentlich nachdem der phönizische Handelsgeist das Volk zerbrochen hatte und es sich gereinigt wieder fand; wir erfahren dies nicht nnr aus dem Talmud, der von dem dem Volke später aufgezwungenen Handel nur selten und nachtheilig, von der ehrlichen Hände-Arbeit aber häufig als allein segenbringend und rühmlich spricht, und jedem Schriftgelehrten die Erlernung eines Handwerks zur Pflicht macht. Darum wurde Jesus aach als Zimmermann und Sohn eines Zimmermanns geboren, schloss der Redner, damit das Hahdwerk geehrt werde. Nicht ist dem Arbeiter Handel und der übrige Wandel ausgeschlossen, aber die ehrliche Arbeit, die es ja im Leben am schwersten hat, hat er geadelt, and dem Stande, der die meisten Sorgen tragen muss, und sonst zu kuraCkommt, dem Armen, Geringen, Bedürftigen, der von der Hand in den Mund lebt, die Hand gereicht. Litteraturbericht. Recensionen. Tödoh Wesimroh II. von L. L e wand ow skr. M. Bosenhaupt, Obercantor in Nürnberg. (Schluss.*) Wie schon erwähnt bringt L. ausnahmslos eine schöne Stimmführung und reiche Modulation. Wo er u. A. die Trugschlüsse (wie z. B. auf Seite 261, zweites System, zweiter Takt) anwendet, verfehlen sie niemals die gewollte Wirkung. Der Chor 227 wurde vom Autor gut durchdacht und fein nüancirt! Ebenso sinnig und anregend ist der sich anschliessende Chor No. 228 in C-dur 4/ג Takt, welcher in seiner Illustration ans gleichsam eine glückselige Zukunft ahnen lässt und der unser erhebendes Bewußtsein durch seinen mächtigen Schluss bis zu einem Wonnegefühl steigert. Hochinteressant war mir das ״Joh schimcho“־ nach Jehuda Halewi, dessen alte Motive vorzüglich־ oonstrairt wurden. Das ,לךf~j-Gebet bewegt sich ziemlich unverändert in der herkömmlichen Weise. In demselben könnte■ man als Abnormität die deutsche קדושה No. 235 hervorheben. Es ist ein majestätisches Tonstück, dessen Schönheiten zu detailliren, den Rahmen dieser Besprechnng übersc]!reiten würde;. Die hierauf folgenden Pismönim sind für den Cantor gewiss willkommen, umsomehr, da ihnen der traditioneUe Charakter vollständig innewohnt. Von No. 243—248 sind dieselben wahrhaft mustergiltig. Noch ein bedeutendes Recitativ und wir halten am Schlüsse des Gottesdienstes jenes hochheiligen *) Berichtigung. Wo S. lti von No. 227 die Hede ist, «oll es heissen: .moaulirt nach F-raoll“, sodann statt D-molL — zu lesen Des-dnr-Accord, — zur kl. 6 hinabgebt.