Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 12 (1883)
- Issue
- No. 5. (3.2.1883)
- Date
- 1883-02-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Aufsatz: Professor Franck über den sittlichen und geistigen Zostand des Juden. — Das Handwerk bei den alten Israeliten. Litteraturberichte. Tödoh Wesimroh II. und Lewandowski. Von M. Rosenhaupt. (Schluss). — Gräte, Prof. Dr. H., Kritischer Commentar zu den Psalmen bebst Text und TJebereetzung — Der Talmudjude. Reden v. IJ)r. Ad. Jellinek. Rede am Sarge des verewigten Herrn Leopold Ritter von Wertheimstein. Von Dr. Aa. Jellinek. Kotiz. — Druckfehlerberichtigung. Professor Franck Uber den sittlichen und geistigen Zustand des Juden (Fortsetzung.) Es giebt auch unter den Juden Deutschlands eine beträchtliche Zahl von Geldmenschen, welche vielleicht (das ist nicht unmöglich) das Geld sehr lieben und den Reichthum der Arrauth vorziehen. Aber findet man wohl bei den anderen Racen und Bekenntnissen mehr solcher, die gefeit sind vor dieser Schwäche? — Natürlich müssen hier die fünf Milliarden herhalten. — Die Geldleute dürfen uns die Künstler nicht vergessen lassen, wie Meyerbeer und Mendelssohn, die Dichter, wie Heine, die Schriftsteller, wie Boeme, die Politiker, wie Lasker. Ich vergesse es nicht und will es meinen Lesern nicht verbergen, dass bei Heine der Zweifel mit der reinsten Poesie rivalisirte und das Mendelssohn als Protestant erzogen worden ist! Aber das verschlägt nichts, denn ich werde nicht müde, es zu wiederholen: Nicht der Gläubige, sondern der Semit wird durch Henrici und Stöcker dem Hasse preisgegeben. Ich echliesse, wo ich vielleicht hätte anfangen sollen, mit den französischen Israeliten. Besonders hei ihnen verschwinden die charakteristischen Züge, welche sie so lange ihrem Glauben, ihrer Race, ihrer Angst and ihrer Erniedrigung entlehnt hatten, immer mehr. Ein sehr geistvoller Schriftsteller (Renan in der Einleitung zu seinem Buche über Koheleth) hat neulich ein Portrait von ihnen entworfen, in welchem sie dargestellt worden, als wären sie heute, was sie vor 4000 Jahren in der Wüste Sinai waren — die Anbeter des goldenen Kalbes. Aber der Liebe zum Reichthum sollen sie noch, wie man sagt, hinznfügen das Erstreben der Macht, welche der Reichthnm mit sich^ bringt und den Luxus, welcher seine eitle Bekundung ist. Dieses Bild wäre nicht ohne Wahrheit, wenn es sich allein auf die Helden der Börse beschränkte. Und selbst da fehlte ein wesentlich« Zog: Die Mildthätigkeit, welche die vermögenden Israeliten bei jeder Gelegenheit bekunden gegenüber allem öffentlichen und privaten Elende und sehr oft ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität. Auf allen Subscriptionslisten steht ihr Namen obenan und mit den bedeutendsten Summen. Aber so im Allgemeinen zn sprechen von den Israeliten unserer Zeit und unseres Landes, das ist ein um so weniger zu entschuldigender Leichtsinn, als er nicht einem Uebermasse von religiösem Zelotismus entstammt. Man kann ihm Proben von fast mathematischer Bestimmtheit gegenüberstellen. In der zeitigen Bevölkerung Frankreichs, die rund 37’/, Millionen betrügt, sind 60000 Israeliten mitgezählt. Das macht 1 Israelit auf 635 Christen oder Niohtisraeliten. Obschon bekanntlich weder die Wissenschaft, nooh der Unterricht, noch die Offiziers- und Beamtencarriere Reichthum bringen, zählt man doch jetzt 5 Israeliten unter den 226 Titnlärmitgliedem der _ Akademie, -2 unter den 32 Professoren des College de Franoe, eine sehr grosse Zahl unter den Professoren unserer '*Lyceen und. Colleges. Ich könnte ebenso die Mitglieder unserer Gerichtshöfe herzählen von den Gerichten erster Instanz bis zum Cassationshofe. Wenn ich sage, dass unsere Armee drei israelitische Generale hat (deren Namen ich nerven kann), so können Sie sich eine Vorstellung davon machen, wie viel Offiziere aller Grade and Waffengattangen diese Kategorie von Franzosen gestellt hat. Auoh Künstler fehlen nicht. Ohne bis anf den Componisten der „Jüdin8 zurückzugehen, will ich "nur sagen, dass Mitglieder einer Familie, mit der ich verwandt bin, im vorigen Jahre drei römische Preise (prix de Rome) erhalten haben. Einer meiner Neffen ist decorirt worden für ein Bild: „Christus im Grabe.8 Als Dichter ist Herr Louis Ratisbonne zweimal von der Akademie gekrönt worden (für die metrische Ueberaetsung der „drrinfe