Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1883-01-20 · No. 3. (20.1.1883) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
12 (1883)
Issue
No. 3. (20.1.1883)
Date
1883-01-20
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/6492408-6488246-8756013--0046-4855469
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Wieder einige Schriften gegen Rohling. schmünzer Wae im ld£ sich als reic er Schwur- In Oesterreich hat dieser literarische seine Blech münzen in Ciroalation gese ״Reiche“ nicht möglich war, dass ein Bo| ,Gelehrter“ hätte aufspielen dürfen, in Oesterreich wurde er als Autorität beachtet Nachdem in Gerichtsverhandlung eine Stolle aus Rohlipg’s Talmud- Jude verlasen worden, hat das -'Wiener Rabbinat (Dr. Güdemann a. Dr. Jellineki amJ30. Oct. 18h2 folgende Erklärung in den öffentlichen Blättern erlassen: ״In der am 28. d. M. hier stattgehabten Schwurgerichtsverhandlnng ist auf Grund der von Bohling verfassten Schrift ״Der Talmudjude“ behauptet worden, das Citat, ״dass 1 die Christen Hunde, Schweine und Esel seien“, sei im Talmud enthalten. Dem gegenüber erklärest die Unterzeichneten, auf das entschiedenste, dass die Aeusserung Bohling’s, welche übrigens aus Eisenmen ge!־’s ״Entdecktes Judenthum“ abgeschriebeu ist, auf Unwahrheit beruht, indem eine solche Stelle im Talmud sich nirgends vorfindet. Bei dieser Gelegenheit geben wir die Erkläiung ab, dass der Talmud überhaupt nichts Feindseliges gegen Christen enthält“. Bohling hat die Unverfrorenheit, dies als wahrheitswidrig und ׳ arge Schelmerei zu bezeichnen, wie er auch sich erbot, den Gebrauch des Cbristenblutes von Seiten der Juden ״amtseidlich“ erhärten zu wollen. Uus liegen 2 Gegenschriften vor 1) Der Talmudjude von Bohling in der Schwurgerichtsverhandlung vom 28. October 1H82. Zur Abwehr und Verständigung von D Loewy, Wien 1882, Verlag der Buchhandlung D. Loewy, Wien, Praterstr. 15. 40 S, ein recht wacker populär geschriebenes Werkchen, in welchem schlicht und kl*r Alles gesagt ist, was aus dem Talmud für den Talmud; aus Bohling gegen Bohling. ohne viel Studien gezogen werden kann. Dass Urtheile Christlicher Gelehrter über Talmud und Rohling nicht fehlen, rundet das Ganze ab. — Scharf und schneidig schreitet die andere Sohrift daher: 2) Professor Bohling und das WienerBabbinatoder ״Die arge Schelmerei“ vom Bezirks-Babbiner Dr. J. S Bloch, Wiefi-Floridsdorf (Separat-Abdruck aus der ״Wiener Allgem.-Ztg“ vom 22. December v. J8.,) Wien 1882. Im Selbstverlag des Verf. 29 S. 8. — Sieben arge Schelmereien wider Bohling, dessen Naturgeschichte der Verf. genau erkündet hat, nachgewiesen. Ist auch das Meiste bekannt, 80 ist es doch bisher noch nie 80 handlich zusammengestellt nnd 80 passend gfuppirt worden. Bohling’s Amtseid ״ist ein hoher Schätz — schützen sie ihn vor Erkältung; es könnte ihm sonst Menschliches passiren“. — Wir empfehlen beide — besonders aber die 2. Schrift Allen, denen es darum zu thun ist, die Species ״moderner Judenfresser“ in ihrer 8itt- Beben Hoheit kennen zu lernen. Wir fügen hieran einige ganz objective Bernerhnngen der ״Wiener Allgem-Ztg.“ vom 11. Januar: Unstatthaft .finden wir es, dem Manne, der öffent- Hch der Ignoranz und Fälschung geziehen wird, zu fisstatten, sich unter dem Schilde seiner öffentlichen Stellung zu verkriechen. Professor Rohling lehnt die ihm vom Bezirks-Babbiner Bloch angebotone Probe sohen Morgen! ändiseben Gesellschaft. Wird Bohling auch diese Proposition ablehnen? Das scheint uns nichä-^ut möglich. Es geht denn doch nicht an, sich fortwährend sagen zu lassen: ״Du fälschest, du bist unwissend“, und darauf nichts Anderes za erwidern, als: ״Ich bin Professor und habe eines Amtseid geleistet.“ Wenn Herr Bohling selbst nicht- ־- das Verständni88 dafür hat dass er dadurch den Professorenruf oompromittirt, so muss er durch dis Behörde, auf deren Autorität er sich beruft, auf den ' richtigen Weg gebracht werden. Die Regierung muss auf eine Entscheidung drängen. Entweder hat Prof Bohling Recht, dann ist die nothwendige Folge eine glänzende Ehrenerklärung für den ungerecht Ange-'r.: griffenen, nnd als praktische Consequenz eine Puri-^1 ficirung des Talmud von allen anstössigen Stellen;";,, oder Herr Bohling hat nicht Becht, dann müsste;וי eine officielle Verlautbarung erfolgen, dass die Profe88nr und der Amtseid Bohling’s seinen Aeusserungm über den Talmud keinen autoritativen Charakter ver־ leihen.- Du scheint uns das Wenigste, was den Juden,’1׳- welche unter den Talmud-Interpret atiohen Bohling’s -־' zu leiden hatten, zugestanden werdenümuss. Diese Forderung ist so selbstverständlich, dass uns jeder Unbefangene Becht geben wird. An dieee Unbe- :1־ fangenen wenden wir uns. Wir selbst haben uns bemüht, die Sache 80 objectiv als möglich zu erörtern, weder im Sinne der Semiten noch der Anti- Semiten!“ Nun Herr Bohling: Hic Rhodas, hic salta! Litteraturbericht Recensionen. , Tödoh Wesimroh II. von L. Lewandowski. M. Rosenhaupt, Obercantor in Nürnberg. (Fortsetzung.) Wir gelangen nun zu jenem Gemeingut des Hauses Jakob, zu jenen serrlicben Melodien, die sich wie ein -1 Zauber durch ganz Israel ziehen; deren erhabene’f Klänge nie verhallen; die da bleiben und sich erhalten ץ־ werden, 80 lange noch sin Pulsschlag des Judenthums' bemerkbar ist. Jedes Volk hat seine Nationalmelodien, die bei BeurtheUung seiner Gesittung, seines religiös Gefühls und seines Idealismus füglich als MaassStab־^ anlegen darf. Unsere Nationalmelodien sind nicht nur der Stolz \ Israels, sondern auch schon seit Jahrhunderten stand der regsten Aufmerksamkeit der berühmtesten Tonkünstler gewesen, die grossentheils mehr oder 'wenig aus dem uuversigbaren Liederquell unseres VolMfi? geschöpft haben: In jenen trüben Zeiten, wo , des\ Jude so ganz auf sich und seine Glaubensgenossen^:! angewiesen war, in welchem ihm der Born der modernen Wissenschaften und'geistigen Genüsse versc hlosseZL.. gewesen, wo er nicht, wie heute, in den Musentempeln, י in Conzerten nnd sonstigen Vergnügungsstätten seinem idealen Impuls Genüge leisten konnte, «»tm er das;; ganze Jahr hindurch Zuflucht zu den Synagogenmeloaien der hohen Feste, die er zu Hause bei aen Seinen ■' vor sich hin trällerte oder in fröhlichen Kreisen Besten gab. Es suchte ein jeder Stimm begabte Ehre; darin, soviel als nur möglioh Synagogenmelodien in• sich aafzufassen nnd womöglich als Baal Tefillah za: verwerthen. — Dass durch die Eitelkeit der fast schliesslich musikalisch - niohtgebildeten Sänger manche Schnörkeleien entstanden nnd selbst־ die sprüngüch erhabensten Wejsen zn Zerrbildern ■

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.